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welche meine Pächter sind, so wird er hier in diesem Hüttchen einen Tag und eine Nacht hingesetzt, und hier neben zwischen den Mauern des verfallenen Gebäudes begraben. Warum die stube ganz eingerichtet ist, als wohne eine Familie darin, weiss ich nicht; aber es ist eine freundliche idee. Der älteste meiner Pächter hat den Schlüssel dazu; er steigt alle zwei Tage herauf, und steckt die Lampe an, und wenn er tot ist, so bekömmt der älteste wieder dies Geschäft, so dass es zu einem Sprüchworte unter ihnen geworden ist: Er trägt den Schlüssel. Die Alten selbst werden unten im Tale begraben, weil sie sagen: Er habe nicht mehr hinaufgekonnt, drum sei er unten begraben."

Ich sah zum kleinen Fenster hinein, die Lampe stand in der Mitte der stube auf dem Tische, an der Wand hingen männliche und weibliche Kleider, und die ganze stube sah bewohnt aus; es lag ein ewiges Warten auf den Vater oder die Mutter, oder auf den Geliebten und die Geliebte in allem; ich wendete mich, und sprach: "Auch ich habe Ehrfurcht davor."

Habern suchten wir mit Mühe dazu zu bringen, auch hineinzusehen. Er kehrte aber schnell um, als der Wind an den losen Fensterscheiben rasselte, und ging schweigend mit uns den Berg hinab; vor uns tiefer unten ging ein Licht, und der Jäger sagte:

"Das ist der alte Anton, der hat eben die Lampe angesteckt, wenn er sein Verslein noch nicht gesungen hat, so wird er es bald hören lassen."

Bald darauf hörten wir auch eine zitternde stimme singen, doch konnten wir sie nicht verstehen, weil sie undeutlich aussprach, und zu entfernt war. Wir gingen deswegen rascher, bis der Alte stillstand, weil ihm das Treppensteigen beschwerlich war, und wir hörten die zwei letzten Verse seines Gesanges.

Ich hab das Lämplein angesteckt

Zum langen Angedenken,

Und wenn mich kühle Erde deckt,

Mag Kind und Enkel denken:

Der Vater ruht im Tale aus,

Und kommt nicht mehr ins stille Haus.

Lischst du, o Herr, mein stilles Licht,

Das tief herab schon brennet

Und werde vor deinem Angesicht

Ich nur ganz rein erkennet,

So geht mit Freude angetan

Erst recht mein schönstes Leuchten an.

Hier löschte der alte Anton sein Licht aus, und war vor uns zu Haus.

Das Gut lag zu unsern Füssen; von der entgegengesetzten Seite begrenzte es ein hoher Baumgarten, sonst war es einsam und sah öde aus. Die Wildnis über dem Berge, wo wir den heutigen Tag zugebracht hatten, schien mir bei weitem freundlicher. Dies äusserte ich Godwi, und Haber sagte, er habe die nämliche Empfindung.

Godwi sagte: "Ich bin von Jugend auf an diese Gegend gewöhnt, dennoch habe ich die nämliche Empfindung, so oft ich vom Jägerhause komme. Einsam und öde wird überhaupt alles, was der Mensch berührt, ohne es zu vollenden, nur der Mensch kann töten. Dieses ganze Tal nun ist das Bild einer Anstalt, die ins Stecken kam, alles verlangt nach einem Ende, und man könnte sagen, es gleiche einer interessanten Erzählung, die mitten durch ein Fragezeichen unterbrochen ist.

Es liegt etwas Derbes und Selbstständiges in der wilden natur, sie ist voller Leben, und scheint sich den Teufel um den Menschen zu bekümmern; sie geht ihren Weg, ohne sich viel umzusehen, und treibt ihr Geschäft für sich und mit Kraft. Hierdurch rührt sie uns, und das Gefühl der Einsamkeit in ihr begründet sich auf die Schwäche des Menschen; man wünscht einen Freund neben sich zur Unterstützung gegen die Wildnis, die einem so frech in die Bildung hereintritt, das Echo der Felsen gibt uns kalt und spöttisch die Ausrufungen zurück, in denen man umsonst versuchte, dieser natur etwas abzuschmeicheln; man möchte einen Freund, um seine Empfindungen genommen zu sehen; man wünscht sich ein williges liebendes Mädchen auf das Moos, um am fuss der stolzen Eiche in lebendiger Beweglichkeit das höchste Opfer der Menschen zu feiern, und der tapfern barschen natur zu zeigen, dass es im Leben nicht auf kolossalische, unbewegliche Grobheit ankömmt." – "Aber hier," fuhr ich fort, "was will man hier machen? Hier ist alles so zahm, da steht Kohl und dort steht Weisskraut und jenseits Korn und dortwie heissen Sie?" wendete ich mich zum kleinen Dichter.

– "Haber."

– "Und dort steht Haber, und alles sieht aus, als wisse es schon, dass es nächster Tage werde gefressen werden, vielleicht gar als Futter unvernünftiger Tiere."

"Ja," sagte Godwi, "hören Sie ein paar Hofhunde klaffen, und einen Hahn krähen, und ein paar Kühe brüllen, so ist alles in Richtigkeit mit der genialischen natur, und man muss sich dann meistens, weil es kotig ist, an dem Himmel halten."

Es war ein schöner Himmel, und alles, was wir hörten, sahen, war still, müde und ruhend.

"Hier ist der Abend nicht viel anders", sagte ich, "als Ruhe ohne alle Erinnerung, es ist keine Selbsttätigkeit in einem solchen Abend, und er sagt nichts als: nun ist es recht gut, nun geht es bald ins Bett."

"Sie sind etwas zu unbändig," sagte Godwi, "nehmen Sie sich in acht, dass Sie nicht werden wie diese öde Landschaft, welche hinlängliche Bildung hat, bei