gehört, als in einigen Volksromanzen, welche die Fischer und Schäfer dort singen, allerlei Überbleibsel ihres selbstischen Wahnsinnes. Auch sollen durch ihre fernern Taten fast alle Arten von Aberglauben, fliegende Drachen, Beischlaf des Teufels mit Hexen und besonders das Alpdrücken bei jungen schlafenden Frauenzimmern entstanden sein.
Die Eingeschlafenen aber erwachten den folgenden Morgen, und gingen langsam nach Haus. Sie leben nun in einer Art von Traum, aus ihren Krisen und aus den Volksliedern habe ich die geschichte dieser entscheidenden Gemütsschlacht zusammengetragen.
Das Weltmeer aber war nichts als ein sumpfichter Fischteich, die Tapfern brauchten gar nicht zu schwimmen, und auf der andern Seite stand ein Wirtshaus, in dem sie sich es recht gut schmecken liessen. Auch fanden sie dort einige zurückgebliebene Bagagewagen des heiligen Zuges. Sie setzten sich mit auf, und kamen auch in den Krieg. Doch hat man von ihren Taten bis jetzt noch nichts gehört.
"Das wäre nun so ziemlich die geschichte des philosophischen Anflugs der letzten Jahre." –
Haber näherte sich mir, und wollte mich umarmen, aber ich trat zurück und sprach:
"Verbannen Sie diesen fabelhaften Zug von inniger Freundschaft aus Ihrem Gemüte; ich bin Ihr Freund und aller derer, die nach dem Bessern streben, oder die schon weiter sind als ich."
Hier kam der Jägerbursche herein und fragte, ob wir nun gehen sollten.
"Was macht Flametta?" sagte Godwi.
"Sie hat bis jetzt nichts getan," erwiderte er, "als mir gepredigt, dass ich den Apollo so schlecht gemacht habe. Sie behauptete, wenn sie ihren Aktäon aufführen würde, werde ich die Szene, wo mir die Hirschgeweihe wachsen würden, besser spielen. Ich sagte, sie solle sich mir nur einmal nackt im Bade zeigen, für die Hörner wolle ich schon sorgen; da gab sie mir eine Ohrfeige, die, wäre sie nicht auf das Ohr gefallen, leicht die Grundlage eines Hornes hätte werden können – und für diese Ohrfeige gab sie mir denn wieder einen Kuss; weil ich so geduldig gewesen sei, sagte sie; und sauste mir die Ohrfeige in den Ohren, als knacke einer die Welt wie eine Nuss auf, so schmeckte auch der Kuss wie der Kern jener Nuss. Jetzt ist sie in dem wald mit den Hunden und den kleinen Mädchen des Försters, denen sie das Fürchten abgewöhnen will, und wir müssen wohl auch gehen, wenn uns der wilde Jäger nicht die Haare versengen soll."
Haber drang auch sehr aufs Gehen, und wir verliessen mit dem Jäger das Haus.
Elftes Kapitel
Wir gingen, und die Nacht ging mit uns; um uns her küsste sie den Schatten des Waldes, und lag in dämmernder Liebe in den Gebüschen. Auf lichten Stellen standen noch freundliche Sonnenblicke, als wollten sie uns Lebewohl! sagen. Durch die Tiefe des Waldes drang der rote glühende Himmel, der leise verstummte. Er sprach wie die jungfräuliche Scham, wenn sie der tiefsten Freude weicht, und die natur bebte in leisen Schauer, wie Liebestod.
Alles verlor seine Gestalt und sank in Einigkeit. Es gab nur einen Himmel und eine Erde, auf ihr wandelte ich, und mein Fuss rauschte im Laube, in des himmels mildem Glanze ging mein Auge und trank grosse herrliche Ruhe. O! wem hätte ich sagen können, wie mein Herz war, wer hätte mich verstanden, und das elende Fragment meiner Sprache entziffert, und wer hätte es verdient?
Ich achtete Godwi, und konnte ihm das nicht sagen, denn ich hätte ihm gesagt, was Freundschaft sich nicht sagen darf. Hier ist sie klein und erblickt sich nicht. Freunde schweigen in solchen Momenten, wo die Liebe sich vom Himmel niedersenkt, und gehen bange einher um die Freundschaft, und schämen sich, dass sie nicht Mann sind und Weib, um sich niederzusetzen und sich zu küssen.
Ich dachte an dich, die mich erwartet; "wo bist du, Geliebte?" sprach ich, "die so zu mir strebt, die in Waldesschatten atmet, und von dem Himmel mit goldenen Fäden mein Herz umspinnt – wo bist du? die mich küsst im kühlen Abendwinde – soll ich nimmer zu dir und mit dir sein? wie der Abend, in dem ich deiner gedenke," – ach alles sprach mit mir! auch die Brünette drängte sich leise an mein Herz, und sagte – "ich bin nun wie dir ist" – da sprach ich folgende Worte zu ihr:
An. S.
Wie war dein Leben
So voller Glanz,
Wie war dein Morgen
So kindlich Lächlen,
Wie haben sich alle
Um dich geliebt,
Wie kam dein Abend
So betend zu dir,
Und alle beteten
An deinem Abend.
Wie bist du verstummt
In freundlichen Worten,
Und wie dein auge brach
In sehnenden Tränen
Ach da schwiegen alle Worte
Und alle Tränen
Gingen mit ihr.
Wohl ging ich einsam,
Wie ich jetzt gehe,
Und dachte deiner,
Mit Liebe und Treue –
Da warst du noch da
Und sprachst lächlend:
Sehne dich nimmer nach mir,
Da der Lenz noch so freudig ist
Und die Sonne noch scheint –
Am stillen Abend,
Wenn die Rosen nicht mehr glühen
Und die Töne stumm werden,
Will ich bei dir sein
In traulicher Liebe,
Und dir sagen,
Wie mir am Tage war.
Aber mich schmerzte tief,
Dass ich so einsam sei,
Und vieles im Herzen.
O warum bist du nicht bei mir!
Sprach ich, und siehst mich