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Dichter oder ein Philosoph werden sollte, in das Brausen einer Staatenumwälzung, und mache, dass er, seine Oberfläche nach aussen, alle Zerstörungen derselben auffangen muss, gieb ihm dabei keinen festen Punkt, weil er das in sich nicht entwickelt und zur Stütze gemacht hat, was ihn halten kann; gieb ihm dabei Glut, Liebe, Feuer, gieb ihm Ehrgeiz, sich aufrecht zu halten, lass das Ganze los, dass die innre Wildheit ihn treibe und die Wellen der kämpfenden Aussenwelt über ihm zusammenschlagenund du wirst in der Erscheinung sein Leben sehen.

Alles das, durch Dauer und Dauerhaftigkeit zur Gewohnheit, zur natur gewordenhier ist A. Es ist angenehm, mit ihm zu leben, er ist treuherzig, wenn es sein Witz erlaubt, vergnügt, immer voll Hoffnung, und ewig derselbe; wird nicht aufgerieben werden, er wird einst zerbrechen, das ist die Art seines Untergangs.

Nun bin ich ruhig, und will, da du dir nun alle Glieder des Bureau d'esprit denken kannst, den Ort der Versammlung, insofern er ein Produkt der Brünette ist, beschreiben.

Die äusserst einfache, doch krause, harmonische, doch bunte Meublierung der stube zeigt gleich, dass hier ein Weib haust, das die Welt und ihren Inhalt in sich hält, und das nichts in seine liebenswürdige Caprice, sondern seine liebenswürdige Caprice in alles trägt.

Sie herrscht hier, ohne es scheinen zu wollen, aber alles, was man hier mit geistigen Fühlhörnern und den Händen berühren kann, ist so von ihrem Sinne übergossen, so von ihr ausgegangen, dass man an keinem Orte der Welt auf eine angenehmere Weise seinen Willen nicht hat.

Sie ist ein vollkommnes Wesen, das in allen saiten, die über die Tonweite ihres resonannten Daseins gespannt sind, ewig erklingt, und wo sie ist, ist sie auch so in das ganze Irgendwosein verwebt, dass sie in allen Punkten des Irgendwos wiedertönt.

Was sie beherrscht, und was sie umgiebt, ist die Variation ihres eignen Temas, doch leider schon mehr Gesellschaftslied als göttliches Gedicht.

Und wenn ich sie auf ihre Möglichkeit, die unmöglich geworden ist, nicht zurückgeführt, gerade wie sie ist, auf Noten setzen könnte, so müsste sie selbst mit ihrer sehr künstlichen Resignation das ganze Bild, auf ihrem kleinen Klaviere, mit ihren kleinen Fingern spielen, mit ihrer feinen stimme singen, damit es nicht allerliebst langweilig klänge.

Denn wäre in dieser kleinen irdischen Hütte nicht ein einziges, schön gewölbtes Fenster (sie hat nur ein Auge), auf das von aussen die Sonne der Welt blitzte, und durch das von innen die andächtigste, zarteste Seele einer Sakontala die Augen gegen den Himmel höbe, so könnte man bei den vielen Manieren und der Eleganz die ganze Erscheinung leicht für so leicht als eine erhabene Gartenverzierungsidee halten.

Lebe wohl! morgen kommt Joduno.

Römer

Römer an Godwi

Ich eile, wir gehen alle in die Kirche, ich auch, in die katolische Kirche.

Es ist Allerseelentag, dieses fest ist das fest aller Seelen; auf jeder Gruft brennen so viele Wachsfakkeln, als sie geliebter Freunde Körper umfasst. Die Lichter brannten so heilig, als wollten sie die Seelen vorstellen.

Alle die Kinder des Hauses gehen nach dem grab der Mutter, heute gleichen sie sich alle, sind alle stille Trauer und Nachdenken, und guter Vorsatz.

Die Brünette kniete so heilig, so gerührt am grab ihrer Mutter, sie betete und ward ohnmächtig, man brachte sie nach haus, hier finden wir Joduno und den undeutlichen Bruder. Alles ist voll Freude. Die Brünette sagt, es sei ihr gewesen, als wenn es sie leise in die Gruft hinabzöge.

O Godwi, wo ist deine Mutter! die Schmerzen des steinernen Bildes fielen mir ein; wo ist meine Mutter!

Römer

In dem Bureau d'esprit hängt das Bild der Mutter Sophiens, in einer gelinden, zarten Zeichnung, die Geschwister gleichen ihr alle, jedes hat seinen schönen Zug, und den findest du gewiss in dem Bilde ihrer Mutter wieder.

Ende des ersten Teils

Zweiter Band

Herausgegeben von den Freunden des Verstorbenen, mit Nachrichten, von seinem Leben, seinen arbeiten

und seinem tod

An B.

unabhängige Dedikazion

Es ist unstreitig ein reiner Entusiasmus in mir, denn jeder heller froher Anklang von aussen öffnet alle Schleusen meiner Seele, das Leben dringt dann von allen Seiten wohltuend in raschen Strömen auf mich ein, und meine Äusserung ergiesst sich ihm in gleicher Freude. Ich fühle dann keinen Druck, keine Gewalt, weder eine Erniedrigung, noch eine Überlegenheit. Ach! in solchen Momenten habe ich nur eine Reflexion, sie ist Segen, den ich über mein Dasein ausspreche, und ich fühle dann Egmonts Gebet durch alle meine Adern strömen, ich lebe dann die Worte:

So ist es mir, wenn sich ein frohes Gemüt, dem die ausübende Kunst das Höchste zur lebendigen Kraft, zum bewusstlosen Innewohnen geschaffen hat, rein und mit klopfenden warmen Pulsen um mich bewegt, und in leichten Spielen ohne Studium ein Leben vor mir entfaltet, dem das Abstrakte durch eine glückliche Beugung der Formen zum lebendigen Elemente ward. Die Minuten, in denen ich mich in ihr verloren fühle, unter den Strahlen seiner gesunden Freude leichter atme, die Minuten, in denen ich vergesse, dass seine Schönheit auch der Mühe errungenes Kind ist, sind die einzigen, die ich vertraulich mit dem Leben umgehe und nicht ein unwillkürlicher Kummer auf meiner Seele liegt. Ich verzweifle dann