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E r . Nichts. Sie vergessen aber, dass sie wenigstens zehn Jahr älter ist, als ich.
I c h . Was macht das?
E r . Sehr viel! – Alles! – nach wenigen Jahren würden wir beide elend sein.
"Geh! Geh!" – rief ich, und riss meine Hand aus der seinigen. – Lass mich ruhn! ich will schlafen.
Er ging. Wehmütig sah ich ihm nach. "Ach, dass er immer Recht haben muss!" – dachte ich, und sank auf mein Kissen.
Achtes Kapitel
Jetzt kam Sophie. Ich hatte nicht den Mut die Augen aufzuschlagen. Mich dünkte, sie könne in meiner Seele lesen. – Ach, wie ich mit mir selbst kämpfte! – eine unwiderstehliche Kraft zog mich hin zu ihr, eine Andere stiess mich zurück.
Ihre stimme hatte etwas unbeschreiblich Rührendes; und ich fragte nach verschiedenen Kleinigkeiten, bloss um sie sprechen zu hören. Sie schien nicht ruhiger, als ich, und vermied absichtlich die gelegenheit, mir näher zu kommen.
"Aber, meine teure Sophie!" – hub ich endlich an – "Soll mit meiner Krankheit denn mein ganzes Glück verschwinden? – wollen Sie sich mir nun gar nicht mehr nahn?" –
Sie wollte antworten; aber die Empfindung schloss ihr den Mund. Mit einer unterdrückten Träne im Auge reichte sie mir die Hand.
War sie wirklich so schön? oder war es Dankbarkeit, und von neuem erwachte Sinnlichkeit, die sie mir in diesem Augenblicke so reizend machte? – Genug, die Zukunft verschwand vor meinen Augen; und mit dem ganzen Wahnsinn der leidenschaft tat ich ihr das Bekenntniss meiner Liebe.
Ach ich hatte keinen andern Namen für meine Empfindung! – arme Weiber! Wie oft ist dies der Fall bei uns Männern, und wie schrecklich müsst ihr für diesen Irrtum büssen! –
Erst lange nachher habe ich begriffen: in welch einen peinlichen Zustand dies unbesonnene geständnis Sophien versetzen musste. Ihr Verstand war im heftigsten Kampfe mit ihrem Herzen, und die Blässe, welche plötzlich ihr Gesicht überzog, bewiess nur gar zu sehr: wie viel sie von diesem Augenblicke für ihre Ruhe befürchtete.
Neuntes Kapitel
Lange noch vermochte ihre grosse Seele der leidenschaft zu widerstehen; aber eben dadurch wurde diese bei mir nur desto mehr gereitzt. Es blieb mir nicht verborgen, welchen Eindruck ich auf andere Frauenzimmer machte; und meine Eitelkeit war auf das empfindlichste gekränkt.
Schon ahnte ich, bei allem, was Sophie für mich tat, wie teuer ich ihr sein musste. – Aber konnte das nicht Freundschaft, nicht Edelmut sein? – Gegen wen handelte sie nicht schön, nicht gross? Wie! sollte ich mit dem zufrieden sein, was sie für Alle empfand? –
"Nein!" – rief ich – "Noch heute soll sie mir sagen, ob sie mich liebt! bei Gott! ich will wissen, woran ich bin!"
Sie sagte es endlich. Aber w i e sagte sie es! – Mir war, als dachte mit einem Male eine andere Seele in mir; als schlüge ein anderes Herz in meiner Brust; als könnte ich nie wieder etwas Schlechtes tun, oder wollen.
Nein! so uneigennützig, so wahrhaft himmlisch bin ich nie von einem weib geliebt worden! Was hätte aus mir werden können, wenn dieser grosse Charakter nicht auch seine Schwächen, freilich seine schönen, menschlichen Schwächen gehabt hätte! –
Zehntes Kapitel
So lange das Bekenntniss der Liebe noch nicht über Sophiens Lippen gekommen war, herrschte eine schöne Mässigung in ihrem Betragen; aber jetzt fing diese an immer mehr zu verschwinden.
Sie hatte mir ihren guten Ruf, ja sogar ihre freundschaftlichen Verbindungen aufgeopfert; jetzt wollte sie alles in mir wiederfinden. Ich ward ihr Abgott; und alle ihre Gedanken und Empfindungen bezogen sich nur auf mich.
Unser ganzes verhältnis war mit einem Male verwandelt. Das Wesen, das vormals so weit über mich erhaben schien, lag jetzt zu meinen Füssen, verehrte meine Worte wie Orakelsprüche, und zitterte, wenn ich die Stirn runzelte.
Welcher Mann hätte ein solches gänzliches Dahingeben ertragen, welcher Mann hätte es verdienen können! – mich betörte es so sehr, dass ich von dem achtungsvollsten Betragen zur beleidigendsten Unart überging.
Aber gerade das stille, von aller leidenschaft entfernte Wesen war es ja auch, was mein unruhiges Herz zu Sophien geneigt hatte. – Ich wähnte, sie sollte mich heilen, sie sollte über die Stürme des Lebens mich erheben – und ach! jetzt ward sie selbst davon ergriffen. Was ich suchte, was ich liebte, war verschwunden – ich Grausamer hatte selbst nicht geruht, bis es zerstört war.
Ihr unglücklichen Weiber! wie könnt ihr so töricht sein, eure ganze Glückseligkeit den Händen eines Mannes, eines angebohrnen Feindes, zu vertrauen! – Nein, wollt ihr euch nicht dem schrecklichsten Elende Preiss geben: sucht immerhin uns glücklich zu machen, aber hofft es nie durch uns zu werden.
Eilftes Kapitel
Die Periode, wo Sophie meinen Geist und mein Herz beschäftigt hatte, war also vorüber, und der Wahn von ihrer höheren, mir noch unbekannten Glückseligkeit verschwunden. Ach sie suchte diese Glückseligkeit ja bei mir, durch mich – Beweiss genug, dass es ihr daran fehlte.
Mein Geist ahnte nichts Neues mehr; und so war die ganze Scene verwandelt. Vormals schien mir aller Erdengenuss in ihre Nähe gebannt; jetzt ward sie von einer Oede umgeben die mich elend