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ein für alle Mahl nicht, dass mich etwas schmerzt." –

Hier hielt sie einen Augenblick inne; aber plötzlich fuhr sie mit einer possierlichen Heftigkeit heraus: "ich kann Ihnen nicht helfen! Sie müssen Ihre Frisur abschaffen!"

"Wie gern!" – antwortete ich – "wenn ich Ihnen dann besser gefalle."

"O verstehn Sie doch!" – rief sie ungeduldig – "Sie gefallen mir ja recht sehr! aber die Erinnerung an die fatale Scene missfällt mir."

"Es war mir unmöglich, bei ihrem komischen Ernste das Lächeln zu unterdrücken."

"Ja ja! ich weiss es wohl!" – fuhr sie fort – "dass man gewöhnlich das nicht so gerade heraus sagt; aber das Leben ist zu kurz, und ich bin des Zwangs zu wenig gewohnt, als dass ich mich da bei langen W e n n s und A b e r s aufhalten sollte."

"Die Hauptsache ist nun" – indem sie vor einen Spiegel trat, und ihre Haare noch etwas höher steckte – "ob ich Ihnen gefalle?" –

Jetzt setzte sie sich wieder, stützte den Kopf auf ihren schönen Arm, diesen auf ihr Knie, und ihre grossen, brennenden Augen ruhten unverwandt auf mir.

"Teure Gräfin!" rief ich – "gebe der Himmel, dass ich Ihnen so sehr, und so lange gefalle, als Sie mir gefallen werden!"

"Wahrhaftig, Sie haben Recht!" – antwortete sie; und eilte das Zimmer auf und ab – "doch wenn ich bedenke" – indem sie den Finger an das Stumpfnäschen legte, und vor mir stehen blieb – "Nein! nein! ich kann doch sehr lange etwas lieben! – kommen Sie! kommen Sie! Sie müssen überzeugt werden!"

Fünftes Kapitel

Wir traten in eine Gallerie, welche mit Gemälden von den besten italiänischen Meistern geziert war.

"Sehen Sie!" sagte sie; indem sie mich auf einige der vorzüglichsten aufmerksam machte – "das hat mich ein ganzes Jahr lang beschäftigt. Hier sass ich und zeichnete vom Morgen bis in die Nacht, vergass Essen und Trinken, Schauspiel, Spaziergänge, Bekannte und Freunde darüber."

"Aber endlichnun ja endlich ward ich es müde. – Ach es war doch alles tot! konnte mir nicht antworten, konnte mich nicht verstehen!" –

"Nun warf ich mich auf die Musik. Mich dünkte die Töne nannten das was mir fehlte. – Ja sie nannten es wohl; aber das machte mir schmerzhafte Empfindungen; und die hasse ich nun ein für alle Mahl. Können Sie es mir verdenken, dass ich die Musik verliess?"

"Hinaus in die schöne grosse naturdachte ich; und ging auf meine Güter. Stellen Sie sich um Gotteswillen vor! ich hielt es ganzer zwei Jahre aus, und brachte eine Menge Pflanzen, Steine und andere Kramereien mit, die mich noch volle sechs Monate beschäftigten."

"Hierauf legte ich eine kleine Menagerie von Federvieh an; und ich versichere Sie, das war wirklich amüsant!"

"A b e r e n d l i c h " – sagte ich lächelnd. "Nun ja!" – antwortete Sie – "endlich ward es mir langweilig. Aber bedenken Sie auch! es war immer das ewige Einerlei. Die Dinger legten Eier, brüteten, pflegten ihre Jungen; und jedes Frühjahr ging die ganze geschichte von vorn wieder an!"

"Aber j e t z t " – fuhr sie fort – "will ich Sie überzeugen: dass ich wirklich einer dauernden anhänglichkeit fähig bin.

"Milly! Milly!" – rief sie zur tür hinaus – "wo ist Hannibal? lass ihn geschwinde einmal herkommen!"

"Hannibal!" – dachte ich – "was Henker!" –

Indem trat Milly, eine hübsche Blondine, mit einem ungeheuren, aber sehr schön gezeichneten Hunde herein.

Hannibal machte anfangs Miene nicht viel von mir übrig zu lassen; aber auf einen Wink seiner Gebieterin lag er zu ihren Füssen.

"Sehen Sie" – sagte sie – "diesen Hund habe ich nun schon fünf Jahre, und halte noch ausserordentlich viel auf ihm. Es ist ein Landsmann von Milly, ich habe ihn mit aus England gebracht, nachher hat er mit uns die Reise nach Westindien, und durch den südlichen teil von Europa gemacht.

"Nach Westindien?" – wiederholte ich.

"Ach es ist ja wahr!" – fuhr sie fort – "das habe ich Ihnen noch nicht gesagt. Nun, morgen sehen wir uns wieder." –

Jetzt reichte sie mir die Hand zum Kusse, Hannibal sah mich sehr tückisch an, und Milly begleitete mich wehmütig lächelnd bis zur tür.

Sechstes Kapitel

"Warum lächelte Milly so wehmütig?" – sagte ich zu mir selbst, als ich von der sonderbaren Scene betäubt zu haus kam.

"Wie! sollte Gräfin B. wohl gar ihre Leute auf westindisch behandeln? und solltest du vielleicht nichts als ein Sclave mehr für sie sein? – Dem muss man auf die Spur kommen, und zwar morgenden Tages!" –

Sie selbst führte die gelegenheit herbei.

"Sie haben eine Eroberung gemacht!" – rief sie mir am folgenden Morgen entgegen – "Milly ist mit ganzer Seele die Ihrige! – Sie hält ordentliche Reden zu Ihrem Lobe, und bemüht sich darin, das Unbegreifliche begreiflich zu machen