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Sie schlafen aber auch, ich habe Sie herzlich geküsstund nicht zu erwachenei, wo will das hinaus? – Denken Sie nicht, ich sei eine Zauberin, und noch nicht von der Fahrt zurückgekommen, wenn Sie sich allein finden, – ich habe nie etwas mit dem Kamine zu tun gehabt, als dass es mich wärmte und einmal einen Liebhaber zu mir brachteich reite nur ein wenig spazieren, und zwar auf Ihrem Pferde, um an seinen Launen den Mann kennen zu lernen. Adieu, heio popeioich bin eine Heidin, und will mein Morgengebet unter freiem Himmel verrichten." –

Ich ergötzte mich an der muntern Laune der Gräfin, und war ich verführt, oder idealisierte ich? ich weiss nicht, aber ich fand sie sehr liebenswürdig, oder sie liebte ein wenig. –

Ich konnte immer noch nicht aufstehen, obschon ich sonst kein Schläfer bin, aber ich lag wie an Ketten geschlossen in einer ewgen Betrachtung meines lustigen Zustandes: ich konnte manchmal gar nicht begreifen, wie ich hiehergekommen sei, und hatte einen recht deutlichen Begriff, wie es sich so schön breit auf einem Trone sitzt, und wie unausstehlich es sein muss, Kron und Zepter hinzureichen. – –

Wie einem kind, das zum erstenmal Komödie gespielt hat, und die bunten Kleider nicht ausziehen mag, war mir zu Mutenein, sagte ich, du kannst den vortrefflichen Schlafrock gar nicht wieder ausziehen, und wünschte wirklich sehnlich, es möchten ein paar Diebe hereinkommen, und meinen schwarzen Frack und die ledernen Beinkleider stehlen. –

Da ging die tür neben dem Bette leise auf, ich schämte mich ein wenig. –

"Ach, er ist noch nicht auf!" sagte eine weibliche stimme; der Vorhang über meinem kopf wurde zurückgezogen. Ich machte die Augen zu, wie der verfolgte Vogel Strauss mit dem Glauben den Kopf versteckt, wenn er nicht sehe, werde er nicht gesehen, und es ergoss sich ein Körbchen mit Blumen über mein Gesicht. –

Da ich hörte, dass die freundliche Geberin forteilte, nachdem sie mir ihren Liebesdienst erzeigt hattesprang ich aus dem Bette und verriegelte die Tür.

Ich trat in meinem Ornate vor den Spiegel, und freute mich meiner kindischen Eitelkeit, dann guckte ich etwas zum Fenster hinaus: die Arbeiter waren wieder rings in den Hügeln und Gärten beschäftigt, ich war recht froh, und die natur viel schöner als mein Lebtageich sagte recht von Herzen:

"Dies ist Liebchens Fenster, und ich sehe nun in das heitere Gemälde aus einem traulichen Vorgrund; leset nur eure Weinbeeren, Küsse sind doch süsser; mein Herbst klingt nicht, und singt nicht, aber ich gebe ihn doch nicht um den eurigen." –

Dann kleidete ich mich schnell an, und wie ich den seidnen Schlafrock ablegte, legte ich viel frohen Mut ab, und als ich in meinem schwarzen Fracke steckte, war ich wieder voller Grundsätze –, aber ich ärgerte mich drüber.

Sechsunddreissigstes Kapitel

Ich verliess die stube und ging durch die langen Gänge des Hauses, und betrachtete die verschiedenen alten Bilder. Da ich neben eine Tür vor ein solches Bild trat, hörte ich in der stube sprechen, und erkannte Violettens stimme, die mit einem kleinen Mädchen sprach, das Kind sagte: –

"Violette, nun habe ich dir helfen die Blumen suchen, nun lehre mich auch singen."

"Nun komm her, Flametta," sagte Violette, "aber höre auch hübsch zu, und singe mit."

Da es das Kind versprochen hattesang Violette mit ihm folgendes Kinderlied: –

Anne Margritchen!

Was willst du, mein Liebchen?

Ich trinke so gerne

Gezuckerten Wein.

Zwei Pfund Zuckerchen,

Ein Pfund Butterchen,

Schütt es ins Kesselchen,

Rühr es mit dem Löffelchen.

Zwei Masse Wein,

So muss es gut sein.

Anne Margritchen,

Was Zipfel ist das?

Eine Weinsupp, eine Weinsupp!

"Nun kann ich es," sagte Flametta, "nun will ich auch wieder mit in den Garten gehen, – aber sage mir, warum hast du so ein Holz in deinem Bettchen liegen?" –

"Das Kissen ist mir zu niedrig," sagte Violette. –

Hier trat ich an die Tür, die nur angelehnt war, und fragte: "Darf ich mit in den Garten gehen, Violette?"

Als sie meine Worte hörten, sprangen sie hinter die Tür, die ich leise eröffnete: vor mir stand Violettens Bett, in dem ich ein scharfes eckichtes Scheit Holz liegen sah. – Violette sprang plötzlich hervor, und riss den Vorhang des Bettes zu, sie glühte über und über vor Scham.

"Fort, fort, aus der Mädchen-stube!" rief sie dann heftig. "Jage ihn fort, Flametta." –

Flametta nahm einen kleinen Stecken, und ging auf mich los, mit den Worten:

"Fort, fort, aus der Mädchen-stube!"

Einer solchen Übermacht konnte ich nicht widerstehen, und verliess die Kinder. Vor der tür rief ich:

"Violette kommen Sie doch zu mir in den Garten."

Da rief sie heraus: –

"Vielleichtja, ja ich komme." –

Im haus sah ich wenige Diener, nur zwei hübsche Mädchen in der Küche: sie lachten, als sie mich sahen, und versteckten sich, ich musste mich zusammennehmen, und rief der einen zu: –

"