müsste es heissen, Friedrich dem Meinigen.
Doch Lieber! sei'n Sie nicht böse, weil ich Sie wissen lasse dass ich vor Ihnen schon liebte." –
Wir gingen in das Häuschen, in dem es recht freundlich war aber da ich wusste, dass ich über einem grab sass, was mir die Gräfin verschwiegen hatte, konnte ich nicht ganz froh werden, – und das zubereitete Frühstück schmeckte mir nicht recht. –
Siebenunddreissigstes Kapitel
In dieser Umgebung lebte ich zwei Monden, während denen ich mehrere Streifzüge an den freudigen Ufern des Flusses und in das Land einwärts machte.
Ich trat stets mit einer eignen Empfindung solche Wallfahrten an, denn die bunte Einsamkeit des Lebens bei der Gräfin machte mich immer zu einem weltfremden Menschen wenn ich durch die ruhige grosse natur ging, die gar keine Gattung von Prinzipien hat, und deren Lust und Leid sich in einen schönen Wechsel von Jahreszeiten flechten.
So oft ich zurückkehrte, behauptete die Gräfin, ich sei ein ganz neuer unbekannter Mensch, sie habe aber eine Ahndung oder Erinnerung von einer alten Bekanntschaft mit mir. –
"Gott, wie werde ich alt," sagte sie einmal, "schon wieder jemand, der mir bekannt scheint, und ich weiss gar nicht, wo ich Sie zum erstenmale gesehen habe."
"Es war am Abend, Madame; war es nicht in der Dämmerung, begegneten wir uns nicht zu Pferde am Rhein?"
"Sie haben ganz recht, seien Sie mir willkommen." –
Dann küsste sie mich freundlich, ich schien wieder so ernstaft als das erstemal, und sie bekehrte mich wieder sehr emsig.
Violette war immer stiller geworden in der letzten Zeit, und schien sich mit einer schmerzlichen Zuneigung an mich zu hängen. Das Mädchen machte mir bange und jetzt, da ich meine ganze damalige Lage ruhig übersehe, bemerke ich mit Scham und Reue, warum ich diese Bangigkeit zu vermeiden suchte. –
Violette mochte sein, wie sie wollte, war nicht der erste Abend im schloss, und meine Unterhaltung mit ihr, das einzige, auf das ich mit reiner Freude zurücksehen konnte? – Wie hatte sich die Jungfrau in ihrem Streite mit der Lust mit ihrem Reinsten in mich gerettet, und was versprach ich ihr, das ich ihr nicht hielt! – Die Gräfin mochte sein, wie sie wollte, aber mit ihrem kind zusammen war sie schlecht. – Das Leben eines genialischen Menschen kann aus sich selbst hervorgeführt, mit eigner Kraft verteidigt und durchgesetzt, ein gutes selbstgedeihliches Leben sein, denn es ist das Leben der Eigentümlichkeit, aber die Jugend kann sich an ihm nicht entwickeln; sie ist eine Allgemeinheit, und muss an dem Frühling und nicht am Menschen hervorwachsen; denn das letztere heisst der Psyche die Flügel auseinanderzupfen, oder ihr mit einem künstlichen Lichte die Sonne ersetzen wollen, ohne die Rücksicht, dass sie hineinfliegt und stirbt. –
Brachte ich Violetten nicht zur völligen Uneinigkeit mit sich, indem mein Verhältnis mit ihrer Mutter immer ihrer unschuldigen Neigung zu mir entgegentrat? –
Ich konnte in der letzten Woche gar nicht mehr offen mit ihr reden, denn ich bemerkte, dass sie stets verlegener ward, wenn ihre Mutter in ihrer Gegenwart mit mir vertraulich war. –
Diese Empfindung war es, die zu meinen Spazierritten mitwirkte, und ich wünschte sogar einigemal, wieder zu haus zu sein.
Das letztemal, da ich ausritt, nahm ich meinen Weg nach einem der schönsten Punkte am Rheine, dem Ostein, einem schönen Lustschlosse auf dem Niederwald, einem hohen Berge, dem Städtchen Bingen gegenüber; dieser Berg macht den Winkel, um den sich hier der Rhein scharf herumwendet.
Der Besitzer des Schlosses war nicht gegenwärtig, und obschon ich den Mann zu kennen wünschte, der eine solche Anlage bloss zu seinem Vergnügen machen durfte, war es mir lieb, dass er nicht hier war. Ich hätte ihn hier meines Dankes ohne einigen Neid nicht versichern können.
So tröstete ich mich und dachte, er habe dieses Werk vollbracht, wie jeder, wenn er es gleich nicht weiss, durch irgend etwas ein höchst wichtiger Mensch ist, so dass ich mir hieraus die Ursache erkläre, warum die Worte: Es war ja ein gemeiner Mensch, keinen Totschlag entschuldigen. Diese Wichtigkeit des Lebendigen ist mir der einzige Grund irgend eines Rechtes, so wie mir der einzige Grund der Moral ist, dass der Mensch aus den Augen heraussieht, dass er ein Repräsentant des Lebens ist. – Doch ich kehre zurück. –
Das kleine Lustschloss ist ein wahres Lustschloss, denn es ist voll lustiger Einrichtungen, voll geheimer Türen, verborgner Treppen und doppelter Wände; man kann darin herumirren, wie ein verwünschter Prinz, und ich finde diese luftige, scherzende Gattung von Bauart hier recht angebracht, denn es würde in jedem Falle eine Stümperei geworden sein, hätte man hier ein gediegenes Gebäude hersetzen wollen, wo selbst kaum des Menschen Herz sich erhalten kann, gegen die vollen reichen Ansichten der natur.
Wo die Architektur der natur so erhaben ist, zwischen den massen der Felsen, den Ergüssen der Aussichten, den brausenden Wäldern hätte nicht leicht ein Gebäude stehen können, ohne plump und mühselig auszusehen, das im mindesten affektieren konnte, als wolle es etwas bedeuten. Ja ich glaube, es ist ein äusserst trotziger, melancholisch hoffärtiger Gedanke, auf solchen herrlichen Gesichtspunkten der grössten und reichsten natur, die durch unendliche mannigfaltige Freiheit harmonische Unordnung der Aussicht mit einer prahlend wichtigen Bausymmetrie äffen zu wollen, die in solcher