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und ward rot bis an die Augen.

I c h . Ja! bei mir. Du bist ja ein entsetzliches Mädchen! bringst alle Männer zur Verzweiflung. –

S i e . Oh da hat gewiss Friedrich einmal wieder geschwatzt! der hat immer dummes Zeug im kopf!

I c h . Er findet dich liebenswürdig! kannst du das dumm nennen? das tut mir leid! – da wirst du mich auch dumm, sehr dumm nennen müssen! –

"Ach!" – rief sie lebhaft – "mit dem gnädigen Herrn, das ist ja ganz was anders!" –

"Wirklich? liebes Mädchen!" – sagte ich; indem ich ihre Hand zärtlich in der meinigen drückte, und meinen Ton so treuherzig als möglich zu machen suchte.

Mit dem Tone gelang es mir so ziemlich; aber ich mogte doch ein gewisses schalkhaftes Lächeln bei ihrer Naivetät nicht ganz unterdrückt haben. Sie fühlte jetzt was in ihrer Antwort lag, und ihre Verwirrung war unbeschreiblich.

"Habe ich dich böse gemacht? mein süsses Mädchen!" sagte ich; und fand meinen Ton jetzt meisterhaft – "wie innig leid würde mir das tun!" –

"Ach Gott nein!" – antwortete sie – "ich bin nur böse auf mich selbst, weil ich immer so schwatze wie es mir in den Mund kommt."

"Tue das immer lieber Engel!" – fuhr ich fort; indem ich meinen Arm um ihre Hüften schlang. –

"Niemand kann es besser mit dir meinen als ich. Sieh mich als deinen Freund, als deinen Bruder an!"

"Ach lieber Himmel!" – unterbrach sie mich – "wie könnte ich denn das!"

"Das kannst du! das musst du!" – wiederholte ich; und drückte schnell einen Kuss auf ihren niedlichen Mund.

Sie verschwand mit einem Schrei; und ich ärgerte mich, durch eine einzige Aufwallung beinahe alles verdorben zu haben.

Drittes Kapitel

Von diesem Augenblicke an, vermied sie mich eben so absichtlich, wie ich sie suchte, und ich war nahe daran, mit Friedrich einerlei Schicksal zu haben: als ich mich noch zur rechten Zeit eines Mittels erinnerte, das ein sehr erfahrner Mann, mir als untrüglich empfohlen hatte.

"Röschen!" – sagte ich eines Tages zu ihr; als sie sich abermals aus meinen Armen wand. "Du hast Recht! mein Stand wird eine ewige Scheidewand zwischen uns bleiben! – Nein! ich will dich nicht unglücklich machen! – Wohlan! ich entsage dir! Du bist mir von nun an heilig!" –

Ihre Bestürzung war zu gross, als dass sie hätte gewahr werden können, wie scharf ich sie beobachtete. Schweigend, mit niedergeschlagenen Augen, schlich sie in ihr Kämmerchen; während ich mit triumphirendem Lächeln mich zurückzog, um meines Sieges desto gewisser zu bleiben.

Es war unverkennbar! mit jedem Tage kam ich ihm näher. Zwar schien es, als hätte ich aller Hoffnung auf ewig entsagtkeinen blick, kein Wort, viel weniger eine Berührung erlaubte ich mir. Mein Ton, der anfangs noch etwas zärtlich wehmütiges hatte, ging allmählich in den freundlich ruhigen Ton eines milden, gütigen Herrn über: und in wenig Wochen war keine Spur mehr von unserm vorigen Verhältnisse zu entdecken.

Das war zu viel für Röschen! das hatte sie nicht erwartet. – Wie! gar keine Klagen! – keine Verzweiflung? – so ruhig, so schnell, so ganz und gar konnte ich ihr entsagen! –

Sie ertrug es nicht; – die Rosen ihrer Wangen verblühten, das schöne Feuer ihrer Augen erlosch, und bald wurde ihre Gesundheit so sehr angegriffen, dass sie das Bette nicht mehr verlassen konnte.

Viertes Kapitel

Da war es, wo ich sie erwartete! – ach was kostete es, mich bis dahin zu bezähmen!

"Jetzt keine Zeit verloren!" – rief ich – "sonst mögte alles verloren sein.

Das Schicksal kam mir zu hülfe.

"Was mag unserm Röschen fehlen?" – sagte meine Tante – "sollte es die Liebe sein?" –

"Wer weiss!" – antwortete ich – "wohl möglich." –

"Friedrich" – fuhr sie fort – "hat sich viel Mühe um sie gegeben, sie wollte aber damals nichts davon hören." – "Wenn ich wüsste, dass es das wärenun da könnte man noch wohl helfen!"

"Wenn ich ihm ein hundert Taler mehr und ihr eine hübsche Ausstattung gäbe; so könnten sie auf dem land schon ganz gut davon leben.

I c h . Weiss denn Röschen, liebe Tante, dass Sie so darüber denken.

D i e T a n t e . Freilich! aber wie ich dir sage, sie warf das alles weit von sich weg! und wenn ich nachher wieder davon anfing; so bekam ich eine spitzige Antwort.

Wie wäre es? wenn du einmal mit ihr sprächest? –

I c h . Ich? –

D i e T a n t e . Nun ja! warum nicht? – tue es immer lieber Gustav! ich wette das kleine dumme Ding weiss selbst nicht was sie will.

"Wohl möglich!" – dachte ich; indem ich mich schweigend entfernte und den Weg zu Röschens kammer nahm.

Leise öffnete ich die Türda lag sie und schlummerte. Ein hohes Rot färbte ihre Wangen, ihr Atem war schnell und fieberhaft, und