was du sprichst; einst wünschtest du, ich möge selbstständig sein, und da haben wir es, ihr Leute könnt nie etwas ganz sein, ihr könnt in nichts die Vollendung; da ich nun selbstständig bin, versteht ihr mich nicht mehr, weil ihr mit eurer Selbstständigkeit nicht die Selbstverständigkeit verbindet. – Du hast damals gemeint, ich sollte standselbstig sein, und auch das bin ich so, wie ich bin, denn ich bin mein Stand selbst, weil das Ich selbst allein mein Stand ist, und ich nicht im stand bin, in irgend einem andern stand zu sein. Ihr aber seid nicht in eurem stand, noch auf eurem Standpunkte, sondern euer Stand ist in euch, und euer Standpunkt auf euch, so dass ihr übel steht, und euer Stand gut, denn er lässt euch keinen Platz in Herz und Kopf, und hat euch unter den Füssen. Was die Extravaganz angeht, hast du dich auch verschrieben, – o wäre ich ein wenig extravagant, so wäre ich nicht allein intravagant, so ging ich nicht in mir selbst herum und räumte ängstlich auf. Ihr seid extravagant, denn ihr seid aus euch heraus, in die Kaufmannschaft geschweift, und eure Seelen klettern wie Affen auf Kaffeebäumen herum." etc.
Nun, bist du böse? Nicht wahr, der Mensch hat recht? –
Lebe wohl, ich muss ins Bureau d'Esprit der Mademoisell Buttlar. Je, was ist das für ein Bureau? Nicht viel Kluges, mehr Witziges, keine zwei jungen Pappeln, keine Tilie. Nächstens lernst du die Menschen kennen.
Römer
Römer an Godwi
Ich habe dir versprochen, die Leute zu malen, mit denen ich umgehe; ich will es, aber es ist schwer. Sie sind alle äusserst verschieden, haben alle einen einzigen auffallenden Zug von Ähnlichkeit, sind alle sehr originell, und doch alle abgeschliffen.
Ich möchte die Familie einem Bilde in Mosaik vergleichen, lauter verschiedne Steine, alle glatt auf einer Seite geschliffen, mit vielem Lapislazuli drinne, bringen ein kunstreiches, kuriöses, doch nicht ganz geschmackvolles Ganze heraus. –
Vor allem gehe mit mir zu den Weibern. Sie sprechen immer in Rätseln; du hast es nicht erraten, oder so künstlich erraten, dass du wieder ein Rätsel gemacht hast. Dich ein wenig brüstend, bringst du die Auflösung vor, mehrere fallen über den neuen Knoten her, die Brünette sieht dich dabei an, als wäre es deine Schuldigkeit, einem so geistreichen Mädchen die Sache ein wenig leichter zu machen; die Blonde löst und löst, und fällt darüber in eine italienische Arie, die sie auch sogleich am Klaviere singt; die Brünette singt mit, und dein Rätsel? – du wendest dich gegen eine Ernste hin, die in einem Winkel sitzt und strickt, sie sieht dich mit einem strafenden Blicke an, als hätte sie einen unrechten Gedanken in deiner Seele gelesen. –
Du senkst aus höflichem Bewusstsein deiner Schuld (die du eigentlich gar nicht kennst), deinen blick von ihrem Auge herab, und verlierst dich in ihren gar nicht ernsten, sehr naiven Busen.
Du fühlst nun, dass der strafende, ernste blick prophetisch und a priori war, auf ihrem sanften lächelnden mund aber vergassest du das Beste, es hing ein Ablasszettel auf ihren Lippen, den solltest du mitnehmen, die Sünde am Busen hineinwickeln, und so das Fleisch am Fasttage verschlucken – Nun, wo ist dein Rätsel? Nun – unterstehe dich nicht, es wieder aufzuwärmen, das wäre ungezogen; und hast du nicht genug dafür erhalten?
So geht es hier mit allem, man fängt alles an, aber jedes Bild verliert sich in Schnörkel, und wahrlich, diese Weiber haben alle etwas vom Sirenenwesen, das sich in einen Fischschwanz auflöst.
Il faut dorer la pillule, sagt ein witziger Kopf von dem Goldnen Kopf, der das Schild des Hauses ist.
Jede Münze gilt hier, auf der ein Kopf steht, und heller (Kopf) ist hier soviel wert als alle Pfennige des Römischen Reichs.
Unter allem diesem Leben und bunten Durcheinanderwühlen wandelt ein schlankes, sanftes, weisses Bild herum, dessen Geist richtig und ruhig, aber wenig sieht; dessen Herz wahr, tief, aber kalt fühlt. Sie erscheint unter den andern, und es ist, als sage sie: "Ich bin euch allen gut." –
Sie geht, und es ist, als sage sie: "Mit euch ist es nicht auszuhalten." –
Sie kommt mit dem Herzen, ihr Geist, der richtig und ruhig sieht, sieht, dass man es nicht aushalten kann; aber, weil er wenig sieht, sieht er nicht, dass man es wohl aushalten kann, wenn man sie einhalten kann.
Von den Stürmen der andern verschlagen, lege ich mich oft vor dieser friedlichen, ruhigen Insel vor Anker, und der kleine Anker von Jaspis, der an ihrem Halse hängt, mit seinen sanft wogenden, tiefen, stillen Gründen, hat sich oft so mit meinen Tauen verstrickt, dass ich kappen musste, um wegzukommen.
In solchen Verlegenheiten kam mir oft unvermutet ein Gedanke so originell, einsam und wunderbar frei, wie ein Robinson aus der stillen Insel, entgegen, und half mir grossmütig selbst fortkommen.
Ein Hauptzug in ihrem Charakter ist, dass sie sich nie mit andern Weibern geheime Bagatellen in die Ohren flüstert; sie ist offen und geheim im Ganzen, so dass man nur eins von beiden von ihr sagen