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machte.

Nun hätte die Sinnlichkeit eintreten und mich, wenigstens für einige Zeit noch täuschen können; aber Sophie war zu rein, und ich zu neu, als dass von dieser Seite für uns etwas zu hoffen gewesen wäre.

Mein Unmut nahm täglich zu. Ich konnte es Sophien nicht verzeihen, mich, oder vielmehr sich selbst, so schrecklich getäuscht zu haben, und der tollkühne Glaube: sie können nie aufhören mich zu liebentrieb jetzt meine Unart auf das Aeusserste.

Ach noch heute erröte ich vor den Misshandlungen, zu welchen ich mich verirrte! – ich wollteohne es mir deutlich bewusst zu seindie gelegenheit herbeiführen, mich von dem Anblicke einer person zu befrein, welche nur schmerzhafte Gefühle in mir erregte. Gleichwohl würde die Gewissheit: sie könne sich wirklich von mir losreissenhöchst wahrscheinlich eine plötzliche Verwandlung meiner ganzen Empfindungsart hervorgebracht haben.

Doch woher sollte diese Gewissheit kommen? – Sophiens Liebe schien nur mit ihrem Leben aufhören zu können, und eher würde ich an dem Meinigen, als an ihrer Dauer gezweifelt haben.

Aber meiner Eitelkeit und meinem Glauben stand eine harte Prüfung bevor; und ich selbst musste sie herbeiführen.

Zwölftes Kapitel

Nimmermehr! rief Heinrich; – als ich mich meiner unumschränkten Herschaft über Sophien rühmtenimmermehr kann diese geistvolle person so ganz zum kind geworden sein!

Gut! – sagte ichDu sollst einen Beweiss haben der keinen Zweifel übrig lassen wird. Bist Du morgen bei Ms?

Er. Das versteht sich! Sie wissen, dass ich niemals fehle.

"Halte dich in meiner Nähe" – erwiderte ich – "das Uebrige wird sich finden"

Ungeduldig eilte ich am folgenden Tage meinem bevorstehenden Siege entgegen, und zürnte schon, dass Sophie so lange verweilte. Endlich erschien sie, und von dem Augenblicke an, war es mein unablässiges Bestreben, ihre Geduld durch tausend Unarten, eine immer kränkender als die andre, zu ermüden.

Aber mit himmlischer Sanftmut und bewundernswürdiger Feinheit, wusste sie sie alle so zu mildern, und den Augen der Gesellschaft zu entziehn, dass ich beinahe verzweifelte, meinen Zweck zu erreichen.

Doch als sie sich eben mit Heinrich in einem interessanten gespräche befand, glaubte ich etwas Entscheidendes wagen zu müssen.

Sophie! – sagte ich; und drängte Heinrich zur Seite! – machen Sie mir doch einmal die Schnalle fest!

Eine hohe Nöte überflog ihre Wangen; aber ohne weiter auf mich zu achten, setzte sie ihr Gespräch mit Heinrich fort.

Nun Sophie? haben Sie mich nicht verstanden? – sagte ich trotzig; indem ich den Fuss auf einem stuhl ruhen liess.

Sehr gut Herr v. S. – antwortete sie, mitleidig lächelndich bedaure, dass Sie sich nicht recht wohl befinden; und in dem Augenblicke nahm sie Heinrichs Arm und entfernte sich in das Nebenzimmer.

Da stand ich, und war ungewiss: ob ich träumte oder wachte. – Den ganzen Abend würdigte sie mich keines Blickes mehr; und eine traurige Ahnung von dem was meiner warte, durchdrang mein Herz.

Den andern Morgen eilte ich in ihre wohnung; aber man sagte mir: sie sei zu einer Freundin aufs Land gereist, und diesen Morgen sei ein Zettel an Heinrich abgegangen.

Was ist es? – rief ich diesem entgegenum Gottes willen was ist es? was hat sie dir geschrieben?

Dass sie Ihnen ein für alle Mal ihr Haus verbietet; und dass sie während Ihres hiesigen Aufentalts, einen andern Wohnort wählen würde.

Heinrich! – rief ich; und warf mich an seine Brustwirst Du mich auch .... vor Schmerz konnte ich nicht weiter sprechen; aber er erriet mich.

Nein! – sagte erdafür sei Gott! wie könnte ich dich jetzt verlassen da du die Hölle in deinem Herzen haben musst! –

Drittes Buch

Erstes Kapitel

Als Marie mich verliess; hasste ich jede Zerstreuung. Jetzt aber floh ich die Einsamkeit eben so sehr, wie ich sie damals gesucht hatte.

Ach Mariens Verlust hatte nur mein Herz, nicht mein Gewissen verwundet. Jene Wunden heilt die Einsamkeit, diese macht sie tödtlich. Das empfand auch ich; und so stürzte ich mich ohne Rückhalt in den Strudel der gesellschaftlichen Vergnügungen.

Lange suchte ich einen Gegenstand um die schreckliche Leere in meinem Busen auszufüllen; aber da war nichts Marien, nichts Sophien ähnliches zu finden. Man wollte mit aller Gewalt von mir bemerkt sein, und ich war noch zu sehr verwöhnt, um nicht durch eben dieses Bestreben zurückgeschreckt zu werden.

Schon fing die Langeweile an, sich meiner in den grossen Zirkeln zu bemächtigen; als der Zufall mir entgegenführte, was ich so lange vergeblich gesucht hatte.

Einst da ich mich im Schauspielhause meinen gewöhnlichen Träumereien überliess; ward meine Aufmerksamkeit durch zwei weibliche Stimmen angezogen, welche aus der benachbarten Loge zu kommen schienen.

Noch waren die Lichter nicht angezündet, und das Geräusch der Kommenden liess mich nur einige Worte erhaschen; doch begriff ich, dass die Rede von den Männern war.

Die Kommenden machten eine Pauseich horchte

"Ach ich dächte gar! – sagte die eine stimmezum Auslachen sind sie gut; und dazu habe ich sie gebraucht".

Die andre stimme wandte etwas ein; aber es ging für mich verloren, so wie alles was sie nachher zum gespräche beitrug.

"Glaubst Du" – fuhr die erste stimme fort – "dass es jemahls Einer von ihnen redlich mit uns gemeint habe? –

Die