, der seinen Gast berauscht glaubt, und die spätere Weinflasche, die also nach ihrer Herkunft aus dem Keller die jüngere ist, auch immer die jüngere nach ihrer Herkunft aus dem Weinberge, das heisst, ein bisschen saurer sein lässt; er denkt, der Rausch der älteren mag die jüngere betten; sehr weislich – der Chirurg betäubt uns erst die Ohrläppchen, ehe er uns die Ohrlöcher sticht; wer gern Ohrringe trägt, wer gern zu gast geht, und wer gern küsst, muss sich das alles gefallen lassen.
Ich teile gern mit dir, sehr gern, aber nur meine Freuden. Lass mich deswegen von der Nacht schweigen, die ich gepeinigt durchwachte. Du kennst mein Talent, alles von allen Seiten anzusehen, die lachenden und weinenden Seiten jedes Gefühls und jeder geschichte hervorzuziehen, so dass ich nie ganz glücklich und nie ganz unglücklich werden kann. Auch diese Nacht zerriss mich ein steter Gefühlswechsel. Den freundlichen Traum, der meinen Morgenschlummer umgaukelte, kann ich nicht beschreiben; wer kann das süsse Licht der ersten Sonnenstrahlen nach dem Gewitter, wer den lächelnden Frieden und die holde Versöhnung malen? Ich selbst fühle nur noch unbestimmt und verwischt die rosigten Fusstapfen dieses Traums in meiner Erinnerung.
Ich sass auf meinem Pferde, die Regentropfen schlugen mir um die Nase, und der wache Donner weckte mich aus dem Seelenschlummer, in den ich versunken war. Wir können uns durch innen von aussen verhüllen; eine vollfühlende Seele bedeckt den Körper mit Gefühllosigkeit. Ich kenne kalte Gesichter, ruhige Oberflächen, unter denen ein warmes Herz pocht. Stille wasser gründen tief. Wohl dem, der kalt von aussen ist, weil alle seine Flammen im inneren brennen; er ist Feuer unter der Asche, und wird keinen entzünden, sicher ruht er auf dem häuslichen Herde des Lebens. Weh dem, dessen Oberfläche kalt ist, weil Jammer und Elend eine Eisrinde um ihn gezogen haben. Scheint die Sonne, so wird leicht die Eisbahn zum Grab, und wird der Winter kälter, so stirbt das Leben auf dem grund des Stroms.
Mein Tiefsinn hatte mich dichter umhüllt als mein Mantel. Dieser hing über meine Schulter und ich ward über und über nass. "Was weckst du mich nicht, Conrad!" rief ich meinem Purschen zu; "da es so stürmt, und da es dir doch selbst lieb sein muss, bald in eine Herberge zu kommen."
"Nun, Herr Junker, unsereiner tut selten, was ihm selbst lieb ist, ich habe nun einmal meinen Willen vermietet, und der Unterschied zwischen Herrn und Diener besteht darin, dass der eine seinen Willen aus Armut versetzt, und der andere ihm auf dieses Pfand geliehen hat; darüber dachte ich nun so nach und lobte Gott den Herrn, dass Sie nicht immer so grosse Intressen von dem Pfande nehmen als jetzt."
"Und deswegen wecktest du mich nicht?"
"Nichts vor ungut, Junker, ich dachte, wen dies liebe Wetter nicht wecken kann, der schläft nicht zum Wecken; wer von der schönsten Frau von der Welt wegreitet, der reitet nicht schnell; wer dabei einen Kuss von einer so charmanten Dame auf den Weg hat, ach! der ist so beladen, dass sein Pferd den Schritt kaum aushält."
"Von einem Kusse weiss ich nichts."
"Wenn Sie was davon wüssten, so hätten Sie ihn nicht gekriegt, so wüsste ich nichts davon, und hätte auch nichts gekriegt."
"Conrad, sprich deutlich, oder ich werde Intressen von meinem Pfande nehmen."
"Sie drohen ein Geheimnis heraus, das Sie heraus locken sollten. So will ich denn sprechen, um auch einmal grossmütig gewesen zu sein. Ich war heute nacht immer um Sie her und packte ein, und konnte nicht recht begreifen, wie Sie nun so auf einmal fortwollten. Sie wälzten sich im Bette und konnten nicht schlafen, und ich dachte, wohl eben deswegen, weil Sie reisen müssten. Heute morgen überfiel Sie endlich der Schlummer, und Sie waren so freundlich dabei, dass ich mich mitfreute über den verliebten Traum, den Sie wohl haben mochten."
"Du vergisst die Intressen; keine Bemerkung. Ja, ich träumte."
"Nu, Herr, ich träumte fast dasselbe, nur mit halb offnen Augen. Die tür geht leise auf, und, nun kömmts, es kommt Milady auf den Fussspitzen hereingetrippelt, in der Hand hatte sie einen Brief, den steckte sie in Ihre Brieftasche, die auf dem Nachttische lag, und, ach! nun" –
"Du kannst dir denken, lieber Römer, mit welcher Eile ich den Brief aus der tasche zog. Welche sonderbare Adresse! "Ich beschwöre meinen lieben Godwi, diesen Brief nicht eher zu öffnen, als bis ichs ihm selbst erlaube." Schwer, sehr schwer ward meinem Gehorsam der Sieg. Nur ihrem Befehle kann man bei dem Reize, den sie selbst gegeben, gehorchen. Nun weiter!
"Nun schlief ich fest, bis alles vorbei war, dann wacht ich auf, weil ich eben nicht dumm bin; und weil die Zeit zu kurz war, als dass die reifen Äpfel hätten von selbst fallen sollen, so fing ich an zu schütteln."
"Lass dich weg aus der geschichte, oder die Geduld geht mir aus. Was tat sie, der Engel?"
"Nun ich habe keinen gesehen, und wollte bei Gott mit Milady zufrieden sein, und alle