edlere als Sophie finden? bald hatten sie kein geheimnis mehr vor einander, und Sophie ward von Allem unterrichtet.
Fünftes Kapitel
"Wovon? wovon?" – rief ich. –
E r . Nun! dass sie einst dich geliebt habe. –
I c h . Ach geliebt habe! nicht mehr liebe! – nein! nein! sie kann mich nicht mehr lieben! sie kann einen Verworfnen nicht lieben, der sich ihrer unwürdig gemacht hat.
E r . Sei ruhig! fasse dich! die verlorne Unschuld kehret nie wieder, wohl aber die Tugend. Du wirst ihr von nun an dein Leben widmen, du wirst Mariens würdig werden.
I c h . O Gott mit diesem zerrütteten Körper! mit dieser ermatteten Seele! –
E r . Mut! Mut! es kann noch alles gut werden! Jugend und Mässigkeit, Arbeit und Hoffnung werden dich stärken. Die natur, die grosse gütige Mutter! ist nur unerbittlich gegen den der zu spät wiederkehrt.
I c h . Ach und wenn sie dich sieht!
E r . So sieht sie einen Freund von dir.
I c h . Heinrich sieh mich an! hast du sie niemals geliebt? –
E r . Willst du eine sinnliche Erschütterung Liebe nennen – ja so habe ich sie geliebt, so liebe ich sie vielleicht noch wenn ich sie wiedersehe.
I c h . Grausamer!
E r . Warum fragtest du? sollte ich lügen? –
I c h . Sage mir, sage mir! wünschest du sie zu besitzen? – hast du es nie gewünscht? –
E r . Wie meinst du das? –
I c h . Wünschest du dass sie deine Gattin, die Gefährtin deines Lebens werde? –
E r . Nein, bei Gott nicht! dazu kenne ich sie zu wenig!
I c h . Aber warum schlägst du die Augen nieder? – wie? – was verbirgst du mir? –
E r . Eine unedle Empfindung.
I c h . H e i n r i c h – eine unedle Empfindung! – –
E r . Warum nicht? Heinrich ist ein Mensch. –
I c h . heraus mit dieser unedlen Empfindung! nun? – was zauderst du? –
E r . Wohlan, du willst es! – ich ward mir durch deine fragen, aber auch nur erst durch s i e bewusst: dass ich zwar niemals daran dachte, mit Marien rechtmässig verbunden zu werden, aber, dass ich demohngeachtet oft lebhaft wünschte, mit ihr vereinigt zu sein.
"Halt ein!" – schrie ich; und taumelte zurück in meinen Sessel – "halt ein! das ist zu viel!"
O Gott! – rief er; laut schluchzend in meinen Armen – sieh wie diese fürchterliche Offenheit dein Herz zerrissen hat! –
Aber sei ruhig! noch ist alles ein Traum! – ich will mich bestrafen für diesen Traum! ich gehe nicht mit nach Berlin! ich verlasse dich! – jetzt gleich, jetzt augenblicklich will ich Anstalt dazu machen! Er ging – und mir war als schiede die Hoffnung auf ewig von mir.
Sechstes Kapitel
Jetzt kämpften Dankbarkeit und Eifersucht einen schrecklichen Kampf in meinem Herzen. Ich erinnerte mich des ersten Blickes den Marie auf Heinrich warf – und die Eifersucht wollte die Oberhand gewinnen – aber dann traten wieder alle schönen erhabenen Aufopferungen des Freundes vor mir hin – und die Dankbarkeit siegte.
Nein! – rief ich – nein! er soll nicht reisen! mit ihm verlässt mich mein Schutzgeist! ohne ihn verzweifle ich an mir selbst! nie kann ein menschliches Wesen mir das werden, was er mir war. – Wohlan! es ist Zeit, dass auch ich einmal ihm und der Tugend ein Opfer bringe! –
Schnell eilte ich auf sein Zimmer; aber man sagte mir, dass er im Garten sei. Hier suchte ich ihn lange vergebens; bis ich ihn endlich einen langen gang tief mit sich selbst beschäftigt, hinauf gehen sah.
Leise folgte ich ihm nach. Er sprach mit sich selbst und ich hörte Mariens Namen und den meinigen. Aber was war das, was er mit so heissen Küssen und mit Tränen bedeckte? jetzt stand er am Ende des Ganges, ich dichte hinter ihm. – Gott! es war Mariens Bild! – ein lauter Ruf des Schreckens verriet mich; er kehrte sich um und wir verstummten vor einander.
"Nimm es!" – sagte er endlich – "damit keine Erinnerung mir übrig bleibe!
"Woher? – stammelte ich, und die Eifersucht erwachte mit allen ihren Quaalen.
Von mir selbst – antwortete er – Ich mahlte es in Neapel aus der Phantasie, als mich die Sinnlichkeit am schrecklichsten bestürmte. Es hat mich gerettet. –
"Verräter!" – schrie ich wütend und riss ihm das Bildniss aus der Hand – "warum nicht auch mich? ach Schlange, die ich in meinem Busen nährte, jetzt kenne ich dich! und wohl mir, dass ich dich kenne, ehe du das Herz noch ganz mir zernagst! –
Geh! verlass mich, ich werde keine Träne um dich weinen! O der unerhörten Treulosigkeit! er hatte das Mittel, mich zu retten, und er gebrauchte es nicht! – Nur einen einzigen blick auf diese himmlischen Züge, und ich wäre nie bis zum Tiere hinabgesunken! Aber ich sollte sinken! ich sollte, damit er allein! – o ich darf es nicht ausdenken