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vor: Er hat so eine gewisse schwache Seite, und die junge Frau hat die ausgekundschaftet. – Hab' ich's getroffen?

Liebster, bester Herr Pate – –

Man gesteht das nicht gern. Schon gut! – Aber ich bitte' Ihn, als Freund, lieber Specht! nehm' Er Sich in Acht! Sei Er ein Mann! – Bei einer schlechten Wirtinn, geht der beste Wirt von der Welt zu grund; da ist kein Haltens. Er füllt da in ein löcheriges Sieb: und wenn Er Sich auch zu Schanden füllte; Er bringt in Ewigkeit nichts hinein. – Ich weiss zwar wohl, fuhr er nach einem Weilchen mit Schmunzeln fort, wie's die Weiber zu machen pflegen

Ja freilich, freilich, seufzte hier Specht, und fuhr sich mit dem Finger hinter die Ohren. Da steckt's!

Wie sie den jungen Mann in die Enge treiben; Launen haben, Zufälle haben, Beklemmungen und Ohnmachten habenGott weiss, was Alles? –, und wie dann auf einmal wieder das Wetterglas steigt und heitre Sommerluft wird; wie sie da schmeicheln, liebkosen, tändeln, und dann so unversehens, als wenn ihnen nichts drum wäre, damit herausrücken: die da, die trägt dies und trägt das; die geht hier hin und dort hin; die macht dies mit und das mit: – die Närrinn! – Unser eine ist doch eben, was sie ist. –

Nun wahrhaftig! rief Specht, dem über die gute Laune des Alten das Herz wieder ganz leicht ward: Es ist, als ob Sie hätten dabei gestanden.

Und wenn sie dann den guten Tropf in der Schlinge haben: wie sie da küssen, liebäugeln, herzenGanz, wie sie's zu machen pflegen! – indem er die grösste Verwunderung vorgabganz nach der natur! Zug vor Zug!

Ei, ich weiss das. Ich bin ja alle die schulen durchgegangen. – Aber zum Henker, Pate! Der Mann muss Mann sein; er muss ein Herz von Stahl und von Eisen haben. – Immer, liebreich, nie verliebt: ist die Regel. – Und was verliert man denn nun, wenn man sich darnach hält? Man gewinnt! Denn wer der Frau nachgiebt, der hat nur dann und wann gute Tage; wer sein Ansehen behauptet, der hat sie immer. – Oder meint Er etwa, dass die junge Frau des Mannes nicht eben so bedürftig ist, als der junge Mann ihrer? – Possen, Possen, mein lieber Specht! Eben so bedürftig; und unter uns: oft wohl mehr!

Nun wart! – sagte dieser, indem er hinter sich sah, und die strengste Miene zog, die in sein flaches Gesicht nur hineinwolltean das Gespräch will ich denken. Ich will dich mir künftig anders ziehen.

Aber mit Art, versteht sich. Mit Art!

Ei freilich! die Art ist die Hauptsache. Die muss nicht vergessen werden. – Und nun wandt' er Geschäfte vor, die ihn eiligst nach haus riefen, und ging. Des festen Vorsatzes vermutlich, nichts zu wagen was ihn vielleicht gereuen, und nichts anzufangen was er vielleicht nicht durchsetzen mögte.

V.

Während Herr Stark über seinen Streifzug gegen das schöne Geschlecht aller Sorgen vergass, ging der Sohn, voll der äussersten Erbitterung, auf seinem Zimmer umher. – So mich zu misshandeln, rief er: seinen einzigen leiblichen Sohn; und das in Gegenwart eines so verächtlichen, eines so nichtswürdigen Menschen!

Eines so unbedeutenden, armen Wichts! hätte er sagen können: der sich mit Bücklingen und Schmeicheleien durch's Leben windet, und der übrigens noch eine ganz gute, ehrliche Haut ist. –

Mich der Verachtung, dem Spott, dem bittersten Hohngelächter Preis zu geben; und das auf eine so hämische, so gesuchte, so recht ausgekünstelte Art!

Auf eine freilich ärgerliche, aber dem Alten nun einmal gewöhnliche, und hier von selbst sich darbietende Art, wobei doch, wie sonst immer, der Ehre und des guten Namens geschont ward. –

Mir in dem Augenblicke, wo ich mich hinsetze und für ihn arbeite, so grundlose, so aus der Luft gegriffne, so abscheuliche Vorwürfe zu machen!

Grundlos nun in der Tat, wenigstens was Spiel und was Nachtschwärmen betraf; aber darum nicht aus der Luft gegriffen: denn unmöglich konnte der Vater von den jetzigen geheimen Gängen des Sohns anders, als nach Ähnlichkeit der ehemaligen, urteilen; und so waren sie, in seinen Gedanken, noch immer auf die Caffeehäuser und zum Spieltisch gerichtet. – Dass jetzt wirklich die müssigen augenblicke des Sohns, und mitunter auch halbe Nächte; zu sehr lobenswürdigen, sehr edlen Handlungen verwandt wurden: das war niemanden weniger, als dem Vater, bekannt; und diese lobenswürdigen, edlen Handlungen hatten auch so ein gewisses Aber, dass sie der Sohn für keinen Preis dem Alten hätte wollen bekannt werden lassen. –

Doch zu Bemerkungen, die den Vater hätten entschuldigen oder gar rechtfertigen können, war füritzt der Sohn nicht gestimmt: er sprach vielmehr sich selbst durch die heftigsten, überspanntesten Ausdrükke immer tiefer in den Verdruss hinein; und endigte zuletzt mit dem Entschluss, seine Lage auf einmal und so ganz zu verändern, dass er schlechterdings ausser aller Verbindung mit dem Vater hinausträte, nicht bloss das väterliche Haus, sondern auch die väterliche Stadt verliesse, und an einem ganz fremden Orte mit dem Wenigen