eine lebhafte Phantasie schien ihre Seele zu beschäftigen.
"Sieh dahin hast du sie gebracht!" – rief mein Gewissen. – Eine unbeschreibliche Rührung ergriff mich. Mein Kopf sank auf ihre Hand; und eine brennende Träne, die darauf fiel, erweckte sie aus ihrem Schlummer.
Fünftes Kapitel
"Helft! helft! er ertrinkt!" – rief sie – "wir ertrinken Alle!"
Bei den letzten Worten sank ihre stimme so hoffnungslos; dass das Herz mir vor innigem Mitleiden erbebte.
Länger hielt ich mich nicht! – mit unaussprechlicher Reue schloss ich sie in meine arme. "Mein teures, geliebtes Mädchen! – rief ich – Erwache! erwache! – nein, du wirst nicht sterben! Du bist gerettet! bist in meinen Armen! –
Jetzt schlug sie die Augen auf. – Welch ein blick! – er verriet meine ganze Schuld und alle ihre Leiden.
"grosser Gott!" – rief sie – "also ist es wahr! also ist es doch kein" – Traum wollte sie sagen – aber hier sah sie sich um und verstummte. –
"Ja!" – sagte ich – "mein süsses Mädchen! es war ein Traum! aber dass ich dich unaussprechlich liebe, dass ich dich in meinen Armen halte, das ist Wahrheit! –
Ach wie sehr fühlte ich diese Wahrheit! – zwar war ich fest entschlossen alles wieder gut zu machen; meine Sinnlichkeit zu bekämpfen; ihre Unschuld zu ehren; sie wo möglich zu einer Verbindung mit irgend einem rechtschaffenen mann zu bereden. – – Aber ach! so reizend, so duldend war sie nie gewesen – so tief hatte mich ihr Anblick niemals erschüttert.
"Fliehe! fliehe!" – rief mein guter Engel – "noch ist es Zeit!" –
In der Tat, ich riss mich auf von ihrem Lager – ich wollte gehen. – Aber da sah sie mich an mit ihren grossen schmachtenden Augen, als müsste sie auf ewig von mir Abschied nehmen.
Ich trat zurück – – und bald war es zu spät zum Fliehen. – –
Nein! diesen Flecken in meinem Leben werden niemals die Tränen der bittersten Reue vertilgen! wohl gibt es einen H i m m e l und eine H ö l l e ! denn sie sind in unserm eigenem Herzen!
Sechstes Kapitel
Röschens Verzweiflung, meine Angst – – ach ich muss davon schweigen! – ich ertrage die Erinnerung nicht! –
Noch immer hoffte ich, dass die unglückliche Stunde keine weitern Folgen haben würde, und brachte es endlich dahin, Röschen das nemliche glauben zu machen.
Aber leider sahen wir nur zu bald, dass wir uns geirrt hatten, und dass es notwendig war, Röschen auf das schleunigste vor den Beobachtungen der Bedienten zu schützen.
Der Nachsicht meiner Tante gewiss, wollte ich ihr alles entdecken. Aber Röschen versicherte: dass sie lieber in den Tod gehen, als sich dieser Schande aussetzen würde.
Vielleicht wäre es noch möglich gewesen, sie zu bereden, wenn nicht gerade jetzt Friedrichs eifersüchtige Tücke sie aufs Aeusserste gebracht hätte. –
Schon lange war unser Einverständniss von ihm bemerkt worden, und er hatte nur bis jetzt den Unwissenden gespielt, um sich plötzlich auf das Empfindlichste zu rächen.
Erbittert, dass die gelegenheit dazu noch immer nicht erschien, konnte er sich nicht entalten, Röschen mit äusserst kränkenden Anmerkungen zu verfolgen. Das unglückliche Mädchen, war ihrer Schuld sich bewusst, und hatte stillschweigend alles erduldet. Aber das war Friedrichs Plane zuwider. Er wünschte zu grösseren und öffentlichern Misshandlungen berechtigt zu werden, und da er sich hierin getäuscht fand; so beschloss er auf eine andere Weise – es koste was es wolle, seine Rache zu befriedigen.
Siebentes Kapitel
Leider war ich genötigt, mich wegen einer Erbschaftsangelegenheit auf einige Tage zu entfernen. Erst nach meiner Rückkehr sollte für Röschen gesorgt werden. Ihr Zustand hatte sie mir doppelt interessant gemacht, und ich hoffte noch immer, sie in meiner Nähe behalten, und meine Tante für sie gewinnen zu können.
Die Unglückliche! warum ahnete sie allein, was ihr bevorstand! – warum konnte ich mich, ungeachtet ihrer rührenden Bitten, aus ihren Armen reissen! – Nein, niemals würde ich mich von ihr getrennt haben, wenn ich gewusst hätte, was ihr drohte.
Kaum hatte ich mich entfernt, als Friedrich zu Röschens Vater eilte, ihm unser ganzes verhältnis entdeckte, und den ohnehin jähzornigen Mann bis zur rasendsten Wut erbitterte.
Ein Brief voll der fürchterlichsten Drohungen meldete Röschen seine nahe Ankunft.
Dies war genug um das bedauernswürdige Mädchen zur Verzweiflung zu bringen.
Sie kannte ihren Vater und hoffte kein Erbarmen von ihm. Ohne Rat, ohne Schutz und ohne Trost, glaubte sie nur durch eine schleunige Flucht sich vor seinem Zorn sichern zu können.
Ich kam zurück – und niemand wusste wo sie geblieben war.
Mein Schrecken bei dieser Nachricht, mein Gram da ich nach unzählig missglückten Versuchen, endlich die Hoffnung sie wieder zu finden, aufgeben musste – wer begreift das nicht? wem brauche ich es zu schildern? –
Wie ein Verbannter irrte ich umher. Das Leben, ich selbst, alles war mir verhasst – und wahrscheinlich würde ich einer unheilbaren Melancolie nicht entgangen sein; hätte mich nicht Heinrich gerade jetzt an die Reise nach Italien erinnert.
Diese Reise, war längst unter uns verabredet; er hatte in Berlin alles dazu veranstaltet, und erwartete jetzt nur meinen letzten Entschluss.
Achtes Kapitel
Da waren wir denn in dem