auf eine so prosaische Weise zu endigen, entschloss ich mich, in ein Konzert zu gehen, um zu sehen, ob die Harmonie meine süssen Schwärmereien wieder ins Leben rufen könnte. Dies Konzert, mein Lieber! war der Anfang meines Traums und des schlafenden Teils meiner Reise. Es sollte meine durch die Szene in dem Wagen erstarrten Gefühle wieder erwekken, und machte sie so wach, dass ich der Anstrengung unterlag, und nun wirklich geistig matt einschlief.
Ich eröffne die tür; "st! st! st!" lispelte man mir entgegen; ich schleiche mich durch die Menge durch, allein ich konnte die Sängerin nicht sehen, die den Saal und die schlechte Begleitung der Instrumente mit dem Himmel ihrer stimme durchgoss. Ich steckte mich in eine Ecke und tröstete mich mit dem Unglück der katolischen Kinder, die vor der Taufe sterben und die Last der Erbsünde noch nicht abgewaschen haben; sie müssen daher linkerhand neben der Vorhölle eine kleine Kinderstube beziehen, wo sie die Freuden der getauften Kinder zwar hören, aber nicht mit ansehen und geniessen können. Ich hatte so ziemlich meinen Endzweck erreicht, meine Gefühle kamen wieder, so zart als sie uns an der Hand der Erinnerung zugeführt werden; sie haben dann das Überraschende, das Ungestüme nicht, das uns immer ihre ersten Küsse raubt, man kämpft nicht mit ihnen, sie kommen uns sanft und schüchtern entgegen, wie die Umarmungen eines züchtigen Mädchens, die uns die bürgerliche Ehe ihren von den Sitten aufgedrungenen Zierereien entrissen hat.
Die volle gediegene stimme des Weibes entlief durch unendliche Wendungen meinem geizenden Ohre, wie meinem suchenden Blicke die hohe Gestalt der Türkin durch die Irrgänge der Moschee, dann tönte plötzlich ihre stimme ernst und doch voll liebender Wärme durch den Saal; alles schwieg; auf der heitern Stirne manchen Greises las ich die Weisheit und in manchem nassen Blicke eines sanften Mädchens die warme tröstende Wahrheit der Sprüche im Tempel. Die Göttin stand in ihrem Werke, in ihrem Lied noch einmal vor mir. Hagestolze und Witzlinge fühlten ein Herz und konnten es nicht finden, hier fand ich beschämt mich wieder. Mein Augenglas ist hundertfach in den Händen der umhergaffenden Stutzer, sie drehen es verwirrt zwischen den Fingern und flüstern mit halboffnem mund: "Quelle volubilité de gosier!" und ich machte in der Moschee die schlechte Bemerkung: "So schöne Augen, und ein Augenglas!"
Ihre stimme eilte noch einige Minuten mit leichtem Wechsel durch wehmütig belebte und sanft ersterbende Akkorde, und verschwand dann in dem allgemeinen Einstürmen einer unerträglichen Menge Instrumente; ich hörte noch einmal das Kutschengerassel, eine leichtfertige Pleielsche Sinfonie beschloss das Konzert, ich sah in ihr den jungen Sansfaçon noch einmal, wir wurden noch einmal geschieden.
Meine Erwartung, die Sängerin zu sehen, war äusserst gespannt, ich dachte mir eine Gestalt wie die Türkin, als ich plötzlich den nämlichen Windbeutel neben mich hintreten sah, der die Dame in W. in den Wagen gehoben hatte. Ich hätte ihn gerne gefragt, wer die Sängerin sei, wenn ich diese Klasse Menschen nicht ebenso sehr hasste, als ich erschrecke, wenn ich eine Grazie schnell und viel essen, sich jucken oder kratzen sehe. "Madame vient", flüsterte ihm ein anderer seinesgleichen zu, und er empfing ein Weib aus der Menge, die keine andere als meine Türkin war. Sie sah blass und zerstört aus, und da sie an mir vorbeiging, durchfuhr sie wie ein Blitz jenes Nichtbemerken, das bei Weibern in Augenblicken, wenn sie sich ganz mit sich selbst schon beschäftigen und dieses Zurücktreten in sich selbst dennoch sehr merklich wird, ebenso sehr der Beweis des schärfsten Bemerkens als eine doppelte Verneinung eine Bejahung wird. Ich beneidete den jungen Herrn, der mit ihr sprach gar nicht, denn er erhielt auf seine Bitte, sie begleiten zu dürfen, die einfachste Verneinung, eine kaltes Nein. Ich konnte nicht mehr bleiben, und das Ausrufungszeichen, das der Stutzer an seinen verzweifelnden Abschied aus der Ortographie seines Tanzmeisters mit seinen Füssen sehr kühn anhängte, konnte mich nicht aufhalten, obschon es sich in meine Schritte, die, so wie die langen Gedankenstriche in den "Ruinen des Schwarzwaldes" den guten Einfällen des Verfassers und seiner Tendenz nachlaufen, die Dame verfolgten, verwickelt hatte. Auf der Treppe erreichte ich sie und ihren Namen. Sie sagte mir ihn freundlich, damit ich sie besuchen könne, und hätte sie mir einen andern als Hodefield genannt, so würde ich ihn gewiss verhört haben, denn ihr Vortrag war so lieblich, dass er auf den Genuss des Inhalts gar nicht gierig machte. "Madam! so sind Sie wohl die Dame, deren Wagen ich aus versehen genommen habe? Ich muss Sie wegen einer grossen Ähnlichkeit um Vergebung bitten." – "Sie sind aus B., der Wagen, in dem ich fuhr, ist der Ihrige?" fragte sie bestürzt. "Nein, es ist der Wagen des Banquier Godwi, in dessen Geschäfte ich reise." – Es stieg ihr eine Röte in die Wangen, sie wurde verlegen und drückte mir die Hand. "O dass ich dies gestern nicht wusste!" sagte sie; "Sie können mich nicht sehen, bemühen Sie mich nicht umsonst, und wenn Sie einige achtung für mich haben, so entfernen Sie sich, und trösten Sie sich mit dem Schwur, dass ich Ihnen ein grosses Opfer gebracht habe, ein Opfer, das die natur nur selten ohne Unnatur bringt." Sie beschleunigte ihre Schritte