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ich ihn selbst mit seinem Bilde vergleichen kann, das fest, unauslöschlich in meinem Herzen steht.

Wenn Sie können, ohne ihm weh zu tun, so suchen Sie doch einiges von dem wahren Schicksale seines Weibes zu erfahren, damit ich Julien etwas über ihre Tochter sagen kann.

Leben Sie wohl, antworten Sie bald, denken Sie, dass Sie das Glück zweier Menschen dadurch vermehren, die so lange unglücklich waren, und deren besseres Geschick Ihr erster Brief begründete.

Römer an Godwi

Ich habe eine ganze Reihe von Briefen von dir, und wenn ich sie beantworten wollte, was könnte ich sagen? Können wir beide uns etwas sagen? da keiner feststeht, da ein jeder getrieben wird.

Wir können höchstens einer dem andern das Eigne zeigen und vertauschen; aber uns erfüllen können wir nicht, ich kann dir nicht geben, was dir fehlt, und du mir nicht, denn der Streit ist mit einem jeden losgebrochen, und jeder hat nur mit dem Seinigen zu tun.

Unsre Seelen treibt eine seltsame Laune des Geschicks; wohl uns, dass ein Punkt in unsern Herzen ist, wo wir uns beide ewig wiederfinden, die Freundschaft, denn im Äussern sind wir für einander verloren.

Unsre Briefe können sich nicht mehr beantworten, denn wo du glühst, starre ich, und bin ich nur erwärmt, so schmilzst du schon. Dies war gerade der Fall bei deinem ersten Briefe von Reinhardstein, in dem du gar nicht aus dir selbst kömmst; du tappst in deinem Herzen herum, dass es mir oft ein Jammer ist, und zertrittst eine Blume nach der andern.

Ich habe nie einen Brief gesehen, in dem ein solcher Gefühlswechsel des Schreibers hervorleuchtete, und dies ist mir um so sonderbarer, da du meistens vergangene Dinge erzählst, die dich hinrissen, als sie geschahen, denn sie geschahen alle nur, insofern sie dich hinrissen, die dich aber nicht mehr hinreissen mussten, wenn du sie nochmals vor den Augen eines Freundes erschaffst; oder ist es die Illusion der Darstellung, die mir manchmal für deine Nerven ein wenig bange macht.

Doch lass das gut sein; ich weiss nicht warum, aber ich hoffe das Beste für dich. Die Folge deiner Bekanntschaften und deiner Briefe machen mir eine vollkommene Krise wahrscheinlich.

Von dem Landhause einer Engländerin in die Burg eines Landedelmanns, von da zu einer Ruine, zu einem Einsiedler; ist das nicht der Lauf der Zeit?

So auch deine Briefe: der erste tatendürstend, Molly; der zweite küssedürstend, Joduno; der dritte tränendürstend, Otilie; und alle die folgenden ruhedürstend und voller Heimgehenwollen in die natur.

Du schläfst, lieber Godwi, einen ruhelosen Schlaf des Lebens, schwere Träume ängstigen dich, bei deinem Erwachen wird dir es leer und müde sein; aber nicht wieder einschlafen, um Gottes willen nicht!

Tilie ist ein Mädchen, über die ich nicht urteilen mag oder auch kann. Es ist überhaupt eine krittliche Sache, über deine Weiber zu urteilen, und mein Urteil über Molly ist mir übel bekommen; aber du kannst das Wesen nicht mit der Ofengabel aus mir heraustreiben, es ist meine natur, immer etwas über die Leute zu denken, und zwar laut.

Tilie nun scheint mir sehr natürlich, und zwar so natürlich, dass sie nach meinen armen Begriffen schon ein wenig ins Übernatürliche geht. Aber dennoch ist sie dir ohnstreitig die beste Gesellschaft und bringt dich sicher in die Wirklichkeit zurück.

Es war einmal ein seltsamer Engländer, der über den Verlust seines gewöhnlichen Verstandes, seiner Freuden an der Industrie, der Ökonomie, dem Pferderennen und Hahnengefechte, und seines Geschmacks an Kotzebues Stücken und zuckerbunten Kupferstichen, äusserst melancholisch ward. Er las mit tiefen Schmerzen den phantastischen Shakespeare, und verzweifelte fast darüber, dass er ihm so wohlgefiel; deswegen verfiel er, wie schicklich, in den Spleen, und war immer in einem dunkeln Zimmer, obschon das Tageslicht und die Mittagssonne zu seinen Füssen schien; er aber klagte immer über die Dunkelheit, Tag und Nacht war ihm ganz einerlei, er hielt immer den tollen Lear in den Händen, und las Tag und Nacht in ihm, weil er sagte, die Buchstaben glühten. Aus Kotzebues sämtlichen Werken hatte er sich aus Bosheit einen patent-papiermachénen Fussboden, Spuckkasten und Leibstuhl machen lassen, und weinte bittre Tränen über diese verkehrte Überspannteit.

Seine Freunde konnten ihm nicht helfen, bis endlich einer den Einfall bekam, ihm das Haus über dem Kopf anzustecken, und das geschah. Kaum war die Flamme bis zu seiner stube gekommen, so sagte er, es werde nun Licht, und da alles um ihn her brannte, und ihm die Hitze sehr zu leib ging, deklarierte er, dass es Tag sei, und ward wieder gescheit. Das erste, was er tat, war, dass er ein halb Schock Pferde zu tod ritt, fünfhundert Hahnen tot hetzte, immer in Kotzebueschen Wortspielen sprach, und diesem so lang verkannten Dichter zu Ehren einen Patent-Esel, der vor Apollo tanzt, aus kararischem Patent-Marmor in seinem Park aufrichten liess, welches Monument der Dichter aus Erkenntlichkeit vor sein bestes Werk in Kupfer stechen liess.

Sieh, so wird es dir auch gehen; Tilien hältst du für Tageslicht, und sie ist schon Flamme.

Wenn sie dich nicht heilt, so bist du unheilbar, denn ihr seid euch völlig entgegengesetzt, und das in den Extremen. Da du nun natürlich einen ewigen Drang fühlen wirst, ihr ähnlich zu werden