1801_Fischer_013_12.txt

andre stimme – – –

D i e E r s t e . Ja so lange wir ihre Sinnlichkeit beschäftigen.

Die Andre – – –

D i e E r s t e . Komödie! nichts als Komödie! so bald es gegen uns geht, sind sie alle Freunde!

abermals das Geräusch der Kommenden. – – Die Lichter wurden angezündet; aber noch blieben meine Frauenzimmer im Hintergrunde der Loge.

Hätte ich mich hervorgewagt; so würde es hell genug gewesen sein um sie beobachten zu können: aber für jetzt interessirte mich ihr Gespräch mehr als ihre Gestalt, und ich beschloss ruhig in meinen Winkel zu verharren.

Ziemlich klug berechnetdoch jetzt begann das Orchester zu stimmen, und von nun an war es unmöglich etwas zu verstehen.

Zweites Kapitel

Sehen willst du sie wenigstens! – dachte ich; und trat vorn in die Loge. Auch meine Sprecherin näherte sich jetzt; doch so, dass sie mir den rücken zuwandte. Aber das Gesicht der andern stimme konnte ich ziemlich genau beobachten.

Es war halb in eine schwarze Florkappe gehüllt; und schien nicht zu den jüngsten zu gehören. Doch war es nichts weniger als unangenehm; und ein Zug von sanfter Melancolie erhob es sogar bis zum Interessanten.

Aber ich hatte nicht lange Zeit; diesen Beobachtungen nachzuhängen. Die ausserordentliche Lebhaftigkeit meiner Sprecherin machte mir so viel zu schaffen, dass ich bald nichts mehr sah und hörte als sie.

Mit unbeschreiblichem Mutwillen fiel sie jetzt noch immer über die Männer her; ein Einfall jagte den andern, und es lag so viel wahrer Witz in dem was sie sagte: dass es mehrmals der äussersten Ueberwindung bedurfte, um nicht, auf Kosten meines eigenen Geschlechts, in ein lautes lachen auszubrechen.

Dabei war der niedliche Körper in unaufhörlicher Bewegung; die schwarzen Locken flogen hin und her auf dem blendenden Halse, und die runden Aermchen gesticulirten so lebhaft; dass ich mich häufig genötigt sah, ihnen auszuweichen.

Doch vergebens! – indem ich mich, um ein abermahliges lachen zu verbeissen, auf den Rand der Loge bückte, bekam ich einen so heftigen Stoss in meine Frisur, dass die Sprecherinn und ich, plötzlich in eine kleine Wolke von Puder gehüllt wurde.

Ein so anhaltendes, so sonderbar abwechselndes, aber auch zugleich so unbeschreiblich reizendes lachen, als worin sie jetzt ausbrach, erinnere ich mich wirklich nicht in meinem Leben gehört zu haben.

Vergebens winkte, ermahnte ihre Begleiterin, vergebens bat ich, ungeachtet meiner Unschuld, tausendmahl um Verzeihunges half alles nichts. – Jedes Mahl wenn sie mich wieder ansah, begann es von neuem, und weckte meine sehnsucht, das reizende geschöpf in meine arme zu schliessen so sehr, dass ich sie zuletzt äusserst ernstaft bitten musste, mich zu verschonen.

Wusste sie was in mir vorgingoder was war es sonst, was sie plötzlich so rührte? mich dünkte, als steige eine Träne in ihr grosses funkelndes Auge, und als zitterte ihre schöne Hand in der Meinigen.

Eben so unbekümmert wie vorhin bei ihrem lachen, war sie es jetzt bei unsrer gewiss sehr auffallenden Attitude. Schon zweimahl hatte ich ihre Hand geküsst; aber noch immer zog sie sie nicht zurück, und sah mich dabei an, als wolle sie mich bis auf das Innerste der Seele erforschen. Meine Verwirrung war aufs höchste gestiegen, als der Vorhang aufflog, und sie, wie aus einem Traume erwachend, und mit einem Tone, der eine abschlägige Antwort unmöglich machte, mir sagte: "morgen kommen Sie zu mir. Mein Kammerdiener wird Ihnen meine Adresse bringen."

Drittes Kapitel

Es versteht sich, dass ich nicht säumte. Mein Wagen hieltder Adresse zufolgevor einem Pallaste, dessen Inneres der Pracht des Aeusserem vollkommen entsprach.

Eine Menge schwarzer und weisser Bedienten strömten mir entgegen, und man führte mich in einen Sallon, der mit wahrhaft asiatischer Ueppigkeit möblirt war.

Endlich erschien sie selbst in ein sehr einfaches aber äusserst reizendes Morgengewand gehüllt. Die dunkeln Haare hoch auf dem niedlichen Köpfchen befestigt, so dass jede Bewegung des blendenden Halses sichtbar wurde.

Ein paar schwarze, funkelnde Augen, von zwei langen Augenbraunen umkränzt, ein aufgestülptes Näschen, ein verwegnes Rosenmäulchen, das alle Augenblicke ein paar Reihen Perlenzähne verriet, und ein rundes, aber unbeschreiblich leichtfüssiges Figürchendas alles, musste ich mir gestehen, machte freilich kein regelmässig schönes, aber doch ein höchst anziehendes Ganzes aus.

Sie setzte sich, und winkte mir, mich neben sie zu setzen. Jetzt wollte ich reden; aber sie bedeutete mir Stillschweigen, und betrachtete mich fortwährend mit einer sonderbaren, gespannten Aufmerksamkeit.

Aeusserst verlegen, wie ich diese Aufnahme deuten sollte, ergriff ich ihre Hand und liess meine Blicke für mich sprechen, als zwei schwarze sehr prächtig gekleidete Mädchen, das Eine mit dem Frühstück, das andre mit einer Laute hereintraten.

Die Laute begann und das schwarze Mädchen unterhielt uns, während des Frühstücks mit einigen sehr angenehmen Liedern, welche durch ihre schöne stimme ausserordentlich gehoben wurden. Aber jetzt winkte Gräfin B., und beide Mädchen verschwanden.

Viertes Kapitel

"Ich habe Sie vorhin nicht reden lassenhub sie anweil ich es nicht leiden kann, dass man mich unterbricht, wenn ich etwas überlege." Sie gefallen mir und ich denke eine Ausnahme mit Ihnen zu machen.

"Ich habe zwar über sie gelacht," und habe Ihnen auf diese Weise als Mann Gerechtigkeit widerfahren lassen, aber es schmerzt mich und ich mag nun