, – nein, nur den Jüngling wie viele – denn ich war noch nicht, und warum sollte ich nicht werden?
Jetzt, da mein Herz sich öffnen wollte, um alles zu umfassen, was lebt und liebt, legt sich der Tod ihm in die arme. –
Ich habe vieles noch zu tun, so vieles – und soll sterben – die Menschen wissen nicht, dass ich ihr Bruder bin, und dass ich es verdiene – o mein Freund! wenn Sie wüssten, was ich verlasse; Einer nur wird wissen, was ich verlasse, und er wird es nicht glauben. –
Ich soll das Leben aufgeben? der die Liebe noch nicht aufgegeben, die ihn aufgab – dies ist kein schöner Tod – es bricht, es löst sich nicht. –
O! es ist ein grosser Unterschied zwischen dem Traume der Liebe und der Liebe des Traumes. – Der Traum der Liebe ist in der Liebe, aber die Liebe des Traumes ist nur im Traume. –
Wenn die Liebe einschlummert und träumt, träumt sie den Traum der Liebe, und dieser Traum ist jener stille schöne Schmerz, jenes Bangen, ich möchte sagen, die Seele aller sehnsucht, und die sentimentale Poesie der Liebenden. –
Mir ist jede unvollendete Harmonie in den Naturerscheinungen, jenes Streben des Formlosen und Toten nach Gestalt und Leben, wo Seele und Stoff mit innerm Drange zueinander streben, und der Stoff von dem Strahle des Geistes nur erglüht und schmerzlich wieder in den Tod zurücksinkt, so ein Traum der Liebe. –
Verstehen Sie mich? – nein. –
So ist mein Ausdruck selbst ein Beispiel eines solchen Traumes der Liebe, in dem der Gedanke und das Zeichen nicht zum Worte wurden. –
Ich glaube es Ihnen aber deutlicher zu sagen, lieber Godwi, wenn ich schweige, und Sie bitte, ans Fenster zu treten. – Sie sehen die roten Flammen des Abends, wie die Berge von ihnen entzündet werden und Feuer zu duften scheinen, und wie diese Flammen sich mannigfach gestalten, und ganze Landschaften zu werden scheinen. – Was ist die Flamme anders als die Gestalt des Feuers, und das Feuer anders als die Gestalt der Wärme, und diese als die Gestalt des Lichts?
Sie sehen, wie sich das Licht von dem Stoffe ergriffen zur Flamme zu bilden scheint, und wie die Flamme den Berg und den Wald entzündet, und sich die ganze Gegend nach dem Lichte sehnt; es ist, als sei nichts in Ruhe, und das innere willenlose Treiben kehre sich heraus, und doch ist alles Ruhe, eigentliches Gefühl der Ruhe, in dem sich die Ruhe aufhebt. – Dies ist ein Traum der Liebe. Und ist Liebe in Ihnen, so müssen Sie einstimmen in diesen allgemeinen Traum, auch Sie ergreift die allgemeine sehnsucht; aber Ihre sehnsucht ist nur die Ihrige, – und wer keine Liebe hat, möchte sterben in dieser Minute. –
Aber es gibt einen Traum des Lebens, der Liebe zu umfassen glaubt; aber Liebe ist nur Wahrheit – und jene luftigen unbestimmten Seelen, die es nur zum Reize und nie zur Schönheit bringen, träumen dieses Leben, und ihre Liebe ist eine solche Liebe des Traumes, – sie ist ohne Bestimmung, mit unendlichem Reize, ohne Ziel, wo sich alle diese Mittel zu einer Schöpfung vereinigten.
Wer sich ihnen hingiebt mit seiner Liebe, muss mit diesen Blumen verwelken – lieben darf man sie als Frühling und Poesie, aber nie als einzelne Blumen.
Nur das starke gesunde Gemüt wagt nichts mit ihnen, es blickt auf sie nieder, wie auf die Blumen, die es seiner Geliebten bricht, die es in den Triumph seines Lorbeers flicht, damit der Ernst auch lächle, und schützt sie sogar wie zarte Kinder, wie lieblose Unschuld, und nimmt sie wie ein reines Bild der blossen Schönheit.
Wendet er aber seine Liebe zu diesen hin, die sich nach seiner Liebe wenden müssten, so ist es, als wende sich die Sonne nach der Blume, und die Blume nicht nach ihr. –
Ihr Leben ist eine blosse Allegorie, ihre Liebe nur leiser Erguss, nicht der Schöpfung, nur des Todes. –
Mir, lieber Godwi, sollte ich sterben, sollen Sie einen einfachen Stein setzen, und darauf die letzte Terzine dieses schlechten Sonetts." –
Sonett
O schwerer heisser Tag, ihr leichtes Leben
Schliesst müde weinend seine Augenlider,
Schon senkt der Schlaf das tauende Gefieder,
Um solche Schönheit kühl ein Dach zu weben. –
Von ihren Lippen leise Worte schweben,
"Du Liebe süsser Träume, kehre wieder!"
Da lässt sich ihr der Traum der Liebe nieder,
Um ihres Schlummers kranke Lust zu heben. –
"Du Traum!" – "Ich bin kein Traum," spricht er
mit Bangen,
"O lass uns nicht so holdes Glück versäumen!"
Da weckt er sie, und wollte sie umfangen. –
Sprecht! Wessen bin ich? Wer hat mich besessen?
Ich lebte nie – war eines Weibes Träumen –
Und nimmer starb ich. – Sie hat mein vergessen.
Fünfunddreissigstes Kapitel
Als ich erwachte, blickte ich durch die stube hin. Nach der Gräfin zu sehen, hatte ich den Mut nicht. Es war eine ganz eigne Empfindung, wie ich mich mit allem verwandt fühlte, mit den alten Schränken und dem Gipsbilde, den Sesseln und mit dem kleinen Sopha im Erker.
Meine Augen liefen an den sauren Gesichtern der Ritterbilder und den süsslich ernsten der