gewöhnlich gleich nach dem Heiligtume, dem Kabinette zu – aber eine Menge hände fahren mir entgegen, halten mich auf – "pst – pst – still – sie ist krank – sie hat ein Nervenfieber." –
Das ganze Vorzimmer rauscht von Teilnahme seufzende neue Stiefeln und rauschende seidne Kleider bezeugen ihre Teilnahme, und eigentlich nehmen diese Leute nur auf zwei Arten teil, erstens, indem sie noch teil an dem bisschen gesunder Luft der Kranken nehmen, und zweitens, indem in ihnen alle ihr teil genommen wird, denn seitdem die erste erregende Potenz, die Brünette, krank ist, und zwar (wie der Arzt sagt) astenisch, hat sie alle die höchste Stenie überfallen, sie sind alle fade, man hört keinen guten Gedanken, alle ihre wunderlichen Frisuren sind nur wunderliche Frisuren, und hören auf, Arten von Verstand zu sein.
Ich ärgerte mich über die zwei ausserordentlichen Mitglieder, weil der eine mit einer ungeheuren Prätension von Teilnahme der armen Sophie dicht vor das Lager gerückt ist, und ihr mit Gewalt jedes gesunde Wort, das sich ihr entwindet, dicht vor den Lippen wegfängt, es mit Ungeschicklichkeit in seiner zerstreuen wollenden Unterredung auffängt und ihr verwickelt wie ein Rätsel zurückgiebt. Er weiss nicht, dass dies Mädchen auch in der Krankheit über seine kranke Gesundheit Meister ist, und mit einer geteilten Mühe ihm halb aus Guterzigkeit seine Arbeit an ihrer Zerstreuung mühselig zu erleichtern sucht, und aus der frohen, natürlichen Wildheit ihres Geistes, die in diesem Augenblicke etwas mit Überreiz kämpft, wieder hingerissen wird, ihn zu verwirren. So versetzt er das arme geschöpf in die schädlichste Arbeit und kann, indem er mit dem Unglauben an die Lage der Sache durch seine Eigenliebe und seine Höflichkeit zu kämpfen veranlasst wird, nicht einsehen, dass er ihr schädlich ist, so wie sie aus dem ewig fatalen, und auf dem Krankenbette fatalen Motive, das die Franzosen Egard nennen, verhindert wird, ihn fortzuschicken.
Ich setze mich in der Vorstube schweigend auf den Fussteppich, höre unwillkürlich diese erbärmliche Konversation, denn ein Gespräch war es nicht, an, und lasse meine Blicke in der stube herumschweifen.
Auf diese Weise tätig, erlitt ich, ohne zu wissen wie, die Handlung des zweiten ausserordentlichen Mitglieds, durch die ich auch geärgert wurde.
Der Mann sass da und schnitt meine Silhouette mit der grössten Gleichgültigkeit aus, und trifft meine Seele so wenig, dass er die herunterhängende Schlafmütze, die er dran geschnitten hat, ganz allein schnitt, weil er behauptet, ich hätte geschlafen; ja, denke dir, ich bin versichert, dass er meinen Schattenriss allein schnitt um der Schlafmütze willen, dass er mich an eine Schlafmütze hängen wollte.
Über die übelverstandne Schlafmütze bös, weil ich in demselben Augenblicke sehr traurig über die Konversation des ersten Mitglieds war und drauf studierte, wie ich ihn hinausspedieren wollte, beschwerte ich mich; er wollte sich entschuldigen und sagte:
"Ihr Profil ist so schön."
"Deswegen sollten Sie es nicht in den Schatten stellen", erwiderte ich.
"O schneiden Sie mir darum kein Gesicht", fuhr er fort.
"O hätten Sie darum mein Gesicht nur ungeschnitten gelassen" – setzte ich hinzu. –
Meine Antwort erregte lachen, die Kranke ward aufmerksam und wollte das Ganze hören, und den Schattenriss sehen, und ich zog mich traurig zurück, dass ich, indem ich mehr Ruhe um sie zu bringen suchte, die Unruhe selbst veranlasste.
So bin ich nun auf meiner stube über beide geärgert, und kann sie dir beide beschreiben. –
Diese zwei Männer, die sich weder von aussen noch innen gleichen, die weder in ihren Gesinnungen noch in ihrer Äusserung die mindeste Ähnlichkeit haben, können von einem Gesichtspunkte angesehen werden, dass sie das Produkt der nämlichen Ursache auf umgekehrten Wegen sind. Zusammengeschoben machen sie ein verschobenes Viereck, und einzeln sind sie gleiche Dreiecke mit zwei spitzen und einem stumpfen Winkel, sie stehen, wie Figura zeigt: Der erste hat den stumpfen Winkel nach oben, der andre nach unten gewandt, und keiner einen rechten in sich.
Des ersten Erscheinung wird sich leicht in dich drücken, ohne einzudringen noch zu bleiben, und des zweiten Erscheinung sich scharf, bleibend und schmerzlich eindrängen.
An keinen von beiden kannst du etwas erbauen, dass es zugleich fest und gerade stehe. Gegen den ersten kann sich dein Wesen höchstens schlafend anlehnen, und an den zweiten kannst du höchstens etwas hängen.
Der erste, der die gerade Linie zur Basis hat, steht Basis hat, schwankt entweder von einer Seite zur andern, indem er das Gleichgewicht sucht, oder steht auf dem stumpfen Winkel fest, indem er etwas unterschiebt, oder lehnt sich auf die linke oder rechte Seite, doch muss er dir ewig den spitzen Winkel entgegenhalten.
Das wäre das Allgemeinste, was man von ihnen sagen kann; nun will ich etwas in das Einzelne gehen.
Es gibt Menschen, die so geschäftig oder träge im Leben waren, dass sie nichts Eigentliches getan haben, noch irgend tun können, indem immer eine Handlung die andre durchkreuzte, oder jedes Aufnehmen in sich das andere verlöschte. Das ist mit beiden der Fall.
Ich will den mit dem stumpfen Winkel oben B nennen, und den entgegengesetzten A.
B ist, der in der Trägheit lebte, ein Mensch der nie etwas getan hat, nie um etwas gekämpft, er sitzt auf seiner breiten Basis recht kommode, oder er ward vielmehr von Jugend an drauf gesetzt;