1801_Engel_012_12.txt

. In diesen Tagen. Ein Mann, ein Wort? Schlagen wir ein? Da! – so freundlich, wie noch jemal in meinem Leben. Sie lächeln aber so in Sich. Worüber? Achüber mich selbst. – Lass das gut sein! – Er hatte schon ungefähr die Art, wie er sich nehmen müsste, im kopf, und lächelte fort bis zur tür. Armer Mann! sagte er noch, im Vorbeigehen, zum Doctor: Sie sind gewaltig betrogen. Sie forderten von mir eine Frau, und ich habe Ihnen eine Schlange gegeben.

X.

Nun? triumphirte die doctorin, als der Vater hinaus war: hatte' ich nicht Recht, liebe Mutter? War's des Schreckens und des Aufhebens wert? – So ein kleiner Zwist in einer Familie gemahnt mich, wie ein Feuer in einer Brandmauer. Das brennt schon aus, ohne Lärmschlagen.

Und du glaubst dich am Ende? sagte der Doctor.

Völlig. Völlig. Der Vater hält Wort.

Er müsste erst mehr versprochen haben. – Aber gesetzt auch, dass du zu deinem Zweck kömmst, und dass der Bruder für diesmal bleibt – –

Für diesmal? Warum denn nicht immer?

Wird er von seinen Schwachheiten lassen? Wird der Vater von seinem Eigensinn lassen?

Niemal! niemal! seufzte die Mutter.

Schwerlich! stimmte die Tochter mit ein.

Und also! Was sind wir weiter gekommen? – Wir wollten die inneren Ursachen der Uneinigkeit heben, wollten die Quellen des Übels verstopfen; und da uns nun das nicht gelangda stellen wir uns hin, und pinseln und pflastern an einem Geschwürchen, das, wenn wir es heute heilen, morgen wieder aufbrechen wird. – Das ist falsche Heilart, fuhr er mit Kopfschütteln fort, wovon ich bei zeiten zurücktrete, und sie dir allein überlasse.

Klug! klug und gelehrt! sagte die Frau. – Aber auch Pfuscherarbeit wird manchmal gute Arbeit. Lass mich nur machen! Wie aber, wenn du ein Meisterstück machen könntest?

Ein Meisterstück? – Nun?

Er ging mit einem blick voll Missmuts umher, und rieb sich die Stirne. – Ach, es ist nicht zu machen. Es ist ein frommer Wunsch, weiter nichts. – Heiraten, heiraten müsste der Bruder. Ein kluges, sittsames, zärtliches Weib müsst' er nehmen.

So eins, wie du hast. Nicht wahr? – Sie sah ihm freundlichlächelnd unter die Augen.

Nun ja! Und wenn auch nur so eins – –

Boshafter! –

Er bot ihr liebreich die Hand, und zog sie in seine arme. – So ein Weib würde' ihn zu haus bei seinen Geschäften halten: denn zu haus wäre ja sie; es würde' ihm alle die Vergnügungen, denen er jetzt nachläuft, verleiden: denn bei ihr fänd' er ja bessre; es würde' ihn von den kleinen Torheiten des Putzes und der Modesucht abziehn: denn man putzt sich ja nicht für die Seinigen, nur für die Welt. –

Er fand den grössten Beifall mit dieser Rede. Die Frau liebkoste ihm, und die Schwiegermutter erteilte ihm Lobsprüche.

Alle Quellen des Missvergnügens wären dann auf einmal verstopft. Der Vater und wir alle wären zufrieden. – Ja, wenn es möglich wäre, fuhr er mit einer Art von Begeisterung fort, indem er lebhafter umhergingwenn es möglich wäre, dass er die Witwedie gute Witwe – –

Hier flogen beide Frauenzimmer zu ihm hinan, und brachten ihm ihre Gesichter so nahe, dass er erschrack und zurücktrat. – Was ist denn? Was hab' ich gesagt? fing er an.

Die Witwe! riefen sie beide aus Einem mund. – Sprachen Sie nicht von einer Witwe, Herr Sohn? – Erwähntest du nicht einer Witwe, mein Bester? – –

Der Doctor war unzufrieden, dass er sich mit seinem geheimnis so bloss gegeben, und versuchte sein Möglichstes, um es noch festzuhalten. Er war durchaus nicht zu bewegen, dass er es im Ganzen hätte herausgeben sollen. Indessen riss, durch das ewige fragen, bald die Frau, und bald die Schwiegermutter, ein Stück davon ab; und so bekamen sie endlich so viel davon in die hände, dass er nicht absah, warum er den unbedeutenden Rest nicht noch freiwillig dazu geben sollte. Überdies hatte man ihm das heiligste Stillschweigen gelobt, und Mutter und Tochter hatten einander selbst recht inständig darum gebeten. –

Jetzt, da die Frauenzimmer ihr geheimnis zu besichtigen anfingen, fand sich, dass sie sehr wenig daran erbeutet hatten. – Die Witwe hatte Kinderwar ohne Vermögenwar nicht mehr jung: – ihr vier oder fünf und zwanzigstes Jahr mogte sie immer schon zurückgelegt haben; – der Liebhaber schien noch gar nicht entschieden; – der Vater hatte Vorurteile gegen die Frau; – ihn von Vorurteilen zurückzubringen, war immer sehr schwer, fast unmöglich: – alle diese Umstände liessen von der Liebe des Sohns, wie aufrichtig und zärtlich sie übrigens sein mogte, keine Heirat, und noch weniger von so einer Heirat eine feste Grundlage für die Ruhe und Zufriedenheit der Familie hoffen. Man war also wieder in gleicher Verlegenheit, als zuvor.

Indessen tröstete sich die doctorin mit dem Gemeinspruche: dass der Mensch nicht zu weit vorausdenken, und wenn nur seine nächste Aussicht nicht trübe und gewitterhaft sei, sich beruhigen müsse. Voller Friede, meinte sie, sei wohl freilich das Beste; aber auch Waffenstillstandund