,
Lass es uns zum dicksten machen!
Sein Gebein stürz in den Abgrund,
Lebt er doch im grund ewig.
Sein Geist, der ewig schaffende,
Lebt tönend fort in dir und mir,
Von einer Messe zu der andern
Ertönet sein belebend Werde,
Das ist das Los des Schönen auf der Erde.
IV
Der duftgen Wolken Schleier
Verhüllt der Landschaft Moor,
Um fallendes Gemäuer
Klagt der Sylphiden Chor.
Was hemmt in goldnen Lüften
Der hehren Ahndung Flug,
Was bringt aus dunkeln Grüften,
Der stillen Gnomen Zug?
Es ist des Jünglings Leiche,
Sie tragen ihn empor,
Der sich im Geisterreiche
An Lauras Hand verlor.
Erglänzt von Lunas Blicken
Ruht dunkel die Gestalt,
Und durch die Dämmrung zücken
Erinnrungsblitze kalt.
V
Genius, senke die Fackel, hier ruht der erbleichete
Jüngling,
Ach, der heftige Schmerz schliesst uns den
klagenden Mund!
Zwischen der Form und der Sache da irren die
menschlichenTriebe,
Und ein ewiger Streit trennet das Ich und das
Nichts,
Trennet die Pflicht und die Liebe, trennt das Gesetz
und die Freiheit,
Bindet zu Formen den Ton, trennt dann den Ton
und die Form.
VI
Grausam eröffnet schon der alte Tod
Das tiefe Grab, nimmt edle schöne Knochen
heraus, um unserm Freunde Platz zu machen.
Maria duldet still die Arzeneien,
Wie grausam ist des edlen Schicksal!
Der nichts, der ach! nichts nachzutrinken hat!
So duldet er sein Schicksal, bis
Der Atem (wehe, wehe dem Verräter!)
Heimtückisch, wie ein Seufzer, ihn verlässt;
Nun liegt er da, die edle schöne Seele,
Wir beben alle, wir verstummen!
Da erscheinest du, der Leichen Muse,
Entwindest dich des Totengräbers Armen,
Hüllst den Verstorbenen freundlich
In deinen dichten Schleier,
Und bringst den Schlummernden
Der dunkeln Erde in die arme –
Da ruht der Jüngling, bis dem Mutterschosse
In neuen Formen die Geburt entsteigt,
Lebend in Blüten oder Liedern
Den Vater grüsst!
VII
Von A. W – nn
Du hattest schon, o Freund! den Weg gefunden,
Vertrauend bald der heilgen neuen Lehre!
Du hattest schon die heilge drei verbunden,
Bis dir die Viere deutlich worden wäre,
Liess dich der blick ins Centrum schon gesunden!
Ein tapfrer Krieger für der Gotteit Lehre,
Ein Phönix, wirst du dich der Liebe weihen,
Die junge Brust in ewger Lust erfreuen!
VIII
(Mel. Der Vogelfänger usw.)
Maria liegt nun schlafend da,
Lustig, mein Mädchen, Hopsasa!
Der Tod ist Schlaf, der Schlaf ist Tod
Zwischen dem Morgen- und Abendrot.
Maria liegt nun schlafend da,
Lustig, mein Mädchen, Hopsasa!
Kann der Begriff die Liebe fassen,
Kann der Kaptain das Fluchen lassen.
Maria liegt nun schlafend da,
Lustig, mein Mädchen, Hopsasa!
Wär ich schon tot, ich kehrte mich um,
Ohne das Salz ist die Erde dumm!
Maria liegt nun schlafend da,
Lustig, mein Mädchen, Hopsasa!
Sieht doch der Kaiser den Sonnenbrand!
Kirschen, o Kirschen! lustiger Tand!
Maria liegt nun schlafend da,
Lustig, mein Mädchen, Hopsasa!
Ackerleute des lustigen Weins,
Liebe! du Tausend und immer Eins!
IX
Von K.R.
Heil dir, der du der Dichtung magern Rappen,
Gespornet frisch, wie Ritter Donquixote,
Entrissen kühniglich aus Glück und Note
Hast du dich aus dem Streit poetscher Knappen.
Wozu nach Abenteur und Reimen tappen?
Dich traf der Weltlauf mit gar harter Pfote,
Dann kam des Tods entschuldigender Bote
Und nahm dem Leben seine Schellenkappen.
Nun sind zu Ende alle die Geschichten,
Dich hat ein Gott der Littratur entzogen,
Du badest dich allein in blauen Wogen.
Wozu noch länger reimen, dichten, richten,
Du hast verlassen unsre Katakomben
Und freuest dich der Götter Hekatomben.
An Clemens Brentano
Dir so teuer wie mir war diese freundliche Jugend,
Die sich, in heiliger Glut sterbend, in Liebe gelöst! Weinend wendest du dich – wir scheiden mit ewigen
Tränen,
Dass diese Liebe verstummt, welche so zart uns
vermählt!
Sieh noch einmal zurück auf die schöne heilige
Ahndung,
Über der Schlummernden gieb mir zu dem Bunde
die Hand.
Ist es uns nicht geworden, zu rächen die Wünsche der
Jugend?
blieb ein Vermächtnis nicht dir, was sie so glühend
erstrebt,
Dir, dem die Götter die reiche Fülle der freundlichen
Dichtung,
Dem sie die Sprache verliehn und ihre bildende
Kraft?
Schon ergreifst du die Leier, zu rächen, zu retten die
Liebe,
Und ein neues Geschlecht dankt dir den freien
Genuss.
Wie du hinunter jetzt steigst in das Dunkel des
irrenden Lebens,
In die Tiefe der Brust kehrst du begeistert zurück, Dort die verlorne Jugend umringt von Schatten zu
finden,
Kühn bezwingend den Tod führst du die Dichtung
zurück.
Also zum Orkus hinab stieg einst der trazische
Orpheus,
Suchte, die er geliebt, fand sie dem tod vertraut, Aber die göttliche Leier bezwang des Tartarus
Mächte,
Seinem Gesange vermählt kehrt die Geliebte
zurück.
Ja, schon lächelt das Licht, doch an der Schwelle des
Lebens
Fasst ihn des Zweifels Gewalt, raubt ihm den
schönen Besitz.
Unglückseliger Mann! sie war dem Vertrauen
gegeben,
Was dir der Glaube gewährt, kann es der
Zweifelnde sehen?
Doch was fürchtetest du, dir nahe tötend der Zweifel
Und dir misslänge dein Werk, kühn zu gestalten den
Schmerz?
Dir bewahret die Liebe der Guten das schöne
Vertrauen
Und der kindliche Sinn schützt dir das kindliche
Glück