, wie auf den Wink eines Geistes, der mich Schätze zu heben führt, ging ich mit ihr. Der Mond hatte sein Licht über die Gegend gegossen. Ich glaubte den Schritten Glyzerens auf den Pfaden des Lohns ins Elysium zu folgen. Fern hörte ich das Geräusch des volkes vor den Toren der Unterwelt. Bald huschte wie ein Geist der Schatten eines wankenden Wipfels durch die milde Verklärung der Gestalten, bald sahen kalt und weiss Marmorbilder durch den regellosen zitternden Umriss der Bäume, kleine Vögel schwirrten wie der Flügelschlag meines ahndenen Genius um mich her. Anspruchslos wankte die kleine Gondel im Spiegel des Teichs, und das Glöckchen der Eremitage ertönte wehmütig in dem Wehen des Abendwindes, als wolle es meiner scheidenden Freiheit Lebewohl sagen. Neben mir schwebte stumm die Zauberin mit leisen Tritten, ihre Locken wallten glänzend und zügellos durch die himmlischen Lichter. Hieroglyphisch sprachen flatternd die Wellen ihres Graziengewandes zu meiner Seele, sie schwebte in den Schatten und Lichtern der Mondnacht, als habe jemand die Allmacht der Liebe unter die Sternbilder versetzt – und ich, ich war im Zustand eines hungrigen Dichters, der der Phantasie eines Genies nachläuft.
Die Abendlieder der Nachtigall verhallten mehr und mehr unter dem sich nähernden Geräusch der Menschen, und das freundliche Mondlicht ermattete bei dem Glanze des erleuchteten Schlosses und der mit fackeln um die Wagen herlaufenden Bedienten; das Rufen der Kutscher, das Rollen der Wagen, das Pfeifen und Singen und Plappern der Menge weckte mich unsanft aus meinem Himmel. Umgekehrt, wie ich oft nach dem Geräusche eines Balls in meiner einsamen stube weinte, ergriff mich hier ein Unmut, dessen ich mich jetzt freilich schäme. Alle die Leute, die fröhlich und munter durcheinanderströmten, hielt ich für gefühllose und tierische Menschen, und ich wäre gewiss aus mitleidiger Neugierde keine Salzsäule geworden, wenn Sodoms Feuerregen über sie herabgefallen wäre. Die Dame wurde von einem jungen Sansfaçon empfangen, der sie nach ihrem Wagen bringen wollte. Sie drückte mir die Hand und bat mich, wenn ich noch einige Tage in B. bliebe, sie doch zu besuchen. Ich beteuerte es, und stieg in meinen Wagen. Er war durch die herumgezogenen Vorhänge verdunkelt, ich setzte mich in die Ecke und fühlte nichts als den Händedruck der Dame; sehr beschäftigt, auch die kleinste ihrer Handlungen zu meinem Vorteil auszulegen, kam ich mehr tot als lebend in die Nähe von B. Das Trommeln in der Stadt erweckte mich, und eine stimme erschallte in meinem Wagen: "Madam, lassen Sie mich doch bei meiner Mutter aussteigen." Ich wurde wie vom Donner gerührt. "Wer sind Sie? Herr Jesus! ein Mann! ein Mann!" schrie die andere stimme; "Kutscher, halt!" Die Kutsche hielt, und die Sache kam zur Auflösung. Vor allen bat ich Mademoisell zu schweigen, damit der Lärm nicht eine Menge Menschen herbeilockte, und mir dann zu sagen, wie ich zu der sonderbaren Ehre ihrer Gesellschaft käme. Aber sie fing nur desto stärker an zu lärmen: "Was? wie ich hierherkomme? Wie kommt Er hierher? Wo ist die Lady, wo ist sie? Dieb! Räuber!" – "So schweigen Sie doch!" sagte ich, "ich kenne keine Lady, und wie ich in meinen Wagen komme, brauche ich keinem Menschen zu sagen." – "Aber, mein Herr, das ist ja Ihr Wagen nicht," erwiderte sie, als sie bei dem Anblick meiner person, beim Schein einer vorübergetragenen Fackel, etwas höflicher wurde; "es ist der Wagen der Lady Hodefield, die so gut war, mich in die Stadt mitnehmen zu wollen." – "Meinen eignen Wagen muss ich besser kennen, als Sie der Lady ihren. Lärmen Sie nur nicht so, ich will Sie ebenso gern nach haus bringen als die Lady. Es kann ja wohl sein, dass unsere Wagen einander sehr ähnlich sehen; damit Sie sich überzeugen, so lassen Sie uns den Kutscher fragen." Der Kutscher war eben derselbe, der mich herausgebracht hatte, und bestätigte meine Behauptung. Meine Gesellschafterin aber war nicht zu beruhigen und stieg aus, weil sie mir nicht zu trauen schien. Sie weinte. Das arme Mädchen dauerte mich recht herzlich, ich bot ihr an, sie zu fuss zu begleiten; sie sagte: "Nein, mein Herr! gute Nacht," und weinte immer dabei, "das geht auch nicht, denn ich bin mehr, als Sie von mir zu denken scheinen, ich bin ein ehrliches Mädchen", und verlor sich unter der Menge. Ich mochte nicht mehr einsteigen, und da wir nicht mehr weit von einem Gastofe in der Vorstadt waren, hielt ich still, um ein kleines Abendbrot zu mir zu nehmen. Ich liess meinen Wagen beleuchten, um mich völlig zu überzeugen, dass ich meinem gast nicht unrecht getan. Aber Himmel, das ist ja die Caprise nicht, auf der Tür steht ja kein M.H., sonst ganz dieselbe Gestalt. Der Wirt sagte mir, dies sei der Wagen der Lady Hodefield, die gleich hier in der Gegend ein Gartenhaus bewohne. Ich entschloss mich also, zu fuss nach haus zu gehen, und befahl dem Kutscher, nach dem Gartenhause hinzufahren und meinen Wagen wieder zurückzubringen.
Verdrüsslich, den Tag, an dem ich so transparent war, an dem ich zum erstenmal, da ich in meinen Busen schaute, so fremde und warme Bilder sich bewegen sah,