einer Kutsche! Warum? – Er fing an, zu erblassen.
Je, sie lag ja in einer Ohnmacht, die arme Frau! dass man geschworen hätte, sie wachte vor dem jüngsten Tage nicht wieder auf.
grosser Gott! – Vielleicht der Vorbote von einer Krankheit, von einer tödtlichen Krankheit!
Ach, hat sich etwas! – Er warf den Kopf in den Nacken. – Sie denkt Ihnen an keine Krankheit. Sie war kaum wieder zu haus; so war sie flink, wie ein Vogel.
Ist das wahr? Ist das sicher?
Wird denn Schlicht Sie belügen? – Aber sagen muss ich Ihnen noch, mein lieber, lieber junger Herr, was ich für eine grosse, für eine ausnehmende Freude gehabt habe.
Du? –
Ihr Vater hat in Ausdrücken von Ihnen gesprochen; in Ausdrücken! – Er nahm hier einen patetischen Ton an. – "Mein Sohn hat so rechtschaffen gehandelt – mein Sohn hat sich so brav bewiesen – mein Sohn hat die Grossmut gehabt." – – sehen Sie, mein lieber, lieber junger Herr! So hatte' ich noch in meinem Leben von Ihnen nicht reden hören.
Herr Stark hätte sich gern ein wenig geschämt, wenn er vor Vergnügen dazu hätte kommen können. Er sah den Nebel, der über seiner Zukunft lag, sich schon ziemlich erheitern, sah den liebsten seiner Wünsche zur Hoffnung werden, und bestürmte nun den alten Schlicht mit einer Menge von fragen, die aber grösstenteils ohne Antwort blieben. – Wenn ich doch nur wüsste, sagte er endlich, was in aller Welt die Witwe hieher gebracht, was sie gewollt hat?
O, was das betrifft; damit kann ich aus dem mund des alten Herrn Ihnen dienen. Sie ist in Verlegenheit wegen eines gewissen Horn, der ihr zusetzt.
Horn? rief Herr Stark, und trat mit Heftigkeit gegen den Boden. – Ha! der elende, nichtswürdige Geizhals! So hat er mir doch das Wort nicht gehalten, das ich so mühsam, mit so vielem Zureden, von ihm erpresste! – Ich Tor! Warum bezahlt' ich auch den Bettel nicht gleich? – Und was beschliesst denn mein Vater? Was will er tun?
Er reisst die Witwe heraus; ganz gewiss! – Ich werde schon hören, sobald er von der Börse zurückkömmt.
Bleibt er dort lange? Was meinst du?
Ich denke. Er schien ein Geschäft von Wichtigkeit vorzuhaben. Er eilte sehr.
So will ich zu meiner Mutter hinunter. Vielleicht weiss sie mehr, lieber Alter, als du. Oder, wenn auch sie nichts weiss – dann zum Schwager, zur Schwester, zur Witwe selbst!
Halt! halt! rief Monsieur Schlicht, indem er ihn noch glücklich bei dem einen Rockschoss erwischte: so haben wir nicht gewettet, junger Herr; so kommen Sie mir nicht fort! – Erst Nachricht, ob die Activa der Witwe ihre Passiva – –
Nur decken, meinst du? – Es bleibt noch CapitalConto. Nicht wenig.
Schön! – Und die Zeit, wann sie realisirt haben wird?
drei, vier Monate längstens.
Vortrefflich! – Aber nun mögt' ich noch einige Umstände wissen; als erstens – –
Fort war Herr Stark.
Fort ist er! brummte Monsieur Schlicht, und sah mit Kopsschütteln hinter ihm her. – Das ist mir denn doch wahrlich zu bunt. Dahinter liegt mehr verborgen. – Junger Herr! junger Herr! Sie haben der Witwe zu tief in die Augen gesehen. Sie sind verliebt. – – Je nun – wenn er's denn einmal ist – was für ein Unglück? – Eine hübsche, wackere Frau ist die Witwe; das ist gewiss: und wenn sie ihm ansteht – – Sie hat viel Lebensart, muss ich sagen; sie dankte mir gestern gar höflich; sie nannte mich einen lieben Herrn Schlicht über den andern: – Also – wenn sie ihm ansteht – warum soll er sie nicht zur Frau nehmen? Wer wird's ihm wehren? – Immer zu, mein Herr Stark! Immer zum Werk geschritten! Das Junggesellenleben ist ein langweiliges Leben. – Haha! – Da kann ich alter Kindernarre noch in meinen siebziger Jahren etwas zu tragen und zu hätscheln bekommen. – In Gottes Namen! – Ich wollte, sie wären schon da, die kleinen niedlichen Püppchen, und könnten schon laufen.
XXIX.
Von der Mutter war wenig oder nichts zu erfahren; und so eilte Herr Stark durch den Torweg, den ihm Monsieur Schlicht öffnen musste – denn wenn er von vorne ging, konnte' er dem Vater in den Wurf kommen – zur Schwester.
Diese, die von seiner Reise gewusst hatte, schien über seine Rückkunst verwundert. Sie konnte sich's nicht versagen, den ungeduldigen Liebhaber mit seiner leidenschaft ein wenig zu necken, sich eben so brennend-neugierig zu stellen, als er selbst brennendverliebt war, und ihm auf seine fragen über die Witwe lauter Gegenfragen über die Reise zurückzugeben. Doch am Ende brach ihr das mitleidige Schwesterherz; und sie machte ihn durch die Entdekkung, dass, nach ihrem und ihres Mannes Dafürhalten, die Witwe wohl eben so verliebt sei als Er, über alle Beschreibung glücklich. Sie selbst war es in hohem Grade durch das stolze Gefühl, das immer ihrem Geschlechte so wohl tut, einen Mann in den Fesseln eines Weibes sich krümmen und winden zu sehen; doch fühlte sie zugleich, wie alle wohldenkenden Damen, einen