künstlichen Schlaf in mir, und meine ganze Aussicht war in einen düsteren, undurchdringlichen magischen Mantel gehüllt.
Lady Hodefield an Werdo Senne
Friede und Ruhe mit Ihnen, treuer, einziger Freund. Ihr Brief hat mich in einer der wichtigeren Minuten meines Lebens sanft überrascht; er ist wie ein sanfter Schlaf lösend über meinen Rausch, wie ein winkender bedeutender Traum über den Zweifel meiner Handlung herabgesunken. Ich habe zweimal der eisernen notwendigkeit den süssesten Genuss geopfert. Die Versuchung, der Zeit einen Possen zu spielen, und selbst mit unendlicher Wollust aufzudecken, was sie in ihrer stillen, folgenden Gesetzlichkeit entwicklen wird, war für ein tollkühnes Weib wie ich nicht klein; so nannten Sie mich einst, aber ich darf es ja nicht mehr sein. Nur die Blüte darf üppig wagen, darf der Frucht wie ein jauchzender Bote vorausgehen, und ich darf nichts, gar nichts mehr, das ist alles vorbei, die Zeit bereitet mir nun meine Freuden, damit ich hübsch genügsam sei. Ich habe sonst zuviel genossen, nun ist die Zeit da, dass ich den Genuss andrer genug ehre, um ihn nicht zu stören. Und diese Macht danke ich Ihnen allein; Sie lehrten mich, dass die meisten Unfälle Folgen unserer Voreiligkeit sind, mit der wir der Zeit in ihrer Konsequenz vorgreifen. Ich war in dem Kampfe gegen meine schimmerndsten Gelüsten ermüdet; auf meinem Sopha hingestreckt, blickte ich nicht ohne Neid nach dem Besiegten. Das Bild der Freude, die ich von mir in die Ferne gewiesen hatte, stand flehend und drohend vor mir, ich war so allein, so empfänglich, die Freude so reizend in ihrem Schmerz und Unwillen; "ich komme nicht wieder", sprach sie, und schien mich zu dem zudringlichsten Besuch der verwegensten Reue zubereiten zu wollen, falscher Stolz, falsche Scham, waren ihre Vorwürfe. Doppelt einsam, indem ich die Gesellschaft des einzigen, der ausser Ihnen Ansprüche auf meine Liebe hat, von mir gewiesen hatte, war ich, als ich Ihren Brief erhielt. Sie sind ganz gegenwärtig in ihm für mich, obschon Sie schon leise dem Leben drinne entschweben, denn ich kann Ihnen nachsehen. Alle meine Leidenschaften, alle meine Wünsche haben sie nun wieder zu jenem anspruchslosen Frieden gebracht, in den Sie sich Ihren Gram und so freundlich mir meine Schuld zu verschleiern wissen. –
Ich habe Karln gesehen – ich wusste nicht, dass er es war, und doch bewies die natur ihre geheime Macht, unwiderstehlich zogen mich ihre Bande zu ihm hin, obgleich Zeit und Ferne sie versteckt hatten. Ich fühlte, dass er mir angehört, der geistvolle schöne Sohn, auch er war im Innersten seines Herzens gerührt, und neigte sich gewaltsam zu mir hin, ohne es erklären zu können. Ich erkannte ihn durch die Erzählung seines Aufentalts bei Godwi und seines Geschäfts. Ich erkannte ihn in der Trennung, und es war die höchste Wonne und der bitterste Schmerz in die nämliche Minute gelegt. Nur die Überraschung und die Menge der Menschen um uns machten mir es möglich, den sanft von meinen Blicken zurückzuweisen, den ich in meinem Herzen trage, und den ich umso fester in meine arme schliessen mochte, da ich ihn als einen edlen ausgebildeten Menschen wiedersah. Ach ich war nicht standhaft, die Entdeckung zu verhindern, es war blosser Zufall, dass ich mich und sie nicht verriet!
Alles was Sie mir überhaupt von Eusebio und insbesondere von seiner Krankheit schrieben, scheint mir ebenso richtig, als Ihre Bescheidenheit falsch. Sie wollen gar nichts von dem wenigen, womit ich Ihnen Ihre Existenz erleichtere, verdient haben, und ich soll Ihre ewige Schuldnerin bleiben.
Die Trauer Eusebios ist mir sehr verständlich. Wäre er unter dem glücklichen Himmel seines Vaterlandes, wo sein Herz und der Himmel in einem Gleichgewichte der Glut ständen, so würde er froh sein. Er erwacht vor der Zeit, weil seine Umgebung auf seine Anlage einen zu grossen Reiz ausübt. Obschon er keinen Druck und keine geschichte zu bedenken hat, so kann er dennoch nicht mehr Kind sein. Das Missverhältnis seines Temperaments zu seinem Leben, und zum land, in dem er lebt, zwingt ihn zu reflektieren; da er nun keinen bestimmten Gegenstand haben kann, so entsteht aus seiner Reflexion über das blosse Bedürfnis die sehnsucht in ihm. Er schmerzt mich; wehe dem, der kein Kind sein konnte, er kann nicht Jüngling, nicht Mann werden – die Jahreszeiten fliessen ihm in eines zusammen in seinem Verlangen – und bedarf in jedem Genusse jeden andern. Eusebio hätte noch lange Knospe sein müssen, an der der Tautropfen und die Träne hinabrollt, nun hat sich sein Busen erschlossen, und die Träne liegt still in seiner Kindheit, ein Bote innerer Trauer für sein ganzes Leben. Die Aussenwelt hat ihn nicht auf der Stufe, die er einnimmt, gefesselt, es spielte kein Kind mit ihm, und so treibt ihn seine innere Glut aufwärts, die ihn hätte ausbreiten sollen. Ich fühle deutlich seine Zukunft, er wird nie die Formen kennen lernen, in denen er lebt, nur in den zusammengesetztern, reichern länger verweilen, jedem halben Tone wird er entgehen, und leicht viele Stufen des Lebens übereilen. Das Verlangen ist früher und begehrender in ihm ausgebildet, als er sich die Welt gewürdiget hat, er öffnet die arme mit sehnsucht, und nimmer kann er mehr umarmen als sich selbst; so entsteht bei immer neuen Versuchen und einem steten Zurückkehren ohne Erfolg diese entsagende Trauer in ihm.
Sein