Zusammenstellung nur unverdaute Matematik an der Stirne trägt.
Ein leichtes luftiges Freudengezelt müsste hier aufgeschlagen werden, ein ergötzlicher Feenpalast, voll Mutwill und koquetter Mädchenhaftigkeit, doch ohne Prüderie und Sittenpedanterei, – und so ist es hier; man möchte sich umsehen, wo die fröhliche Gesellschaft geblieben ist, die hier in voller fürstlicher Freude, mit Maitressen, Haiducken, Laufern, Opernmädchen und einem witzigen Hofnarren, gehaust hat. – Wo ist die junge etwas schmachtende Gräfin, die hier an den militairisch schönen Prinzen denkt? – wo ist der muntere Dichter, der hier Singspiele dichtet, und Elegien schreibt, weil er in die junge Gräfin verliebt ist? – Ich wandelte durch die Stuben mit grossen Spiegeln in buntgemalten Bretterwänden – verirrte mich auf den kleinen Treppen von Boudoir zu Boudoir; in den Weiberstuben berührte ich mit Herzklopfen umherliegende Kleinigkeiten, zerrissene Liebesbriefchen, Locken, und gemachte Blumen, welche die holden leichten Wesen von Frühling zu Frühling, wie den bunten Staub der Schmetterlingsflügel, abstreifen. –
Und verzeihen Sie – aber es ist nicht anders – wenn ich es hin und her überlegte und, das ganze lustige Haus in einem zug zu geniessen, mir einen Plan erdachte, so war es der, mit einem Schock nackter Mädchen, voll Freude, Witz, Tanz und Sing-Talent, drinne Haschen zu spielen.
Auf dem höchsten Punkte des Schlosses steht ein Belvedere, und ein gutes Perspektiv, für die, welche das ganze Buch nicht verstehen, einzelne Stellen erklären wollen, und gerne wüssten, ob auch dieses oder jenes Städtchen mit hier notiert wäre.
Dieses Türmchen ist die Spitze des Schlosses, und die Pointe des ganzen epigrammatischen Gebäudes, das wie ein guter freundlicher Einfall hier oben hingeflogen ist, und mir wie das Lied eines Turmdeckers auf dem Münster vorkömmt.
Das Schlösschen scheint sich, wie ein fröhliches scherzhaftes Mädchen in den Mantel von Königen, hier in die herrlichen Berge zu verstecken, mit den Worten: Ich bin auch da, liebt mich; am Ende, wenn es Nacht wird und nicht grade der Mond scheint, wenn es draussen stürmt, kommt ihr doch zu mir. –
Ich sprach von dem schloss zuerst, weil es heisser Mittag war, da ich heraufkam, und ich mich in den kühlen Stuben erfreute.
Als sich der Abend nahte, ging ich in den Wald, der, auf wenigen Punkten von der Kunst berührt, doch nichts von seiner Schönheit verlor. Seine Grenze um den Berg herum ist die unbeschreibliche Aussicht, die alle Worte übersteigt. Man kann nicht zurück, der dunkle Wald liegt ängstlich hinter einem. Nirgends ward mir meine geschichte so erbärmlich und so klein. Ich glaubte, hier zu stehen, sei der Zweck und das Ende meines Lebens. – Wie ein kleiner Bach sich durch dunkle Täler, durch Klippen und Felsen stille oder nur brausend hinwindet, weil seine Ufer ihm weichen, oder ihm widerstreben, wie er endlich sich in eine unabsehbare See, sich selbst vernichtend, hinstürzet, so stand ich hier.
Alles, alles freudig hingeben, Freude und Lust, Freundschaft und Liebe, alle stolze Leiden der Demut, alle Träume und Pläne freudig hingeben in dieses Wehn der Luftströme, diese Tiefe voll grosser natur, diese freundlich herandringende Ferne, war meine letzte Reflexion, meine Begierde war Schweben, und ich sah mit gefährlichem schwindelnden Neide den wilden Tauben nach, die sich freudig hinabstürzten, wo der Rhein den Fuss der grünen Berge küsste, deren Häupter von seiner rauschenden Umarmung trunken zu drehen schienen, und es war mir, als walle die Seele des kräftigen Stromes herauf durch die Adern des berges, wie warmes lebendiges Blut, und der Boden lebe unter mir, und alles sei ein einziges Leben, dessen Pulsschlag in meinem Herzen schlage.
Hier hat alles sein Ende, und alles ist gelöst, hier ist alles vergessen, und ein neues Leben fängt an. – Der Mensch ist das Höchste nicht im Dasein, sonst wäre keine Mühe in ihm, und keine Stufung der Vollkommenheit: der Mensch ist nicht frei, er könnte sonst nicht wieder zurück ins enge dunkle Haus, er stürzte sich eher hier hinab. – Gefangen sind wir, wie das Weib, das ewig nach den Schmerzen der Geburt sich gerne wieder zum Werke der Lust hinwendet, gefangen sind wir, wie Leichtsinn und Schwermut, zwischen Schmerz und Lust, und die Freiheit besteht in der Wahl zwischen zweien, wo uns das eine schon so ermüdet, dass wir das andere gern ergreifen – und was ist endlich die heiligste stolzeste philosophische Ansicht als die Krankheit der Flamme, die zu verlöschen droht, um sich selbst zu sagen: Ich bin das Licht und entzünde alles. – Man kann höchstens so eine traurige Ansicht haben, wenn man nach haus geht, und sich mit Hoffart trösten will, oder wenn man kommt und sich vornimmt, doch etwas Besseres zu sein; – aber was hilft es endlich, wenn man hier steht, da muss das traurige Zeug, der konsequente eitle Trost doch zurückbleiben, denn wahrlich, er ist das verdienstliche Bemühen der schweren Arbeit, und es wäre für jeden, der hier steht, eine sehr mitleidswürdige moralische Betrachtung, an die Verdienste der Philosophen und Gelehrten zu denken. –
Fast möchte ich glauben, dass das ruhige volle Geniessen des einfachen unschuldigen Menschen der Gipfel des Lebens ist, und ich will mich bestreben, ein Trinker zu werden, und mir meine Weingärtner zu halten.
Der Punkt, wo ich stand,