die auf dem Zimmer des Sohns gemachte Entdeckung mitteilte, und nicht fertig werden konnte, das Haus seines guten alten Wohltäters zu bejammern, wenn es mit dem jungen Herrn seine erste und festeste Stütze verlieren sollte. Er sah es in Gedanken schon von allen Seiten baufällig werden und in Trümmer zerfallen.
Hat nichts zu sagen! meinte der Alte, der sich hinsetzte, um für seinen Sohn einen offnen Wechsel zu schreiben.
Nichts zu sagen! erwiderte Schlicht, und war unschlüssig, ob er über die Gleichgültigkeit des Alten mehr erstaunen oder sich ärgern sollte. – Nichts zu sagen, Herr Stark? So erwägen Sie doch – –
Dass dich! rief hier der Alte: – da muss ich nun den Wechsel, der beinahe schon fertig war, wieder zerreissen, und einen andern anfangen. – Kann Er denn keinen Augenblick schweigen? Ist Ihm denn das Plaudern so zur andern natur geworden? –
Monsieur Schlicht hatte das Eigne, dass er die Wörter: Plaudern und Schweigen, wenn sie mit Beziehung auf ihn selbst gesagt wurden, gar nicht hören konnte, ohne misslaunig und stöckisch zu werden. Er hatte, in jüngern Jahren, sich lange und viel in der Welt umhergetrieben; hatte, wie er immer zu rühmen pflegte, seine Augen nie in die tasche gesteckt: und wenn andre Leute sich Einsichten und Erfahrungen gesammelt hatten, so hatte' er's wohl auch. Ein solcher Mann, meinte er, müsste Freiheit zu reden haben, oder es hätte sie niemand, und alle Welt müsste schweigen.
Er kehrte kurz um und wollte fort, als Herr Stark ihm ernstlich befahl, zu warten, und ihn dann zu seinem Sohne zu begleiten, wenn sich etwa noch dieses oder jenes zu veranstalten fände. –
Die übrige Familie, die Monsieur Schlicht schon etwas früher, als den Vater, von seiner Entdeckung benachrichtiget hatte, war eben in vollem fruchtlosen Kampf mit dem Sohne, als Herr Stark, in Begleitung des alten Handlungsdieners, hereintrat. Seine Erscheinung auf einem so abgelegenen Zimmer, das er gewiss seit der Blatternkrankheit der Kinder mit keinem fuss mehr betreten hatte, setzte Alle in die grösste Erwartung, und den Sohn in eine sichtbare Verwirrung. So gut es indessen in der Geschwindigkeit möglich war, raffte sich dieser zusammen, um den Vorwürfen oder Vorstellungen des Vaters, und wenn er die letzteren auch noch so kräftig mit dem vollen Beutel in seiner linken Hand unterstützen sollte, nachdrücklich entgegenzuarbeiten. –
Das sind viel Sachen, Monsieur Schlicht, sagte der Alte, indem er die Augen auf die vollen Stühle umherwarf: und ich sehe hier nichts, als den einzigen kleinen Coffer. Da gehen sie ja unmöglich alle hinein.
So bleiben sie heraus, murmelte Schlicht, ohne dass es der Alte hörte; warum ist er nicht grösser?
Wäre denn sonst keiner da? Denn in diesen hier bringt Er ja kaum das Drittel von allen den Kleidungsstücken. Das könnt Er, dächt' ich, mit halben Augen sehen.
Ach, ich – mit meinen Augen, Herr Stark – ich sehe nur mein Leiden an der geschichte.
Warum denn aber? – Sei Er nicht wunderlich, Freund! Geb' er mir Auskunft!
Der alte Mantelsack mag noch da sein, den Sie vor etwa dreissig oder vierzig Jahren auf Ihren Reisen brauchten. Er war ja schon damal in lauter Fetzen.
Der Alte konnte sich kaum entalten zu lachen. – Ich weiss nicht, wie Er mir manchmal vorkömmt, Monsieur Schlicht. Solche feine und kostbare Kleidungsstücke – denn Er sieht ja wohl, dass das eine Garderobe ist die für keine tausend Taler geschafft worden – die will Er in den schmutzigen alten Mantelsack schnüren?
Ich nicht. Ich will hier weder packen noch schnüren.
Noch einmal: Sei Er nicht wunderlich, Freund! Steck' Er Geld ein, und geh' Er zu dem mann gegen der Börse über! Der hat Coffers, den ganzen Laden voll, von allerhand Grösse und allerhand Art: da such' Er sich einen aus! – Zu hoch und zu breit, denke' ich, wird Er ihn wohl nicht nehmen können; aber mit der Länge wird Er sich vorzusehn haben. – Am besten, Er geht vorher in den Schuppen, und nimmt an meiner Chaise das Maass.
An welcher Chaise? –
Der Alte sah ihn einen Augenblick an, und schüttelte mit dem kopf. – An der zerbrochenen nun doch wohl nicht? denn von der ist ja nichts als der Kasten übrig.
Nun, ich höre ja wohl! An der neuen, die Sie zur Reise von vorigem Sommer kauften.
Richtig! – Ich mache sie meinem Sohn zum Geschenk; denn mir steht sie da nur im Wege: mit meinen Reisen ist's aus. Und, Monsieur Schlicht – dass Er mir das ja nicht vergisst! – lass Er vorher erst recht nachsehen, ob auch noch Alles in haltbarem stand ist: Riemen und Eisenwerk, Räder und Achse. Nichts ärgerlicher, als wenn man unterwegs mit seinem Fuhrwerk in Krüppeleien gerät! – Die Chaise, fuhr er mit unwilligem, verweisenden Tone fort, hat mir da, den ganzen Sommer hindurch, in der Trockniss gestanden. – Woran ich selbst nicht – denke, denkt niemand.
Ich wollte, sie wär' in tausend Trümmern, brummte Schlicht vor sich hin, und verliess das Zimmer in einer noch weit üblern Stimmung, als worin er's betreten hatte. Sich Mangel an Aufmerksamkeit auf