so möchte, für alle die Religiosität, den Ernst und die Glut Tassos, liebenswürdiger Ateismus, süsse Prosa und jene in den Musenalmanachen so häufige ästetische Glut, Äter-Glut, Rosen-Glut oder Johanniswürmchen-Glut hervorkommen."
"Die Reime allein schon", fuhr ich fort, "sind in unserer Sprache nur als Gereimtes wiederzugeben, und ja, sehen Sie, eben diese Reime schon sind eine solche Gestalt der Gestalt, und wie wollen Sie das alles hervorbringen? Der italiänische Reim ist der Ton, aus dem das Ganze gespielt wird. Wird Ihr Reim denselben Ton haben? Ich glaube nicht, dass Sie ein solcher Musiker sind, der aus allen Tonarten und Schlüsseln auf ein andres Instrument übersetzen kann, ohne dass das Lied hie und da stillsteht und sich zu verwundern scheint, oder seiner inneren Munterkeit nach aus Neugierde mitgeht und sich selbst in dem luftigen ästetischen Rock, der hier zu eng und dort zu weit, überhaupt seinem Charakter nicht angemessen, so ein Rock auf den Kauf ist, wie einen Geniestreich ansieht oder, wird es blind, wie ein vortrefflicher Adler, dem man eine Papiertute über den Kopf gezogen hat, dumm in einer Ecke sitzt."
Godwi lachte und sagte: "Eine Frage für ein Rezeptbuch – Wie übersetzt man einen italiänischen Adler ins Deutsche? – Antwort – Recipe eine Papiertute, ziehe sie ihm über den Kopf, so ist er aus dem Wilden ins Zahme übersetzt, wird dich nicht beissen; ja er ist der nämliche Adler, und zwar recht treu übersetzt."
"Recht getreu," sagte ich, "denn er sitzt nun unter den deutschen Hühnern recht geduldig und getreu, wie ein Haustier."
"Jede Sprache", fuhr ich fort, "gleicht einem eigentümlichen Instrumente, nur jene können sich übersetzen, die sich am ähnlichsten sind; aber eine Musik ist die Musik selbst und keine Komposition aus des Spielers Gemüt und seines Instrumentes Art. Sie erschafft sich da, wo das Instrument, der Tonmeister und die Musik in gleicher Vortrefflichkeit sich berühren. Viele Übersetzungen, besonders die aus dem Italiänischen, werden immer Töne der Harmonika oder blasender Instrumente sein, welche man auf klimpernde oder schmetternde übersetzt. Man versuche es einmal mit dem Petrarch; wenn mehr herauskömmt als ein gereimtes Florilegium, an dem man die Botanik seiner Poesie studieren kann, wenn mehr herauskömmt als eine officinelle Übersetzung, wenn nicht jedes Sonett ein Rezept an ein Wörterbuch wird, wo man des Reimes wegen immer die Surrogate statt der Sache nehmen muss, statt Zitronensäure Weinstein, statt Zucker Runkelrüben, so will ich den Entschluss aufgeben, sollte ich je lieben, eine Reihe deutscher Sonette zu machen, die keiner ins Italiänische übersetzen wird."
"Den Dante halten Sie denn wohl für ganz unübersetzlich", sagte Haber.
"Grade einen solchen weniger," fuhr ich fort, "ebenso wie den Shakespeare. Diese beiden Dichter stehen ebenso über ihrer Sprache wie über ihrer Zeit. Sie haben mehr leidenschaft als Worte, und mehr Worte als Töne. Sie stehen riesenhaft in ihren Sprachen da, und ihre Sprache kann sie nicht fesseln, da ihrem geist kaum die Sprache überhaupt genügt, und man kann sie wohl wieder in einen anderen wakkeren Boden versetzen. Es kann gedeihen, nur muss es ein Simson getan haben. Transportierte Eichen bleiben sie immer, an denen man die kleinen Wurzeln wegschneiden muss, um sie in eine neue Grube zu setzen. Die meisten anderen italiänischen Sänger aber haben ganz eigentümliche Manieren, die in der natur ihres Instrumentes liegen, es sind Tonspiele, wie bei Shakespeare Wortspiele; Tonspiele können nicht übersetzt werden, wohl aber Wortspiele."
"Wie sind wir auf die Übersetzungen gekommen?" sagte Godwi. – "Durch das romantische Lied Flamettens", sagte ich. "Das Romantische selbst ist eine Übersetzung" –
In diesem Augenblick erhellte sich der dunkle Saal, es ergoss sich ein milder grüner Schein von dem Wasserbecken, das ich beschrieben habe.
"Sehen Sie, wie romantisch, ganz nach Ihrer Definition. Das grüne Glas ist das Medium der Sonne."
Neuntes Kapitel
Es ging wirklich etwas Bezauberndes mit diesem Becken und seinen Früchten vor, und die Erscheinung war mir äusserst überraschend.
Die Früchte, die halb in der Wand verborgen waren, fingen allmählich an zu schimmern. Zuerst erleuchteten sich der Lorbeerkranz mit dem Schmetterlinge und die Trauben, ein dunkles ernstaftes Grün, das endlich in verschiedene Stimmungen über die umgebenden Früchte zerrann. Dann glühte das ganze Becken in mildem grünen Feuer, und die schillernden Tropfen, die zwischen den Früchten hervordrangen, leuchteten und sammelten die verschiedenen Grade des Feuers in dem Boden des Beckens, das mit grünem Spiegel überzogen die immer gleiche Menge des Wassers mit einer zurückstrahlenden Seele belebte, und in dieser brannte das Ganze noch einmal reflektiert.
Wir standen alle erfreut vor dem grossen Smaragde, der zu leben schien, und ich empfand in mir einen heftigen Eindruck, eine ganz wunderbare sehnsucht.
"Ich wollte, das Ding schwiege still, erblasste und verlöre seine Gestalt," sagte ich, "denn eins allein von diesen könnte ich nicht sagen. Hier ist Ton, Farbe und Form in eine wunderliche Verwirrung gekommen. Man weiss gar nicht, was man fühlen soll. Es lebt nicht und ist nicht tot, und steht auf allen Punkten auf dem Übergange, und kann nicht fort, es liegt etwas Banges, Gefesseltes darin."
"Aufhören wird es bald,"