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so bequem, wie er dalag, hatte er weiter keinen Drang, als sich gelinde zu erheben, und hat es bis zum stumpfen Winkel in die Höhe gebracht. Er hat so viel genossen, dass er nicht mehr viel geniessen kann, und schon so viele Genossen gehabt, dass er keinen Freund mehr haben kann. Da ihn nun alles langweilt, fängt er an, seinen Verstand zu gebrauchen, aber untersteht sich, nach seiner Aisance, die nun anfängt wirkliche Mattigkeit zu werden, nichts zu tun, als nach den Zipfeln der schönen Wissenschaften, geistreichen Umgangs und der Wohltätigkeit zu greifen, die ins gemeine Leben herabhängen. Er fasst nie mehr als einen Zipfel, und nie begreift er den Gipfel.

(Hörst du, ich werde poetisch, ich habe à contrecœur einen Reim gemacht.)

Seine einzige Erhebung ist also nichts als folgendes

Er legte sich zu Bette aus Wollust, wälzte sich drin herum aus Veränderung, blieb liegen aus Mattigkeit, und kann nun nicht wieder aufstehen, – aber über dem Bette des bürgerlichen Lebens hängt der Himmel der Kunst, und in jedem guten Himmelbette hängt ein Bettzopf herunter, an dem man sich in die Höhe ziehen kannnun fasst er also diesen Bettzopf, diesen Zipfel des künstlichen himmels, um sich in die Höhe zu bringen, und fällt wieder in die Kissen hinein. Wenn er so ein wenig in die Höhe ist, regen sich alle erdrückte Möglichkeiten in ihm, und er hat, solange er sich oben erhalten kann, einige gute Gedanken, Wünsche und eilfertige Taten, aber pumps fällt er wieder nieder.

Die Menschen sind zum Aufrechtstehen, zum Herumgehen gemacht, und so auch liegt ihnen das Herz im leib; wenn sie sich aber ins Bette legen, um immer drinnen zu liegen, kann nichts in ihnen handeln, sondern alles wird zur Verdauung, es werden keine Weltmenschen, sondern Bettmenschen draus.

Sein Inneres ist auf vielfache Weise verschoben, und sein Äusseres gelinde aufgeschwemmt.

Könnte dieser Mann nicht durch die Liebe geheilt werden? Ja, wenn er die Liebe nicht meistens mit in sein Bett nähme; er müsste sich in Bettzöpfen ruiniert haben, so viele heruntergerissen haben, dass er sich keinen mehr kaufen könnte; dann müsste man ihm eine Liebe recht hoch von einem andern Himmel herabhängen, und weit von seinem Lager, weil, wäre sie ihm bei seiner Gewandteit erreichlich nah, so würde er sich mit Gewalt herauslehnen, den Bettzopf ergreifen und durch sein Übergewicht abreissen. Ist das Band, an dem er sich hinaufziehen kann, aber weit von ihm, und recht hoch, so wird er sich entschliessen, herauszusteigen, wird sich wieder ans Gehen gewöhnen, und endlich, um die Geliebte zu erreichen, sogar springen lernen.

Alles das könnte als eine Allegorie seiner Lage in einem Feenmärchen recht schön erzählt werden, am Ende würde dann die Fee, die ihn beschützt, aus dem Bettzopf eine herrliche Prinzessin machen, das Bett würde zu Asche zerfallen, der Bettimmel mit seinen seidnen Wolken zum Himmel werden, der über ihm strahlte, und er würde sicher bei seinem geist, seiner Leichtigkeit und seiner Übung ein achtungswerter, liebenswürdiger Mann sein.

Du weisst, dass ich in meinen Erzählungen immer den Menschen und den Bürger trenne; ich sprach hier nur vom Menschen, insofern er sich von der Basis erhebt: als Basis ist er Bürger und, feststehend, solid und durch seine grosse Fläche tätig, ist er als solcher ein rechter Quaderstein seines Standes, ein achtungswerter, geschickter, fleissiger Bürger

Wenn er wüsste, lieber Godwi, dass ich dir dies schrieb, und könnte es wahr fühlen, und könnte begreifen, wie ich ihn bei allem dem mehr als irgend einen seines Standes liebe, die meistens ganz auf dem Ohr liegen; wenn er begreifen könnte, wie ich ihn mit Rührung und herzlichen Wünschen den Bettzopf mit seiner sehnsucht in die Höhe ergreifen sehe; wenn er wüsste, wie sehr ich den Menschen und den Talern böse bin, dass sie ihn so zurichteten, und könnte darüber traurig werden und keinen Groll hegen: so wäre noch Hoffnung für ihn, und ich wollte dem Himmel danken. A war so tätig, so geschäftig, dass er nie was getan hat; bei seinem übergrossen Drang aber ist er mit der ganzen Fläche nach aussen auf sein Schicksal losgegangen, und sein Schicksal war tausendschneidig und tausendfach, das siehst du an seiner Fläche, die er nach aussen kehrt.

Er ist nicht leise von der Seite und offensiv seinem Leben entgegengegangen, sondern die Augen zu, durch einen Hagel von Widerwärtigkeiten, tappte er blindlings nach dem, was er erreichen wollte, und hatte es nur in sich; denn indem sein Höchstes in ihm pochte und rief: "Ergreife mich, bilde mich, stelle mich ins Leben", und seine Aufmerksamkeit durch das ewige Balancieren, indem er, auf seinem stumpfen Winkel stehend, nie Ruhe hat, sondern von einer Seite zur andern fällt, geteilt, diese stimme nicht verstand: so fühlte er sein Innres nicht als Ruf, sondern bloss als Stoss, Reiz, sehnsucht, und tappte nimmer findend vorwärts.

Er hat daher alle Spuren des Lebensstreites auf seinem Äussern, sein Körper ist ein vernarbter derber Krieger, aber seine Muskeln sind durch dasselbe abgehärtet. Er ist kein zerstörter, nur ein markierter Mensch; er ist nicht gebildet, nur geübt; er ist kein geschickter, nur ein abgehärteter Mensch.

Stosse einen Menschen, der ein