– Dann kam er auf den plötzlichen Wechsel, da sie durch ihre Heirat, von der Arbeit weg, mitten in lauter Vergnügen versetzt worden; und meinte: dieser Wechsel sei ihr doch wohl äusserst reizend gewesen? sie hätte wohl für keinen Preis auf's Land zurückgehen mögen?
Sieh den Alten! Da legt' er ihr eine Schlinge.
Ob sie so etwas merkte, oder – Genug, sie ward ganz niedergeschlagen, und versicherte ihm, dass sie mitten im Wohlleben nie ohne sehnsucht an das väterliche Haus zurückgedacht habe. Der Mensch, sagte sie, sei zur Arbeit geschaffen, und nur Arbeit erhalte ihn glücklich; das Vergnügen, wie sie aus eigner Erfahrung wisse, sei nur Würze, und wolle nur als Würze genossen werden: wer es zur Nahrung missbrauche, zerstöre seine Gesundheit, und nehme dem Vergnügen selbst allen Reiz. Jetzt, da sie von sich selbst abhange, sei es ihr wieder vergönnt ein tätiges Leben zu führen, und eben jetzt, sobald sie nur von drückenden Sorgen frei sei, führe sie auch wieder ein glückliches Leben.
Schön! herrlich! Das war ihm wie aus der Seele gesprochen.
Damit fiel denn das Gespräch auf ihre Handlungsgeschäfte, in die sie sich schon so hineingearbeitet hatte, so vollkommen Bescheid darum wusste, dass er ihr recht grosse Lobsprüche erteilte. Aber die lehnte sie alle ab, und gab sie ihrem Lehrer, wie sie ihn nannte, deinem Bruder zurück, von dem sie nun anfing, mit so herzlicher Dankbarkeit, mit so inniger Rührung zu reden, dass auch ich und dein Vater nicht wenig davon gerührt wurden. Sie konnte am Ende vor Wehmut nicht weiter, und musste schweigen.
Aber, liebe Mutter! in dem Allen sehe' ich noch nicht den mindesten Anlass zu einem Streite.
Der ist auch gar nicht gewesen.
Nicht? – Aber Sie äusserten doch – –
Höre nur erst zu Ende! – Als die Witwe hinweg war, ging dein Vater hier noch eine Weile herum, und sprach sehr rühmlich von ihr; und dann auch von deinem mann, der sich auf die Menschen sehr gut verstehe, und ihm diese wackere Frau zuerst in dem rechten Lichte gezeigt habe. – Ewig Schade, setzte er hinzu, dass sie an einen Menschen, wie diesen Lyk, hat geraten müssen, der ihrer so wenig wert war, und der sie sammt ihren Kindern an den Bettelstab hätte bringen können. – Da nutzt' ich denn die gelegenheit, und fing an: Was meinst du, Vater? das wäre so recht für unsern Sohn eine Frau gewesen. Und da sie jetzt Witwe ist; so dächt' ich immer, wir machten ihm einen Antrag darüber: denn sie ist doch noch jung, und es gäbe gewiss eine recht gute Ehe.
Ah liebe Mutter! das, fürcht' ich, war zu rasch, war zu deutlich.
Freilich wohl! Aber, du lieber Gott! ich sah das Eisen so herrlich glühen, dass ich's für Sünde gehalten hätte, nicht zum Hammer zu greifen und ein wenig zu schmieden.
Ja, wenn nur nicht die Funken umherflögen! Es ist so eine Sache damit. – Aber was hatte' er denn gegen die Heirat? Was bracht' er denn vor?
Das! sagte Madam Stark, und fuhr mit der flachen Hand über den Teetisch.
Wie? Er antwortete nicht?
Kein Sterbenswörtchen, Aber da für sah er mich an – du weisst, wie er einen ansehen kann! – mit einem paar Augen! – Ich dachte Wunder, was jetzt herauskommen würde; aber nichts! nicht ein laut! Er zog mir nur ein saures, äusserstsaures Gesicht, und ging mit Kopfschütteln davon.
Das ist doch seltsam, sehr seltsam. Was gäb' ich darum, dass er gesprochen hätte!
Abends bei Tisch kam denn so etwas hervor. Da war er wieder in seiner gewöhnlichen Laune, und schwatzte von der Torkeit des Heiratstiftens, wobei des Danks so wenig und des Undanks so viel zu gewinnen stehe, und von alten Mütterchen, denen ihr eigenes Liebesfeuer ausgegangen wäre, und die so gern ein fremdes anzündeten, um sich daran zu wärmen und an die eignen bessern Tage dabei zurückzudenken; kurz, so ärgerliches und spitzfindiges Zeug, dass ich's machte, wie er, und ihm auch ein recht saures Gesicht zog, und auch mit Kopfschütteln davonging.
Immer gut, liebe Mutter! Immer besser, als wenn Sie gesprochen hätten! – Aber wenn ich doch nur begriffe –!
Und hiemit fingen die Damen an, sich in scharfsinnigen Mutmassungen über die eigentliche Ursache zu erschöpfen, warum dem Alten die vorgeschlagene Heirat mit der Witwe so missfalle – denn dass sie ihm missfalle, setzten sie als erwiesen voraus. – Waren's etwa die beiden kleinen Kinder der Witwe? Das glaubte die doctorin nicht. War's noch ein Rest des alten Vorurteils gegen sie? Das glaubte Madam Stark nicht. Waren's die zu geringen Vermögensumstände der Frau? Das glaubten die Damen alle beide nicht. – Kurz, der Alte war ihnen auch diesmal, wie sonst schon öfter, ein Rätsel.
Als der Doctor hinzukam, wurden diese Mutmassungen um noch eine vermehrt. Er sah von der Witwe und ihren Umständen ab, und glaubte, dass dem Vater nicht sowohl die Heirat missfalle, als das Vorschlagen derselben, das Anmahnen und das Bereden dazu. Er will gewiss, sagte er, dass der Bruder