auch! –
Den Hund weg! – schrie ich noch einmal; und sah sie vor meiner stimme erblassen: aber das Tier blieb auf seiner Stelle.
Zum dritten Male wollte ich ihr zurufen, aber die Wut verschloss mir den Mund. Noch war ich in meiner Jagdkleidung; ein Griff an das Messer, und der Hund lag blutend zu meinen Füssen.
Jetzt erst fühlte ich mein Unrecht; und hoffte noch er sei nicht tödtlich verwundet: aber als ich das Messer aus seiner Seite zog; starb er unter meinen Händen.
Schon so manches Tier hatte ich erlegt; aber das hatte ich nie dabei empfunden. In der Tat, es war das Vorgefühl von der Angst eines Mörders. Ich stand da wie ein Verurteilter und hatte nicht den Mut die Augen zu ihr aufzuschlagen.
Aber als ich es endlich wagte – o Gott! da lag sie blass, entstellt und ohne Bewusstsein auf der Lehne des Sopha's.
Um hülfe konnte' ich, durft' ich nicht rufen. – Alles triefte von Blut. – Mit unaussprechlicher Bangigkeit schloss ich sie in meine arme, bedeckte ihren Mund mit tausend brennenden Küssen, beschwor sie zu erwachen, mich nicht so fürchterlich zu bestrafen. Endlich schlug sie die Augen auf; und ich atmete wieder.
Eilftes Kapitel
Aber wie schlug sie sie auf! – ich dachte sie würde mit dem ersten Blicke mich tödten. – Jetzt sah sie auf den Hund; und stiess ein durchdringendes Geschrei aus.
Milly stürzte erschrocken herein; und blieb wie versteinert als sie ihre Gebieterin mich laut als einen Mörder anklagen hörte.
"Ein Mörder!" – rief sie – o Gott! wen hat er denn ermordet? –
Statt aller Antwort zeigte Amalia auf den Hund; und warf sich wimmernd neben ihn hin.
Ich wollte sie aufrichten, aber wütend stiess sie mich von sich.
"Aus meinen Augen!" – schrie sie – "und dass ich dich niemals wieder erblicke!"
Ich bat, ich flehte, – vergebens! – auch Milly sah jetzt mit Abscheu auf mich.
"Milly" – rief ich – "bei Gott! ich bin unschuldig! – sie hat mich gereizt! hat mich auf das Aeusserste gereizt!
Diese Beschuldigung trieb Amaliens Wut bis zur Raserei. –
Ich hatte ein Weib geliebt; aber das war kein Weib, das war kein menschliches Wesen mehr, was ich da vor mir sah. –
Meine Liebe entfloh; und das Gefühl wie tief ich gekränkt war, kehrte in seiner ganzen Stärke wieder zurück.
"Ruhig Madame! ruhig" – rief ich – "was Sie wünschen soll geschehen! auch ich verlange nicht Sie wieder zu sehen! – trösten Sie sich! Hannibal ist zu ersetzen! –
In der Tat! ich ruhte nicht eher, bis ich einen eben so grossen und noch schönern Hund aufgetrieben hatte. Diesen schickte ich der Gräfin, mit einem Zettel, den sie wahrscheinlich Niemand mitgeteilt haben wird; und kündigte Heinrichen an: dass ich entschlossen sei morgenden Tages Berlin zu verlassen.
Nichts von Allem was er mir einwandte, vermochte etwas über mich; und ich reiste mit dem festen Entschlusse ab: eine vollgenügende Rache an dem ganzen weiblichen Geschlechte zu nehmen.
Viertes Buch
Erstes Kapitel
Die Freude meiner Tante, mich nach einem Jahre wieder zu umarmen, war unbeschreiblich. Sie fand mich grösser, männlicher, und wollte einen besonderen Zug von Erfahrung in meiner Phisiognomie entdecken.
Ich lächelte schweigend und nahm mir die neue Kammerjungfer ein wenig in Augenschein. Es war noch dieselbe kleine Brünette im grünen Corsettchen, und, wie wie mich dünkte, nichts weniger als zu ihrem Nachteile verändert.
Auch sie war gewachsen; war noch voller und blühender; aber, wenn ich nicht irrte, auch um ein ganz teil stolzer geworden.
Diese Vermutung fand sich durch die Aeusserungen der Bedienten vollkommen bestätigt.
Nach ihrer Aussage, war Röschen die grausamste, widerspenstigste Schöne auf dem Erdboden; und sie würde – meinten sie – eher einen Mann zu ihren Füssen sterben lassen; als einen mitleidigen blick auf ihn werfen.
"Kinder! Kinder!" – sagte ich – "ihr macht es auch gar zu arg!" –
"Nein gnädiger Herr!" – rief Friedrich der Jäger, ein hübscher, schlanker Bursche – "Gott soll mich verdammen! wo die kleine Hexe nicht ein Herz von Stahl und Eisen hat!"
"Hm!" – antwortete ich – der R e c h t e ist noch nicht gekommen!" –
F r i e d r i c h . Ja das sagt sie auch! – und da mögte man gleich! .... Na ich will es noch erleben! –
"Sei ruhig Friedrich!" – unterbrach ich ihn – "es gibt ja der hübschen Mädchen mehr; und ein Bursche wie du, findet allentalben noch eine Frau."
"Ja!" antwortete er missmütig – "das sagen die Andern auch! – aber wenn man einmal seinen Kopf darauf gesetzt hat; so ärgerts einen doch!" –
Zweites Kapitel
Friedrich hat Recht! – dachte ich – seinen Kopf muss man nun freilich nicht darauf setzen; aber zum Spas kann man doch sehen was an der Sache ist. –
"Höre! Röschen! – sagte ich am folgenden Morgen; als ich ihr im Garten begegnete – man hat dich erschrecklich bei mir verklagt."
"Bei dem gnädigen Herrn?" – fragte sie;