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neuern Ahnherrn auf und ab, wie auf meinen Verwandten; ich ergötzte mich ebenso an den Damen, und wunderte mich, wie freundlich ihre Schnürbrüste aus einem Gesichtspunkte waren; ich nahm sie nämlich als cornu copiae und freute mich der schönen Früchte, die aus ihnen hervordrangen, und hier und da zierlich mit Blumen zusammengestellt waren.

Es war mir, als hätte ich von allen den Leuten erzählen hören, und konnte mich nicht entalten, dem Bilde des verstorbenen Grafen, der mir gegenüber hing, ein kleines lächelndes Kompliment zu machen, denn ich erinnere mich nicht, dass es mir je so leicht und so lustig zu Mute war. –

Nachdem ich alle fremde Geschäfte besorgt hatte, wendete ich meine Gedanken auf meine eigne person, und bekam keine geringe Hochachtung vor ihr. –

Zuerst in welchem herrlichen, ja herrschaftlichen Bette, vielmehr Schlafgebäude, Schlummerpalast, Ruhetempel befand ich mich, wenn ich heute nacht sollte geschnarcht haben, – die hochwürdigen Herrn des Klosters, das ich am Anfange meiner Herreise besuchte, konnten in ihren Chorstühlen so ehrenvoll nicht gesungen haben, – ein wahrer Krönungssaal schien dieses vortreffliche Ehebett zu sein.

Hierauf die wackere Bettdecke, deren Lob ich keineswegs verschweigen darf, denn ich fand sie den schwebenden Gärten der Semiramis zu vergleichen, meine Augen lustwandelten durch die tausend Irrgänge ihres damastnen Grundes, und ergötzten sich an dem prächtigen verschlungenen Namen des Grafen und der Gräfin, der in der Mitte allegorisch gestickt war.

O! und ich selbstein blauatlassner Schlafrock, mit roten Aufschlägen, an dem Ärmel mit dem kleinen gräflichen Wappen gezeichnet, sollte ich nicht stolz sein, in so ehrenvoller Uniform? Ich drückte die Füsse zusammen, um mich zu überzeugen, dass ich keine Stiefel anhabe, denn ich hatte die Empfindung, als wäre ich in Diensten, aber ich sah bald ein, dass es Interimsuniform war. –

Vor dem Bette knieten vier Untertanen, recht zärtlich abwechselnd, ein Pantoffel von mir, und dann ein Pantöffelchen, sie harrten untertänigst, dass wir sie mit Füssen treten sollten.

Ich wendete mich nun gegen meine Gemahlin, und bemerkte, wie witzig das batistene Bettuch mit Spitzen durchbrochen war, und wie naiv ihre weisse Schulter durchblickte. –

Ach welche reizende Gemahlin habe ich, wie hinreissend, wie fesselnd, es ist ordentlich unangenehm, und erschwert einem die Menschenfreundlichkeit, sie ruhig schlafen zu lassen. – Wie glücklich, und wie unglücklich bin ich! – muss ich nicht eifersüchtig sein?

Aber was liegt vor mir auf dem stuhl, ein schwarzer Frack, lederne Beinkleider, und dort ungrische Stiefeln, ein runder Hut auf dem Tische, das sind ja meine Kleider nicht. – Welcher junge Herr hat sich hier ausgekleidet, – habe ich nicht Ursache, eifersüchtig zu sein? – Ich sehe ja meine kaiserliche Uniform nirgends; sollte ich diese Nacht betrogen worden sein, sollte mein Weib ihre Untreue hier in meiner Gegenwartder junge Mann hat in der Dunkelheit meine Kleider vielleicht ergriffen? –

Da bewegte sich die Gräfin, und meine Einbildung, als sei ich der verstorbene Graf, verschwand. –

Ich stellte mich schlafend, und beobachtete durch die Augen blinzend, was die Gräfin für Betrachtungen den meinigen entgegensetzen würde.

Aber sie setzte die Betrachtung meiner person meinen Betrachtungen entgegen.

Sie lehnte den Kopf auf ihren weissen Arm, und blickte mich freundlich an, und ich betrog das Glück, das mir im Schlafe zu kommen glaubte, ich nahm ihre Küsse stille hin.

Ich biss auf die Zunge, um nicht zu lächeln, ich biss auf die Zunge, um die Lust zu ertragen, wie andere es tun, um den Schmerz.

Moralisch freute ich mich, als ich merkte, dass sie aufstand, ohne mich zu wecken, denn es war wirklich ein Beweis eines sehr liebenden Herzens, dass sie mich schlafen liess, da sie wusste, dass ich nicht zu Leiden erwachen würde; ja es lag mir in dem Augenblick viel Unschuld in dieser Handlung, sie konnte noch denken, dass der Schlaf süsser sei als die Lust. –

Wie sie sich leise in die Höhe richtete, als erstehe ein tugendhaftes Weib zur Seligkeit, wie sie mit Grazie und schüchterner Lust auf mich niedersah, dass ihr zarter Fuss mich nicht berühre. – Wie die Wurzeln unter der Rose lag ich und drängte ihr Liebe entgegen, – wie sie über mich hintrat, stand mein Puls still und mein Leben hielt ein, als griffe ein schöneres Leben in seine Räder. – Ich ruhte wie die Asche eines Geweihten unter den Säulen des Tempels der Liebe. –

Und leiser soll mein Geist einst nicht über das Grab meiner Geliebten schweben, als sie über mich hinschritt. –

Sie schlüpfte in ihre Pantöffelchen, und zeigte mir, indem sie sich sorglos vor mir ankleidete, mehr keusche Blösse als eine tugendhafte Jungfrau, die ganz allein sich auskleidet.

Da sie ihre männliche Kleidung angelegt hatte, schrieb sie mit Bleistift ein Zettelchen, kam vor das Bett, kniete nieder und steckte es mir mit einer Nadel auf das gräfliche Wappen, das am Ärmel meines Schlafrocks war, dann verliess sie in Stiefeln und Sporn die stube.

Auf dem Zettelchen standen folgende Worte –:

"Guten Morgen, schöner Freund! gut geschlafen? Ich habe ein moralisches Kunststückchen gemacht, Sie nicht zu erwecken; was kann man von einer Heidin, gegen die man als Frauenzimmer doch galant sein muss, mehr begehren, wie kann man seinen Tag besser anfangen? Doch Scherz beiseite