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Beineso viel als möglich zierlich, der Ästetik halberund haben sie dies im Schatten beobachtet, so sind sie zum Bewusstsein der reinen Akte gekommen. Haben sie dieses alles einige Zeit getrieben, so bedenken sie, dass es nützlich sei, die äussere Welt an sich zu reissen, ihre physische Kraft zu befestigen. Dies geschieht nun, indem sie ihren Gesichtskreis, ihr Objekt auf alle Weise in sich herein bringen, das heisst, indem sie durch Hin- und Wiederspringen bald dieses, bald jenes Stück weges mit ihrem Schatten bedecken. Am Ende werden sie dann müde, sie setzen die Füsse nieder, ihr Schatten wird immer kleiner, denn die Sonne steigt, und steht ihnen bald grade über dem kopf. Es ist voller Mittag, und sehr heiss, sie haben nichts getan, nicht einmal Optik studiert. Um sich abzuspannen, trinken sie eiskaltes wasser in der Hitze, und werden krank, das heisst, verlieren die Bewusstlosigkeit ihrer Organisation, und sterben. An ihr Grab stellen sich einige Freunde, und berühren es so lange mit ihrem Schatten, oder vielmehr, stellen so lang reine Freundschaftsakte an, bis andre Freunde es ihnen ebenso machen.

Ich erinnerte mich dabei mehrerer Jünglinge, die ich gekannt hatte, auch eines Dichters, der zwar nicht zu den Schattenbeinichten gehörte, aber doch gute Freunde unter ihnen hatte, und mir nicht recht gut war, denn ich hasste stets allen Schatten-Bombast.

Während diesen wunderlichen Gedanken war ich weiter hinabgegangen, und erschrak nicht wenig, als ich plötzlich neben mir an der Bergwand folgende Worte ängstlich sprechen hörte:

"Nun kommt es, nun kommt es, ach es ist sicher ein wildes Tier, wenn ich nur erst geschossen hätte, – ein Tier, ein Tier!"

Ich war von jeher auch nicht sehr mutig, besonders fürchtete ich mich vor Feuergewehr in ungeschickten Händen, und sprang deswegen schnell beiseite, indem ich mit furchtsamem Patos ausrief:

"Wer Sie auch sind, der sich hier zu schiessen fürchtet, so fürchte ich mich, geschossen zu werden, und bin kein Tier, sondern ein Mensch." –

Hierdurch hatte ich meine und seine Furcht vor dem Schiessen aufgehoben, und ging nach der Stelle hin. Hinter dem Gebüsche fand ich eine kleine Nische in den Felsen eingehauen, und wer war darin? –

Niemand anders als der Dichter Haber, dessen ich soeben bei den Schattenphilosophen gedacht hatte

Er sah mich so gross an, als er klein war, und sprach dabei mit Verwunderung: "Ei, Maria, wo kommen Sie her?" –

"Ei, Haber, wie finde ich Sie hier," erwiderte ich, "Sie hätten mich ja beinahe totgeschossen" –

Er: Ich bitte sehr, – ehe ich schiesse, spreche ich immer das Wesen an, damit es, wenn es ein vernünftiger Mensch ist, antworten kann.

Ich: Sie können auf diese Weise noch die Tauben und Stummen totschiessen. Das Beste wäre das Ansehen.

Er: Ich bin von Herrn Godwi zur Jagd beredet worden, der gleich hier im Gebüsche auf dem Anstande steht. eigentlich wollte ich bloss hier einige Verse machen, konnte aber über dem Geräusche, dass Sie durch die dürren Blätter machten, meine Gedanken nicht sammeln, und noch etwas sehr Seltsames störte mich: vor einigen Minuten, als ich anfing zu schreiben, flog mir einigemal ein ungeheurer Schatten über das Papier, gestaltet wie ein ungeheurer Fuss.

Ich: Der grosse Fuss ist etwas wunderbar, besonders da Sie grade mit den Füssen der Verse beschäftigt waren, und ebensosehr wundert es mich, dass ich in dem Augenblicke, in dem Sie mich beinahe erschossen hätten, sehr lebhaft an Sie dachte.

Er: Gott weiss, es ist hier in dem ganzen Tale sehr schauerlich, und Ihre Gesellschaft ist mir recht angenehm.

Hier wendete ich mich gegen die kleine Flinte, die er zwischen den Ast eines Baumes gezwängt hatte, und noch immer auf mich zielte, um sie wegzunehmen. Er hatte vermittelst seines Strumpfbandes und Schnupftuches, die aneinander und den Drücker der Flinte geknüpft waren, sich eine künstliche Maschine verfertigt, um bei dem Schusse weit vom Feuer zu sein; ich nahm die Flinte weg, und schoss sie in die Luft, worüber er etwas erschrak.

Auf den Schuss kam Godwi herbei; er glaubte, Haber habe etwas geschossen, und wollte ihm Glück wünschen.

Haber erzählte den ganzen Hergang, Godwi lächelte, und fragte, wer ich sei. Der Dichter stellte mich vor, und ich bat ihn um die Erlaubnis, Violettens Denkmal zu sehen.

Er ward etwas ernster bei meiner Bitte, und sagte mir, nachdem er mich mit den Augen gemessen hatte:

"Sie können es sehen, aber nicht eher als morgen früh, denn es ist niemand zu haus, wir sind alle auf der Jagd. Harren Sie also, bis wir heute abend heimziehen, Sie können die Nacht bei mir zubringen. Bedürfen Sie irgend einer Erquickung, so lassen Sie sie sich im Jägerhause reichen, und wenn Sie gerne schiessen, so lassen Sie sich eine Flinte geben."

Ich dankte ihm, und nahm alles gerne an.

Hier wendete er sich zu Haber, bat diesen, mich hinab ins Jägerhaus zu führen, und verliess uns. Haber hängte seine Flinte mit einem lustigen Stolze und etwas lächerlichen Vorsicht um, da sie abgeschossen war, und trabte stillschweigend an meiner Seite tiefer ins Tal hinab.

Dies war