oder die Gewandteit nicht hat, nur das Einzelne zurückzuhalten.
Er ist durch diese ewig in ihm gespannte Feder verschlossen, ohne es zu wissen, und freundlich mit Ängstlichkeit.
Oft schweigt er wochenlang, und bald ist er die Macht der Unterhaltung; die Weiber schätzen ihn, und wagen es nicht, ihn zu lieben, weil er sie liebt, und es nicht wagt, sie zu schätzen.
Alles ausser seinen Gesichtspunkten nennt er Schwärmerei, und ihm sieht sie aus den Augen, denn sein Stand hält ihn nur gefangen, weil er in ihm aus Schwärmerei seine Freiheit hingegeben hat.
Ein innrer Kummer über alles das drückt sein Herz, und äussre Umstände, denen er huldigt, fesseln seinen Geist. Er ist ein trauriger Beweis, wie der Stand einen Menschen verbildet, und der Mensch in seinem stand unterjocht ist.
Aus einer freigebigen, schönen, edlen, freien, herrschsüchtigen Seele ist – ein Kaufmann geworden – ist das einzige, was ihn ganz charakterisiert.
Er bekümmert sich wenig um mich, weil er dadurch um sich selbst bekümmert werden könnte, und sucht nur Menschen, die ihn in seiner Sphäre erhalten können, die er als Bürger mit Ehre erfüllt, und es ist traurig zu sehen, wie er aus Ehrgeiz mit Menschen umgeht, die seiner nicht wert sind, die ihn, indem er sie nur als Mittel gebraucht, wieder als Mittel gebrauchen, freilich nicht zum Mittel einer edlen Entsagung, wozu er sie gebraucht, sondern zum Gegenteil. – Du würdest ihm ein Schrecken sein. – Er schämt sich fast jeder Rührung aus dem missverstandnen Worte: "Sei ein Mann", er, der zu nichts Anlage hat als zu dem süssen Namen, in dem Schosse eines schönen, liebenden Weibes: "O du lieber, schöner Junge". Er schämt sich fast jeder Rührung, und wenn er für sich allein in seiner stube Guitarre spielt, so hebt ihn sein eigner Gesang eines einfachen Liedes in die Höhe, er wendet die Blicke phantastisch zum Himmel, und hebet den Kopf zärtlich, und schwärmt sich auf seiner runden, vollen stimme, Gott weiss, in welche Umarmung eines andern höhern Lebens, einer Liebe, oder einer Kunst.
Er liebt seine Pflicht zu sehr, und seine gerechte Forderung zu wenig, und wird einst sehr unglücklich sein, wenn er nicht ein Weib bekömmt, in deren Genuss, in deren Genialität selbst das Band der Ehe lüftig, leicht und schön wird. – Das wäre so ziemlich das Häufchen, das mich umzingelt, und schon so gefesselt hat, dass ich nicht weiss, wie ich wieder nach haus kommen soll.
Ausser allen diesen Menschen existieren noch zwei auswärtige Mitglieder des Bureau d'esprit, die sehr aktiv sind, und die ich gelegentlich schildern werde, wenn sie mich ein wenig geärgert haben, weil er schwer ist, sie gern zu schildern, wie sie sind, ohne dass man etwas böse auf sie sei.
Zu dieser gelegenheit komme ich sicher leicht, denn ich darf den einen nur einmal recht betrachten und erkennen, und den andern einmal recht obenhin ansehen, so habe ich mich gewiss über beide geärgert.
Lebe wohl. Ist heute abend keine Sitzung, so gehe ich ins Teater, die herrliche Sängerin zu hören. Der Undeutliche ist so von ihr entzückt, dass sie durch alle seine Vorurteile über Schauspieler eine Lücke, eine Ausnahme gesungen hat. Ich gehe allein hin, um zu hören, ob sie besser, rührender singt als die – Türkin in B. – Dein
Römer
Römer an Godwi
Tröste dich, mein Lieber, du wirst nicht in die Verlegenheit kommen, das Herz eines treuen, zarten Mädchens zu kränken.
Joduno von Eichenwehen wird nicht zu Tilien kommen. Sie kommt hierher zu der Brünette, zu Sophien. Es hat mich ihr Brief, den ich lesen durfte, weil man nicht weiss, dass ich dich und sie durch dich kenne, tief gerührt.
Das arme Mädchen, ja sie liebt dich, und schwankt in ihrem Briefe schüchtern hin und her, ob sie zu ihrer Freundin oder dir soll; am Ende besiegt sie die schwere Wahl, und will scheinen, nur ihre Freundin geneckt zu haben mit dem Nichtkommen.
Ihr Entscheiden, hierher zu kommen, hat mich erfreut für dich, und mir ist es wunderbar bang darum geworden, ihr Brief schon hat mich seltsam berührt.
Es ist seltsam, wie mir das Schicksal deine verlassenen Schmetterlingshüllen in den Weg führt.
Vielleicht werde ich bei ihr die Engländerin vergessen, wie du, die Engländerin vergessen, die mich oft zum Träumer macht. Sie übt eine wunderbare geheime Gewalt über mich aus, die mich drückt, und von der ich mich um keinen Preis loskaufen möchte. Ich fürchte mich daher vor Joduno.
Du weisst, dass ich mit meiner planen, ehrbaren Erziehung, in meinem äusserst verständlichen Kaufmannsstande, gar nichts Geheimnisvolles habe, als dass ich nicht weiss, wessen Kind ich bin, und dass ich nichts verberge als den Einkaufspreis. Nun quält mich das Mystische in der Engländerin Betragen unendlich, die sich wie ein unbekannter tätiger Genius in unsre beiderseitige Existenz hineingefunden hat.
Das Wunderbarste ist, dass sie zu uns beiden eine Art von Liebe hinzog, und sie plötzlich abbrach, als habe sie nur so lange geliebt, bis sie ein Zeichen in uns erkannte, dass sie es nicht darf. Doch ich hoffe auf den Brief, den du von ihr erhieltst, er muss alles erklären. Verliere