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Sie betröge? –

I c h . Um des himmels Willen nicht!

S i e . Nun sehen Sie wohl! – Glauben Sie mir! überlassen Sie das alles der Zeit. Nur sie kann uns lehren, wie viel wir uns werden können.

"Aber mit dem Grafen" – sagte ich ziemlich unmutig – "waren Sie nicht so vorsichtig." –

"Nein, wahrhaftig nicht!" – antwortete sie – "aber ich war ein Kind, und mein Vater, ein westindischer Pflanzer, glaubte mich und sein ungeheures Vermögen keinen bessern Händen anvertrauen zu können. Aber die Trennung von mir kostete ihm das Leben; während ich von nichts als von Bällen, Assembleen und neuen Moden träumte, und die Reise nach England so leicht wie eine Spatzierfahrt machte."

Jetzt meldete Milly einen sehr vornehmen Besuch, und ich war froh, unter diesem Vorwande mich entfernen, und meine üble Laune den Augen der Gräfin entziehen zu können.

Achtes Kapitel

"Wie ist es denn?" dachte ich, als ich zu haus kam – "liebst du dieses sonderbare Wesen? oder liebst du es nicht? – Willst du dich der Gefahr aussetzen, wie ihre Vögel und Hühner verabschiedet zu werden, oder kannst du dir mit Hannibals glücklichem Schicksale schmeicheln?" –

"Possierlich!" – rief ich lachend – "Hannibals Nebenbuhler! – müssen doch sehen: ob wir ihm den Rang abgewinnen können!"

Jetzt erwachte meine Eitelkeit, und nun dachte ich nicht mehr daran, mir Rechenschaft von meinen Empfindungen zu geben.

Meine Besuche bei der Gräfin wurden häufiger, und mit jedem fühlte ich mein Herz, oder vielmehr meine Sinnlichkeit, mehr angezogen.

Sie war zu lebhaft, und ich zu jung, als dass wir nicht bald alle mögliche Arten, uns unsre sogenannte Liebe zu beweisen, versucht haben sollten.

Muss ich der Neuheit des Vergnügens, der Jugendkraft meines Körpers, oder der reizenden Zauberin allein, den unaussprechlichen Wonnetaumel danken, in den ich versank? – ich weiss es nicht! – aber, mit einer Art von Dankbarkeit bekenne ich noch jetzt: dass ich den höchsten sinnlichen Genuss nur in ihren Armen gefunden habe.

Alles um mich her war verwandelt! – es war eine andere Sonne, die mir jetzt leuchtete! – es war eine andere Luft, die meine Brust belebte! – s o hatten die Blumen niemals geduftet! – s o hatten die Vögel niemals gesungen! – ach! und die N a c h t ! – sie war zu kurzaber wie beseligend war sie! –

Doch bald hatte ich keinen Sinn mehr für das, was mich umgab. Nur durch Amalia dachte ich, empfand ichnur in ihr, nur mit ihr wollt ich lebenalles Andre war tot für mich.

Meine anhänglichkeit war leidenschaft, meine leidenschaft war ein schnell um sich greifendes verzehrendes Feuer geworden.

Auch sie fühlte es in ihrem Buseneine Trennung von wenigen Augenblicken, und wir wollten beide verzweifeln. – Ach! wir glaubten ewig nur ein Wesen ausmachen zu müssen. – –

Neuntes Kapitel

Weckte sie Leichtsinn, oder Vernunft? – genug sie erwachte zuerst aus dem schönsten der Träume, und wollte auch mich daraus wecken.

Die Grausame! fühlte sie nicht dass es mein Leben galt? – fühlte sie nicht, dass die erbärmliche Wirklichkeit die sie mir anpriess, mich elend machte! – jetzt da ich sie mit der namenlosen Womne, die mein ganzes Wesen durchströmte, und die sie Täuschung nannte, vergleichen konnte! –

Ach die Kalte! Treulose! ich suchte sie wieder an meinem brennenden Herzen zu erwärmenaber das göttliche Feuer drang nicht bis zu dem ihrigen! – sie war und blieb tot in meinen Armen.

Da schäumte ich vor Wutda lief ich hinaus in Sturm und Regen und wusste nicht wo ich war, und kannte mich selbst nicht mehr. Das Herz wollt' ich mit eignen Händen mir zerfleischen, in die Flut wollt' ich mich stürzen, um den verzehrenden Brand in meinem inneren zu löschen.

Ach Gott! da zog es mich wieder gewaltsam zu ihr hinda fühlte ich, dass ich noch lebte, und nur lebend sie noch sehen, sie noch umarmen konnte. –

Da gingen die wonnevollen Stunden noch einmal wehmütig lächelnd vor mir vorüber. – "Flieht nicht! flieht nicht auf ewig"! – rief ich; und breitete meine arme weit aus, als wollte ich meine ganze scheidende Glückseligkeit noch einmal umfangen.

Aber es war nur die Luft die ich umarmteund das Wesen was in diesen Armen sonst vor Wonne erbebtedas Wesen war fernvergass mich vielleichtdieser Gedanke öffnete eine Hölle! – ich stürzte zurück, und fand mich an ihrer tür, ohne zu wissen, wie ich dahin gekommen war.

Zehntes Kapitel

Ich hörte ihre stimme! – es waren schmeichelnde Worte die sie sprachmeine Hand zitterte an der türsie sprang auf. –

Da lag das verhasste Tier an ihrer Seite, und sein Kopf ruhte auf ihrem Schoosse. Sie gab ihm die zärtlichsten Namen; mehr als ein Mal beugte sie sich zu ihm nieder; und kaum atmete ich vor Angst: ihre Lippen würden es berühren.

Hölle und Tod! jetzt wirklich! –

"Den Hund weg!" – schrie ich – "habe ich Ihnen das nicht hundertmal verboten! –

Verboten! – sagte sie; spöttisch lächelndso was verbietet sich