Grund zu Ihrer Behauptung haben sollten, lässt sich von einem so vernünftigen mann wie Sie, nicht wohl denken. Vermutlich hat einmal, in einem vertraulichen Abendstündchen, der selige Lyk Ihnen geklagt, dass er mit dem Wildfang von Frau gar nicht fertig zu werden, sie gar nicht zu bändigen wisse.
Geklagt, mein Herr Doctor? Mir? In einem vertraulichen Abendstündchen?
So vor der tür, mein' ich. – Bei einem Pfeifchen. – Da schwatzen ja Nachbarn wohl eins zusammen.
Ach mein Gott, lieber Herr Doctor! Wo denken Sie hin? – So ein vollwichtiger Mann bei der Börse, so ein angesehener Kaufherr; der sollte sich gegen mich kleinen Anfänger so herabgelassen, so erniedriget haben? – Nein, da ist nur unser einziger Herr Stark, der gegen jedes Kind freundlich ist, und der auch den kleinsten Bürger etwas gelten lässt; den Ruhm hat er ganz allgemein. –
Sehr verbunden! sagte der Alte.
Die andern Herrn – es scheint ihnen schon zu viel, unser Einen nur ansehen zu sollen. Der höflichste, untertänigste gute Morgen wird mit einem Wesen erwiedert, mit einer Miene – – Er quälte sich, eine recht stolze, recht verachtende anzunehmen; aber einmal ging in sein Gesicht, ausser der Spechtischen Original-Miene, keine andre hinein.
Nun, dann merke ich schon – dann haben, gewiss die Handlungsdiener, oder Andre im haus, die um die Sache Bescheid wussten, ein wenig geplaudert.
Die Handlungsdiener? – Ja mein Gott! das sind nun vollends die rechten. Die sind, wo möglich, noch ausgeblas'ner, als ihre Herrn, oder wenigstens unerträglicher; denn mit allen ihren hohen Salairs – was sind sie? – Diener, sagt meine Frau, weiter nichts. Unser Einer, sagt sie, wenn er auch nur schmale Bissen isst, schneidet sie doch von seinem eigenen Brote; aber ein solcher Mietling – – keinem zu nah gesprochen! setzte er furchtsam hinzu –
Alles wahr! Alles schön, mein Herr Specht! Aber ich habe damit immer noch keine Antwort. – Sie wissen die Gesinnung der Frau und ihren Hang zum Verschwenden nicht durch den Mann, nicht durch Vertraute des Hauses; und woher denn sonst? – muss ich Sie fragen.
Durch Ohrenbeichte, sagte der Alte ein wenig bitter, weil er schon merkte, dass ihn Specht hintergangen habe. – Die Lyk ist heimlich katolisch, und dieser Specht ist ihr Pater.
Ach um Gottes willen! rief Specht, indem er mit wahrhaft protestantischem Schrecken zurücktrat: wenn das der Herr Hauptpastor hörte! oder gar meine Frau! – Ich ein Pater?
Das lachen der beiden Herrn, das zwar bei dem Alten ein wenig verstimmt klang, brachte ihn bald wieder zu sich. – Nein! sagte er: mein Herr Doctor: was ich weiss, das weiss ich aus sehr erlaubter und sehr zuverlässiger Quelle.
Nun? – Darf man denn nicht erfahren – – Kaum, dass ich Herrn Stark von der tollen Wirtschaft im Lykischen haus die erste Nachricht brachte; so rief der Herr Pate sogleich: das kommt von der Frau her! Das ist die neue Modewirtschaft der Weiber! Da geht nun wieder einmal, unter Tanzen und Frohlocken, ein Haus, und ein so herrliches Haus zu grund. – Und als ich das bei Tische wieder erzählte, sagte meine Frau augenblicklich: Er hat Recht, der Herr Pate! Er hat ganz Recht!
Ja so – allerliebst! – Und da schoben Sie denn nachher jede ähnliche Ausschweifung ganz getrost der Frau auf den, Hals?
Lieber Gott! Wie denn anders? – Meinem Herrn Paten muss ich doch glauben; denn der hat Erfahrung – o, der kennt die Welt; der weiss Alles.
Ist Er toll? fragte der Alte, indem er, zu grossem Schrecken des armen Specht, sich voll Unmuts aus seinem Sessel aufhobt.
Liebster, bester Herr Pate – –
Wahrlich! das wird lustig, sagte der Doctor. Sie, mein lieber Vater, haben die Sache von Herrn Specht, und Herr Specht hat die Sache von Ihnen.
Der Doctor bekam einen sehr unfreundlichen, und der Pate, der wie versteinert dastand, einen ganz vernichtenden blick. – Er ist – murmelte der Alte zwischen den Zähnen – mit allen seinen Höflichkeiten und Reverenzen – – Hier begriff er sich noch, riss den Geldbeutel mit Heftigkeit zu sich, und ging davon.
XXIV.
Sie sehen den Lohn der Welt! – sagte der Doctor, indem das Schweisstüchlein des Herrn Specht in voller Bewegung war; – das ist nun der Dank für alle Ihre mühsamen Gänge und Ihre gegebenen Nachrichten!
Mein Herr Doctor! rief Specht, und drehte dabei die Augen gegen Himmel: – Wenn ich nicht so unschuldig bin, wie ein neugeborenes Kind – –
O das sind Sie! Das will ich Ihnen bezeugen.
Wenn nicht der Herr Pate Alles, Wort vor Wort, so gesagt hat, wie ich's da wieder sagte – Er legte zu einer feierlichen Beteurung die Hand auf die Brust. –
Keine Schwüre, Herr Specht! Ich glaube Ihnen, eben um Ihrer Unschuld willen. – Mein Schwiegervater hat Alles gesagt, was Sie ihn sagen liessen; vielleicht noch mehr: aber wissen Sie auch, warum? – Weil eben damal zwei nicht unansehnliche Häuser gebrochen waren, und zwar, wie die ganze Stadt wusste, durch Eitelkeit und Verschwendung von Weibern, die aber der Lyk