1801_Fischer_013_14.txt

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I c h . Das Unbegreifliche! –

4S i e . Ja, denn sie behauptet: Sie wären ein Mann, und doch zugleich auch keiner. –

I c h . sonderbar! und das soll zu meinem Lobe gereichen? –

S i e . Allerdings! Dass Sie das Aeussere eines Mannes haben, läugnet sie zwar nicht; aber doch will sie, ich weiss nicht, was, in Ihren Zügen entdeckt haben. – Sie sollen sanft, treu, ausserordentlich zärtlich, nichts weniger als ungerecht, auffahrend, tyrannisch oder etwas dem Aehnliches sein. –

"Nun frage ich Sie aber: ob dies, sobald Sie für einen Mann gelten wollen, nicht der baareste Unsinn ist?" –

I c h . Teure Gräfin! was haben Ihnen doch die Männer getan? –

S i e . Warten Sie! warten Sie! das muss Ihnen Milly beantworten!

Jetzt sprang sie zur Klingel, und Milly erschien.

"Milly!" – sagte sie – "erzähle dem Herrn doch ein wenig von meinem mann.

"Ach der Lord" – begann Milly im gebrochnen Teutsch – "war der bravste Herr von der Welt! er liebte seine Leute wie ein Vater, und betete Mylady an."

"Freilich war er nahe an 60 und Mylady kaum 17. – Er hatte das Podagra, und das machte ihn manchmal ein wenig mürrisch; aber" ....

"Kleine Hexe!" – rief die Gräfin – "was ist das für ein albernes Erzählen? – Ruf mir Robert, ich sehe schon, was da herauskommen wird!" –

Jetzt stand Robert vor uns; ein hübscher, rotwangiger Junge, mit hochgelben Locken.

"Mein Haushofmeister" – sagte die Gräfin zu mir. –

"Höre, Robert!" – fuhr sie, sich zu ihm wendend, fort. – "Milly wollte sich da eben in das Lob meines Mannes vertiefen; du, hoffe ich, wirst ein bessers Gedächtniss haben. Nicht wahr? du hast es noch nicht vergessen: wie ich von ihm gepeinigt worden bin?"

R o b e r t . Nun ja, das ist wahr! Mylady hat viel ausgestanden! –

D i e G r ä f i n . Den ganzen Tag eingesperrt! –

R o b . Und die immerwährenden Klagen! –

D i e G r ä f . Ja, und Vorwürfe oben drein! wenn ich einmal ausgehen wollte

R o b . Und ein ganzes Heer Wächter! –

D i e G r ä f . Als ob ich gleich davon laufen würde! –

R o b . Ach Gott ja! Mylord war sehr wunderlich! aber er liebte Mylady von ganzer Seele. –

D i e G r ä f . Ja, so sehr, dass er mir beinahe die Luft zugemessen hätte! –

R o b . Freilich! Freilich! – aber nun sollte Mylady das doch endlich einmal vergessen, und Unsereinen ....

D i e G r ä f . Nun? – was Unsereinen? – heuraten und auch ein Mädchen unglücklich machen lassen? –

R o b . grosser Gott! würde ich dann Milly unglücklich machen?

D i e G r ä f . Nun! nun! macht mir den Kopf nicht zu warm! sonst könnt ihr's noch erleben, dass ich euch zusammenkuppeln lasse! wenn ihr's denn schlechterdings nicht besser haben wollt. Aber das sage ich euch! kommt mir nachher nicht mit Klagen! – "Nimmermehr! nimmermehr Mylady!" – rief Robert, und küsste ihr mit Inbrunst die Hand. Milly hatte gehorcht, und stürzte sich jetzt auf die andre Hand ihrer Gebieterin. "Schon gut! schon gut!" – sagte die Gräfin – "esst mich nur nicht ganz auf! Jetzt geht an Eure Arbeit, und dass ich euch heute nicht wieder zusammen erblikke!

Siebentes Kapitel

"Aber das war doch hart! liebe Gräfin!" – sagte ich, als Milly und Robert uns verlassen hatten. –

"Nichts weniger!" – antwortete sie – "hätte ich nicht aus allen Kräften dagegen gearbeitet, so wären sie seit zwei Jahren verheuratet, und einander schon so überdrüssig, dass sie sich kaum mehr sehen möchten."

"Diess ist die schönste Zeit ihres Lebens. Ich habe sie so viel als möglich zu verlängern gesucht; aber die kleine Gans hat mich den ganzen Tag mit ihrem Geschnatter verfolgt. Sie meint: dass wenn ich nur erst einmal ordentlich liebe, ich ganz anders von der Ehe denken, und minder streng gegen Robert sein würde."

I c h . Sollte sie so ganz unrecht haben? liebe Gräfin. –

S i e . Ach wie kann ich denn das wissen! ich habe ja niemals ordentlich geliebt.

I c h . Niemals! –

S i e . Nun ja! manchmal kam es mir freilich so vor, aber in kurzer Zeit sah ich, dass ich mich geirrt hatte.

Sie schwieg, und ich war zu empfindlich, um antworten zu können.

"Mit Ihnen" – hub sie endlich wieder an – "dünkt es mich nun freilich etwas Anderes; aber eine Heurat möchte ich doch um alles in der Welt nicht darauf wagen! –

I c h . Und das sagen Sie mir so ohne alle Schonung! –

S i e . Warum nicht? – Möchten Sie lieber, dass ich