pflügte.
Mit jeder Furche, die er zog, verschwand eine Falte von seiner Stirn, und wenn er nach dem Hüttchen blickte, so strahlte sein Gesicht von einer beinahe überirdischen Heiterkeit.
"Ah! doch wohl eine Liebschaft," – dachte ich – "und wahrscheinlich eben so romantisch, wie er selbst. Das muss man doch ein wenig näher betrachten!" – und so schlich ich unbemerkt zu dem Hüttchen.
Ich fand einen abgezehrten Greis auf einem ziemlich reinlichen Lager. Er erzählte mir: dass sein Sohn – der Vater der fünf Kinder – auf einer Reise krank geworden, und dass seine Schwiegertochter ihrem mann sogleich gefolgt sei, um seine Pflege zu übernehmen.
"Jesus Maria!" – rief er – "was wäre nun aus uns geworden, wenn Gott uns nicht einen Engel gesandt hätte? – Ja, einen Engel! denn er ist mehr als ein Mensch! er hat übermenschliche Kräfte! – mich trägt er wie ein Kind wohin er will, und was mein Sohn mit mehrern Arbeitern nicht bezwingen konnte, das ist ihm a l l e i n wie Kinderspiel."
"Sehen Sie! sehen Sie!" – fuhr er fort – "dort geht er und pflügt unsern Acker. Wenn meine Kinder nur erst wieder zurück sind! sie werden ihn anbeten!"
"Ach! wie mir so wohl geworden ist, dass ich es doch einen Menschen habe erzählen könne!"
Meine Augen wurden nass; ich drückte dem Alten sprachlos die Hand; liess unvermerkt meine Börse auf dem Tische, und eilte, ohne auf das Feld wieder hinzublicken, in die Stadt.
Eilftes Kapitel
Die Marquise erwartete mich, aber ungeachtet meine erste Empfindurg mich trieb, Heinrich zu fliehen, so war es mir dennoch unmöglich, diesen Abend ohne ihn zuzubringen, und um ihn nicht zu verfehlen, eilte ich sogleich auf sein Zimmer.
Alles, was ich hier fand, überzeugte mich von seinem unablässigen Streben nach Vervollkommnung. Seine Papiere verrieten ein so tiefes und ausgebreitetes Studium, dass ich jetzt sehr wohl begriff: warum er sich des Morgens vor jedem Besuche verleugnete.
Endlich kam er, und ich sprang auf, um mich an seine Brust zu werfen. Aber es war etwas so Hohes, Ueberirdisches in seinem Wesen, dass meine arme unwillkührlich sanken, und meine Knie sich beugten. Wer wüsste, was ich getan haben würde, hätten mich nicht Schaam und Stolz aufrecht erhalten.
Aber sie siegten und der Neid erwachte mit ihnen. Ich bot ihm einen kalten guten Abend, entschuldigte mich, dass ich in seinen Papieren gekramt hätte, und eilte sehr übler Laune auf mein Zimmer.
Hier bestürmten mich eine Menge unangenehmer Empfindungen, und die Marquise würde sich eben nicht geschmeichelt gefunden haben, wenn sie gewusst hätte, was mich so spät noch zu ihr führte.
Ihr spöttischer Witz, der mit vormals so reitzend
schien, dünkte mich diesen Abend beleidigend; bald waren wir in einer sehr unfreundschaftlichen Stimmung, und versöhnten uns nur auf Kosten meiner Ruhe und meiner Gesundheit.
Diese hatte seit einiger Zeit merklich gelitten, und
ich konnte mir nicht verbergen, dass das etwas zu lebhafte Temperament der Marquise die ursache davon war.
Die Anmerkungen meiner Bekannten, – Heinrichs
tränenvolles Auge, wenn ich nach einer leichten Geistesanstrengung mich erschöpft und mutlos fühlte – ach das Alles machte mich freilich für Augenblicke aufmerksam; aber dann rissen mich wieder Sinnlichkeit und Gewohnheit dahin, und bald fing ich an, an mir selbst zu verzweifeln. –
Ich war verlohren, wenn mich der Zufall nicht rette
te.
Zwölftes Kapitel
Eines Tages, als ich früher wie gewöhnlich zur Marquise ging, fand ich sie nicht zu haus, aber ihre Zimmer offen. Es hatte mich Niemand von ihren Leuten bemerkt, und ich beschäftigte mich, einige neue Schriften, die ich in ihrem Kabinette fand, zu durchblättern, als ein Wagen vor dem haus hielt.
Sie war es selbst. Ich beschloss, mich ganz still in dem Kabinette zu verhalten, um sie nachher angenehm zu überraschen. Die tür war nur angelehnt, und ich konnte das ganze daran stossende Zimmer beobachten.
Sie erkundigte sich im Hereintreten: ob ich da gewesen sei? –
"Nein!" – sagte die Kammerjungfer.
"Nun, gleichviel!" – antwortete die Marquise – "lass mir Anton herauf kommen."
"Gleichviel!" murmelte ich zähnknirschend, und schon hatte ich die Hand an der tür, als ein Geräusch mich wieder zu mir selbst brachte.
Es war der geliebte Anton. Ein langes, keuchendes Gerippe, in der Livree der Marquise. Man schleppte ihn in die Mitte des Zimmers, wo er wie eine leblose Masse auf das Sopha niederfiel.
Aber sobald sich die Marquise ihm näherte, flog eine Fieberröte über seine eingefallnen Wangen, und in seinen erstorbnen Augen loderte plötzlich eine wütende Glut.
Sie sagte ihm: dass sie seinetwegen mit einem arzt gesprochen, und alle Hoffnung zu seiner Besserung habe. Jetzt wollte sie seine Hand ergreifen, aber mit Abscheu stiess er sie von sich.
"Lassen Sie mich!" – schrie er – "Sie allein haben mich in dies unabsehbare Elend gestürzt! – ich verfluche Sie und alle ihre ärzte!" –
"Was soll ich hier? – wollen Sie sich an meiner Marter weiden? – Bei Gott, ich schwöre Ihnen!" – – Hier schloss die Wut ihm den Mund, und er sank ohnmächtig auf das Sopha zurück.
Die Marquise