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der Popanz in den italienischen Kindermärchen eine solche Königstochter aufessen, mein Herr," sagst du. – Fliehet nicht, fliehet nicht, ihr Leichtbeflügelten, bin ich denn der Schreckliche, vor dem die Spiele des üppigsten Frühlings, die Blumen, sterben? Du guter Geist! mein guter Geist hat mich mehr verlassen, da ich dies Buch schrieb, als da ich es dir weihte; nicht als verdiene es, vor dir zu erscheinen, nein, es ist fast lauter Eigennutz. Es war weniges in dem buch, was ich leiden mochte, aber seitdem dein Name davorsteht, habe ich selbst Freude an ihm, so wie ich manche Freude an mir habe, seitdem ich öfter, doch oft sehr unerkannt, vor dir stehe. Das einzige, was dir bei dieser Dedikazion, du guter Geist, gehört, ist, dass ich dir mit diesem buch wie mit meiner Bekanntschaft die Freude mache, deine Lieblingsbeschäftigung zu üben, dein Herz auf Unkosten deines Geistes sprechen zu lassen; denn dein Geist hat die Oberhand dein Herz aber die Vorhand.

Ich hätte euch alle drei zugleich angeredet, wenn du guter Geist nicht so allein stehen müsstest, denn du bist sehr schön wenn du allein stehst, sonst wärst du nie schön. Denn nach meiner Meinung stehst du in der Welt mutterseeligallein, und kannst es, weil, könntest du je aus dir heraustreten und dich selbst betrachten, wärst du weniger unteilbar und konsequent, du vor Selbstliebe verschwinden, du so zu dir selbst hingerissen werden würdest, dass du nach aussen alle Tätigkeit verlieren und verschwinden müsstest. Du würdest nach dir selbst streben, du würdest sehen, dass du den Umriss und das Kolorit, das Vorzutragende und den Vortrag der Weiblichkeit erschöpft hast. Du hast mir oft meine bisarre Äusserung vorgeworfen, denn du warst zu bescheiden, um zu gestehen, dass ich meistens so vor dir stehe, wie ich sage, dass du selbst vor dir stehen würdest, in dich selbst verloren. Meine Erscheinung ist vor dir zertrümmert, unharmonisch und halb von dir aufgehoben, denn ich bin eins von den Wesen, die nur bei einer scharfgezogenen kalten Trennungslinie oder in der schönsten Auswechslung rein tätig erscheinen, und dies ist, Gott sei Dank und leider! hier nicht der Fall.

Sei meinem buch freundlich, doch lasse an ihm alles aus, was du mir verzeihst, denn dies Buch hat wenige meiner Tugenden, und alle meine Fehler. Da ich es schrieb, kannte ich dich noch nicht. Es hat dir daher so wenig, als ich vieles, zu danken, wovon du guter Geist wohl gar keine Ahndung hast, und was, sagte ich es hier, du nicht verstehen würdest. So lebe wohl, und denke, dass mein Buch diesen Zeilen, wie ich dir, gegenüberstehe. – Was habe ich dir endlich zu sagen, mit dem stillen heitern Sinne, und warum stehst du hier? Ich bedarf das unbefangenste Urteil, und das ist das deinige, denn du bist unbefangen, duldend und gerecht. Wenn ich es recht betrachte, so müsstest du eigentlich im buch selbst stehen, oder in mir, damit das Buch oder ich dir nur einen Augenblick gefallen könne, denn beiden fehlt stiller heitrer Sinn, Duldung, Gerechtigkeit und Fröhlichkeit. Glaube nicht, ich wolle den Lesern verraten, wer du bist, damit sie dich anhören und ansehen können, um ihnen zu ersetzen, was mein Buch vermisst, denn wenige werden vermissen, was darin fehlt, und diese wenigen sind die Vorzüglichern, denen du so ähnlich bist, und denen ich hier vor dir als einem Repräsentanten des ruhigen, gesunden Verstandes und der Lesefähigkeit in der Vorrede ein Selbstbekenntnis ablege. Fahre fort, mit mir freundlich zu sein, damit ich lerne, das Tiefste auf die Oberfläche zu führen, und mich bestrebe, einst wie die natur selbst das dem Menschen zum frohen erlaubten Genusse hinzugeben, wovor das Vorurteil, wie man sagt, zurückbebt. Aber man sagt nur so, der Inhalt der ganzen Welt ist immer der schönste, heiligste, oder freudigste, nur der Vortrag, die Unbeholfenheit des Vortrags, ist verboten.

Vorrede

Dies Buch hat keine Tendenz, ist nicht ganz gehalten, fällt hie und da in eine falsche Sentimentalität. Ich fühlte es jetzt. Da ich es schrieb, kannte ich alles das noch nicht, ich wollte damals ein Buch machen, und jetzt erscheint es nur noch, weil ich mir in ihm die erste Stufe, die freilich sehr niedrig ist, gelegt habe. Ich vollendete es zu Anfang des Jahres 99, hatte mich damals der Kunst noch nicht geweiht, und war unschuldig in ihrem Dienste. Ich werde sie an diesem buch rächen, oder untergehen. Diese Blätter gebe ich nicht wie ein Opfer hin, nein, sie sollen die Flamme nähren, in der ich ihr einst mein reines Opfer bringen will. Du wirst mir darum wohlwollen, lieber Leser, dass ich mich mit diesem buch, das nur zu sehr mehr von mir als sich selbst durchdrungen ist, gleichsam selbst vernichte, um schneller zur Macht der Objektivität zu gelangen, und von meinem Punkte aus zu tun, was ich vermag. Es ist mir schon jetzt ein inniger Genuss, alle Mängel, die ich vor zwei Jahren hatte, zu übersehen; sie alle zu verbessern, dazu müsste ich auf der letzten Höhe stehen, die ewig vor uns flieht. Doch will ich schneller, kunstreicher und begeisterter immer vorwärts schreiten,