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könnte. –

Es lässt sich gut von ihr und mit ihr sprechen, sie tötet keinen Begriff, fasst jeden mit Liebe, und gibt ihm einen zarten Gesellschafter, sie macht das Gespräch glücklich.

Die Brünette, die ich schon in meinem zweiten Briefe anführte, ist mir gefährlich. Sie lässt fast jede Unterhaltung eines erhabenen Todes sterben, und spielt das Schicksal dabei; doch blüht auf ihren wohltätigen Wink gleich ein ganzer Frühling von Blumen um den Rosmarin eines solchen Grabes, und jeder solcher Hügel wird durch sie ein Berg, von dem du eine fröhliche Weinlese und Ernte übersiehst.

Die ganze gegenwärtige Gesellschaft fällt dann über die Kränze her, und das Gespräch winkt in einzelnen Blumen von Busen, Locken, Lippen und Blumenkrügen dir entgegen; sie selbst aber nahm einen kleinen Rosmarinzweig und hält ihn aufmerksam vor ihr einziges grosses Auge, und zieht eine Linie in die Ewigkeit. –

Die Blonde möchte es auch gerne so machen, aber sie kommt nicht dazu; es liegt in ihr zu viel Begierde und Gebärde, so dass fast jede Begierde eine Gebärde, und jede Gebärde eine Begierde wird. Sie ist zu mimisch, um mehr als sich und andere nachzumachen, und verliert in jeder Heftigkeit des Vorsatzes die Kraft zur Handlung. Wenn sie witzig sein will, so ist schon in dem Pfeil, den sie abschiesst, mehr Drang, als in der Senne des Bogens; ist der Pfeil angekommen, so kann er nicht mehr verwunden, weil die Spitze sich gierig in sich selbst umgebogen hat. – Sie kann keinen langen Ton singen, ohne dass er in einen Triller fällt, und will sie einen Gedanken geradeaus in die Höhe oder Tiefe schicken, so wird das Ende kraus, und kehrt in sich selbst zurück; sie wird nie etwas erhalten, wenn nicht einer in die selbsttätigen Schlingen fällt, oder sie sich nicht selbst umarmt.

Aber da sitzt noch so eine Rabenschwarze in dem Winkelchen, es dämmert schon in der stube, und ich hätte sie übersehen, mit ihren Locken der Nacht, wenn ihre schönen Augen nicht leuchteten und milde, schöne Blicke aus ihnen stiegen, wie Strahlen zweier einsamen Sterne am Himmel. Kannst du dir ein Mädchen denken, mit allen Zeichen der Glut, die sanft und stille ist, ein schöner Busen so sittlich verhüllt, dass sich jeder umsonst bemühen wird, irgend den Zwiespalt – – in ihrer Brust zu erkennen?

O du freundliche begehrende Zufriedenheit, du wohltätige getrennte Einigkeit, du Streit im Frieden, warum sprichst du nicht? –

Ich höre.

Nein, du bist zum Sehen gemacht.

Sehen Sie mich so gerne?

Nein, du bist zum Sehen und nicht zum hören gemacht, meinte ich

Ich höre und sehedoch, warum sagen Sie das, das versteht sich von selbst.

Du bist zum Sehen gemacht, weil du so viel mit deinen grossen Augen sprichst, und nicht zum hören, weil du so wenig mit deinen kleinen Lippen sprichst; du bist zum Sehen gemacht, weil du so grosse Augen hast, und nicht zum hören, weil du so kleine Ohren hast; ei, wie klein sind deine Ohren

Drum sollten Sie ihnen nicht zumuten, so gross Lob zu hören. –

Ich schweige, denn, lieber Freund, ihr Busen ist leicht zu erregendes Meer, und es würde sie schamrot machen, wenn sie bemerkte, dass man in solchen Stürmen so leicht den Zwiespalt – – in ihrer Brust sieht.

O weh, es ist Abend, ganz dunkel, es ist eine Fledermaus in der stube. Ach je, es ist mir eine Fledermaus was Schreckliches; keine Maus, kein Vogel, gar nichts, o ich bitte, verschonen Sie mich, das ist mir verhasst bis in den Tod; von nichts als von der Unsterblichkeit der Seele sprechen Sie, und alles wird unsterblich, und so langweilig, dass man die Unsterblichkeit zum Guckguck wünscht, wenn Sie immer während der langen Zeit einem die Zeit lang machen, und die Fledermaus fliegt mir immer um den Kopf, sehen Sie, gerade wie die Fledermaus ist Ihre Unsterblichkeit, sie kriecht nicht, wie andre honette Mäuse, sie fliegt nicht, wie andre honette Vögel. Gott sei Dank, nun ist sie fort, die Fledermaus; nun die Unsterblichkeit? – sie ist auch fort.

Alle Lichter sind abgelaufen in der stube von dem Flattern der Fledermaus. –

Die Brünette: Wie sind Sie doch so menschenfeindlich.

Ich: O, ich halte alles, was ich hasse, nicht für Menschen. Zum Beispiel, solche Leute halte ich für Fledermäuse. Weiter ist mir in Tod verhasst Zwieback, wie Sie ihn gewöhnlich hier beim Teetrinken essen; er gleicht gewissen Leuten, deren Witz nie reif wird, obschon er zweimal gebacken ist, und die immer beide Backen voll nehmen, nichts zu sagen.

Die Blonde: Und weiter

Ich: Und weiter ist mir verhasst eine Art von Zeug, Damis genannt; er hat einen verdammten Glanz, schreit alles an, ist äusserst spröde, reisst leicht, und am Ende ist gar nichts dahinter.

Die Ernste: Und weiter

Ich: Und weiter ist mir verhasst: Wandle auf – (Rosen) und (Vergissmeinnicht); das ist eine dumme Sentimentalität, die einen an allen vier Ecken der Welt einholt, ein Gedanke, ja, fast so abgeschmackt, wie die Anekdote der Herren von Viereck, die hinter einander ins Tor ritten;