1801_Bretano_008_54.txt

wohl erging;

Als ich erwachte, warf sich mir die Welt

Eiskalt und unbeweglich hart ums Herz.

Es war der tötende Moment im Leben,

Du, Tilie, konntst allein den Zauber heben.

Mein Vater sass an meinem Bette, lesend

Bemerkte er nicht gleich, dass ich erwachte.

Es stieg und sank mein blick auf seinen Zügen

Mit solchem Forschen, solcher Neugierd, dass

Mir selbst vor meiner inneren Unruh bangte.

Dann neigte er sich freundlich zu mir hin

Und sprach mit tiefer Rührung: "Karl, wie ist dir?"

Ich hatte ihn noch nie so sprechen hören,

Und rief mit lauten Tränen aus – "O Vater!

Mir ist so wohl, doch, ach! die Marmorfrau

Wer ist sie? – Wessen Bild? – Wer tat ihr weh?

Dass sie so tief betrübt aufs holde Kind

Und in den stillen See herniederweint?"

Mein Vater hob die Augen gegen Himmel,

Und liess sie starr zur Erde niedersinken,

Sprach keine Silbe und verliess die stube.

In diesem Augenblicke fiel mein Los.

Ein ewger Streit von Wehmut und von Kühnheit,

Der oft zu einer inneren Wut sich hob,

Ein innerliches, wunderbares Treiben

Liess mich an keiner Stelle lange bleiben.

Es war mir alles Schranke, nur wenn ich

An jenem weissen Bilde in dem Garten sass,

War mir es, als ob es alles, was mir fehlte,

In sich umfasste, und vor jeder Handlung,

Ja fast, eh ich etwas zu denken wagte,

Fragt ich des Bildes Widerschein im Teiche.

Entgegen stieg mir hier der blaue Himmel

Und folgte still, wie die bescheidne Ferne,

Der weissen Marmorfrau, die auf dem Spiegel

Des Teiches schwamm. So wie der Wind die

Fläche

In Kreisen rührte, wechselte des stillen

Und heilgen Bildes Wille, und so tat ich.

Meine stimme war nach und nach gesunken, und mein Gefühl konnte ich nicht mehr erreichen. Wir wendeten uns denn, es war spät in der Nacht und kühl, der Mond goss den kalten Tag der Geister durch die Nacht; in sonderbar wilde fremde Formen zerriss sich das einsame traute Leben der Dämmerung, Schauer wehte aus den Gebüschen, und in den Gewölben der Eichen herrschte bange Geisterfeier.

Godwi

Godwi an Römer

Ich bin krank, und diese Krankheit ist mir nicht schmerzlich, denn ich hoffte viel für meine Genesung, ich hoffte Genesung für meine Krankheit, und mein voriges Leben von ihr.

Ich bin nicht in dem Zeitraume zwischen diesem und meinem letzten Briefe krank geworden; ich bin es, seit ich dir von meinem Spaziergange mit Tilien in den Wald schreibe, nur in dieser Minute fühle ich es, dass ich es bin.

Ich bitte dich, habe hier keine voreiligen bürgerlichen Gedanken, und denke nicht, dass ich mich sicher verkältet hätte. Es wäre mir fatal, wenn ich glauben müsste, dass in solchen Momenten man sich verkälten kann, in denen man glüht, und doch ist es leider so; aber ich will es nicht haben, dass ich es glaube, und du sollst es mir zum Gefallen tun, und es nicht glauben.

Meine Spannung, meine Überspannung, meine Abspannung und ein Schrecken, dessen Ursache nur in dem natürlichsten und künstlichsten Zustande uns eine ruhige Ansicht sein kann, hat mich krank gemacht.

Tilie verpflegt mich und der Knabe. Der einzige Arzt in der Gegend ist der, der Tiliens Mutter, wie Werdo glaubt, umgebracht hat, und der Alte kann ihn daher nicht leiden; doch hat sie ihn einigemal heimlich zu mir gebracht, nur um ihn zu fragen, ob meine Krankheit gefährlich sei; aber er versteht nichts davon. Er sagt, es käme ganz allein von meinem Leben mit den seltsamen Menschen hier oben, die alle nicht klug seien, das habe mich angesteckt, und der Geist wirke auf den Körper, under wäre ein Schafskopf, dachte ich.

Seine Arzneien glaubte ich lange genommen zu haben, und war meiner Genesung schon nah, da sagte mir der Knabe, dass die Tränke alle von Tilien seien; er suche die Kräuter und sie koche sie.

Ich habe nur einen Tag zu Bette gelegen, und länger konnte ich auch nicht; denn könntest du wohl ruhig liegen bleiben wenn sich dir von jeder Seite deines Lagers eine weite, herrliche Aussicht öffnet, die mit allen Punkten ihres Eingangs dich ergreift, und mit Gewalt, den Eindruck und sich selbst immer mehr vereinzelnd, dich in den einzigen Punkt der Perspektive ihres Ausgangs hinreisst?

Ich habe mancherlei gedacht, indem ich so hinaussah, über Aussichten, ihre Ansicht und ihren Genuss, aber ich habe dennoch keine Ideen über Landschaften gehabt. Es ist wunderbar und macht mich immer für meine Nebenmenschen in der Gegenwart unnütz, dass ich nie eine Sache an sich selbst betrachte, sondern immer im Bezuge auf etwas Unbekanntes, Ewiges; und überhaupt kann ich gar nichts betrachten, sondern ich muss drinnen herumgehen, denn auf jedem Punkte möchte ich leben und sterben, der mir lieb ist, und so komme ich dann nimmer zur Ruhe, weil mit jedem Schritte, den ich vorwärtstue, der Endpunkt der Perspektive einen Schritt vorwärtstut.

Nur der Mensch kann glücklich und ruhig werden, der etwas ansehen kann, und der nicht den Drang in sich hat, dass ihm alle Ferne Nähe sei.

Aus eben derselben Art zu fühlen kann ich auch nie spielen, weil ich platterdings mich nie entschliessen kann, den anerkannten Zweck des Spiels für mich als Zweck