Bewegungen begleitete, sang sie mit heller klingender stimme, und die Hörner tönten leise nach.
Cyparissus:
Nicht lachen mehr, nicht singen mehr,
Nicht mehr in Wäldern jagen,
Still sitzen hier und klagen,
Weil ich nun mein Hirschlein geschlagen tot.
Wollt eilen hin, wollt eilen her,
Könnt einer mir nur sagen,
Dass ich es nicht erschlagen,
Dass ich nicht vergossen sein Blut so rot.
O böse Jagd! o böser Pfeil!
Mit liebem Blut gerötet,
Mein Freund hab ich getötet,
Der um mich verlassen die Freiheit sein.
Nicht lachen mehr, nicht singen mehr,
Nicht mehr in Wäldern jagen,
Still sitzen hier und fragen,
Wer hat erschlagen das Hirschlein mein?
O Sonnenschein! o heisser Schein!
Hier sitz ich an der Quelle,
Wo in dem wasser helle,
Das Hirschlein sah sein güldin Geweih.
Was rauschet wohl, was blinket fein?
Was brauch ichs dann zu hören,
Mein Hirschlein kann nicht kehren,
Es ist ja tot und blinket nicht meh'.
Welch hoher Schritt, welch güldner Schein!
Zwei Hörner sehe ich blinken,
Mein Hirschlein kommt zu trinken,
O Freude gross! dass ich es noch sehe.
Hier trat der Jägerbursche mit einer goldenen Leier auf. Flametta hatte ihn als Phöbus maskiert. Flametta, welche den Cyparissus vorstellte, glaubte nach der Wendung ihres Liedes, als sie die Leier blinken sieht, es sei das Geweih ihres Hirschleins.
Phöbus:
O Cypariss! du holder Knab!
Dein Hirschlein ist im wald,
Mein hoher Tritt so schallte,
Mein güldin Leier gab solchen Glanz.
Seit ich dich nicht gesehen hab
Und hier bei dir gesessen,
Hast du mich schon vergessen,
Und flochte dir doch den grünen Kranz.
Flammetta nahm hier den grünen Kranz und warf ihn in das wasser, wobei ihr die schönen langen Haare herabflossen.
Cyparissus:
Den grünen Kranz will ich nicht mehr,
Und bist du nicht mein Hirschelein,
Und gehe und lass mich nur allein,
So habe ich es doch geschlagen tot.
Phöbus:
Deins Hirschleins Tod verdriesst mich sehr,
Will dir ein andres suchen,
In Eich' und grünen Buchen,
Vom Morgen bis zum Abendrot.
In heisser Sonn, in kühler Nacht,
Will ruhn in keiner Stunden,
Bis ich ein solches funden,
Damit ich tröste dein'n bittern Schmerz.
Cyparissus:
In heisser Sonn, in kühler Nacht,
Kannst keins du je erjagen
Wie meins, das ich erschlagen,
Dem ich durchstochen sein treues Herz.
Verlassen hats sein'n freien Stand,
Von selbst kam es gegangen,
Ich hab es nicht gefangen,
Ein'n treueren Freund gibt es wohl kaum.
Am Halse trugs ein güldin Band,
Mit Schellen auch von Golde,
Und wenn ich reiten wollte,
Legt ich ihm auf ein'n Purpurzaum.
Ihm war vergüldt sein hoch Geweih,
Dass mit den vielen Enden
Es alles mocht verblenden,
Wann es rannte durch den dunklen Wald.
Es schien, als obs ein Blitzstrahl sei,
In seinen Ohren hinge
Von Perlin ganz ein Ringe,
So war geziert seine hohe Gestalt.
Phöbus:
O Cypariss! Du holder Freund!
Ich geb dir Pfeil und Bogen,
Mit Gold ganz überzogen,
O höre doch auf betrübt zu sein.
Dein schöne Augen sind ganz verweint,
Von deinen süssen Wangen
Ist ganz das Rot vergangen,
Und deine Lippen sind so voll Pein.
Komm, geh mit durch den dunklen Wald,
Den wilden Schmerz zu kühlen,
Will singen dir und spielen,
Komm und vergesse dein Hirschelein.
Cyparissus:
Dein Pfeil und Bogen nur behalt
Und in den Wald alleine geh,
Denn ich vergess es nimmermeh,
Und sterbe hier voll grosser Pein.
Will setzen zu dem Hirschlein mich,
Am heissen Mittag, wenn alles schweigt,
Will ruhen da,
Will sterben da,
In der Einsamkeit will ich sterben,
Meine Gedanken ganz traurig,
Will sterben bei dem Hirschelein.
Hier verliess Phöbus und Cypariss die Szene. Die Waldhörner spielten eine traurige Weise, und mehrere Stimmen sangen, ohne gesehen zu werden, folgendes Chor:
Da sass der Jüngling und weinte,
Der Gott konnte ihn nicht trösten,
Und mocht nicht, dass er leide.
Da macht er ihn aus Liebe
Zu einer Trauerweide.
Des Baumes Zweig' sich senken
Und scheinen still zu denken
Und leis herabzuweinen,
Cypressus er nun heisst.
Hier war das fest zu Ende, und alles schwieg still. Die Sonne hatte recht gut dekoriert. Im Anfange schien sie ganz heiss auf den Wasserfall und zog dann mit dem Gesange davon. Sie ging von der Seite des Phöbus, so dass Cypariss nach und nach ganz in den Schatten kam und auch der Saal viel düstrer ward.
Achtes Kapitel
Wir waren alle durch Flamettens Lied bewegt. Godwi allein äusserte nichts Bestimmtes. Es schien mir überhaupt, als habe er ein ganz eigenes Instrument im Busen, und seine Rührung sei sich stets gleich. Er hat sein Leben einer schönen Erinnerung hingegeben, und was ihn rührt, schlägt diese an, dennoch hat er ein gesundes originelles Urteil. Diese Originalität aber besteht aus einem einzigen grossen Eindruck in seinem Inneren, von dem er immer seinem Urteil einen Klang mitgiebt und es so stempelt. Unsere Äusserungen über das Lied Flamettens führten uns zu einem allgemeinen gespräche über das Romantische, und ich sagte:
"Alles, was zwischen unserm Auge und einem entfernten zu Sehenden als Mittler steht, uns den entfernten Gegenstand nähert, ihm aber zugleich etwas von dem Seinigen