das Haus oder irgend etwas zum haus Gehöriges, oder sonst unter seiner Aufsicht Befindliches, Schuld geben zu lassen, war ihm ganz unerträglich. Ein getreuerer Aufseher, und ein besserer Ökonom, als Er, sollte auf Erden noch erst gefunden werden. – übrigens liess er es bleiben, zur Abreise des lieben jungen Herrn auf irgend einige Art zu helfen; den Coffer für ihn mogte ein Anderer schaffen.
Der Alte sah mit einem trüben, mitleidigen Lächeln hinter ihm her. – Wie schwach einen doch manchmal das Alter macht! sagte er dann, mit einer Wendung gegen den Doctor. Der gute, ehrliche Schlicht ist meinem Sohne so herzlich, so herzlich ergeben, dass er ihn, vor lauter Ergebenheit, lieber hier würde umkommen, als auswärts sein grösstes Glück machen sehen. – Nein, Gottlob! da bin ich festrer natur. – Es ist freilich wohl angenehm, die lieben Seinigen immer um sich zu haben; aber, wenn das einmal nicht sein kann – –
Und warum nicht? Warum kann das nicht sein? fragte die Alte, die ihre Bewegung nicht länger bergen konnte. –
Aus mehr als einer Ursache nicht, gute Mutter.
Darf ich die hören? – Nur eine einzige, bitte' ich.
Alle! – Es sind ja keine Geheimnisse.
Nun? –
Zuerst schon deswegen nicht: weil ich und er, wenn wir hier länger zusammenblieben, uns einander das bischen Leben nur schwer machen würden.
Das sei Gott geklagt! Und die Schuld? –
Die ist mein. Das versteht sich. – Ferner deswegen nicht; weil ich so oft ihm vorgeworfen, dass es ihm an Entschluss und Unternehmungsgeist fehle, und weil es seltsam herauskommen würde, wenn ich gerade beim ersten Beweise vom Gegenteil – wie nun dieser auch immer sein mag – ihm durch den Sinn fahren wollte. Endlich und hauptsächlich deswegen nicht: weil die Errichtung eines neuen Handlungshauses und der dazu nötige Vorschuss ihn zu einer Tätigkeit zwingen, ihn zu einer Sparsamkeit und Ordnung gewöhnen werden, wie ich sie ihm hier, mit allen meinem Predigen, nicht habe beibringen können. Ich hoffe, er soll mir jetzt eine ganz andere denkart annehmen; soll mir jetzt ganz so werden, wie ich ihn immer wünschte.
Und deine Handlung? fuhr die Alte mit etwas gesunkenem Tone fort: deine Geschäfte? –
Die, Mutter, sind meine, nicht deine Sache. Wer sie so lange gut zu führen gewusst hat, wirds auch jetzt wohl noch wissen. – Denke du lieber an das, was dir noch wird zu besorgen bleiben.
Mir? – Und das ist?
Du wirst ihn doch nicht so trocken abfertigen wollen? wirst ihm doch zu guterletzt noch einen Abschiedsschmaus geben? – Ich hoffe, Sie kommen dazu auch, lieber Doctor. Und du – indem er die Tochter ansah – und euer ganzer kleiner Anhang, versteht sich. – Er lächelte mit seiner gewöhnlichen Freundlichkeit gegen sie hin. – Da wollen wir noch einmal recht von Herzen mit einander vergnügt sein.
Vergnügt? Recht von Herzen? seufzte die Mutter. – Wirst du das können?
Warum nicht? Was in der Welt soll mich hindern? – Der Ort, wohin er zieht, liegt ja so nahe. Wir dürfen nur auf die Post schicken und anspannen lassen, wenn uns künftig einmal das Herz zu gross wird; wir dürfen nur zu ihm fahren. – Ja, wenn es zur See nach America, oder gar bis nach China ginge! oder gar bis nach der Botanybay!
Behüte Gott! rief die Alte.
Amen! Amen! Und nun keine Seufzer weiter! Es ist genug. – – Du hörst, fuhr er dann fort, indem er sich mit gütigem Ernst gegen den Sohn herumwandte, dass ich von deinen Absichten weiss, und dass ich sie, nach Lage der Umstände, wie diese nun einmal sind, eben nicht tadle. – Geh mit Gott, mein Sohn! Meinen Segen zu deiner Reise! – An deine Stelle hier kann der erste Buchhalter treten, Monsieur Burg; den kennst du selbst als einen gewandten, tätigen, rechtschaffnen Mann: und ich, so alt ich bin, habe doch auch noch Kräfte, um arbeiten, und Augen, um nachsehen zu können. Für meine Handlung also sorge nur nicht; aber wie es mit deiner gehen wird? – Aller Anfang, sagt man, ist schwer; und was du dir selbst, bei so mancherlei Nebenausgaben, erübriget haben kannst, mag dich eben nicht drücken. – Da! indem er den ziemlich schweren Beutel, den er bisher gegen die linke Hüfte gestützt hatte, auf den Tragkasten unter den Spiegel setzte – eine kleine Erkenntlichkeit für geleistete Dienste! Ich hob sie dir immer auf, um eine Zeit damit abzuwarten, wo sie dir eben gelegen käme; und diese, denke' ich, ist jetzt. – Aber, da es dir doch noch fehlen, und Dieser oder Jener, wegen unsrer unvermuteten Trennung, bedenklich werden und dir sein Zutrauen versagen mögte; so ist hier noch ein offner Wechsel, der hoffentlich allen Bedürfnissen abhelfen und alles Misstrauen entfernen wird.
Der Alte schwieg, und schien einen Augenblick auf die schuldige Danksagung des Sohns zu warten; aber es erfolgte nichts, als eine steife, ungeschickte Verbeugung. – Ich sehe wohl, sagte er dann, dass ich dir in einer Arbeit gekommen bin, worin man sich eben darum so ungern stören lässt, weil man sie