1801_Bretano_008_144.txt

Mutter immer gehorsam zu seinda kam sie, da musste ich herüber, und nun ist alle meine Freude hin." –

"Meine Liebe, halten Sie es denn für Sünde, bei mir zu sein?" –

"Ich weiss nicht, aber gut ist es nicht. Die Mutter hat mir es schon einmal so gemacht, da küsste mich der Mann, und war so heftigmein Herr, ich kann es nicht vergessen, – ich konnte es lange nicht vergessen, und seit jener Zeit bin ich nicht mehr ruhig, ich kann an nichts allein denken, es sind immer andre ängstliche Gedanken dabei, die ich nicht versteheals ich es beichtete, schmälte mich der Pater sehr, und sagte: ich sollte mir solche Gedanken aus dem Sinne schlagen, – sie führten zum Verderbendas wären böse weltliche Gedanken."

"Und ist Ihnen das gelungen?"

"In der beichte hatte ich gar nicht daran gedacht, dass ich nicht wisse, was das sei: aus dem Sinn schlagen, aber ich war des Paters Worten recht getreu, und gab mir alle Mühe, – doch ich konnte so gar nicht recht Reu und Leid erwecken vor den Gedanken, und je mehr ich mich quälte, je grösser und wunderlicher wurden die Bilder in mir, – ich wusste mich nicht zu lassen, und gab mir alle Mühemeine Mutter bemerkte es, – denn ich schnitt manchmal ordentlich Gesichter, – da ich ihr sagte, was es sei, lachte sie mich aus und sprach: ich sollte froh sein, dass ich einmal zu denken anfange, der Pater meine das nicht so, wenn er sage: 'Schlage dir es aus dem Sinn', so heisse das: 'Lasse dir nicht bang drum sein.'" –

Godwi war fest entschlossen, sobald er mit der Mutter zusammenkomme, sie recht ernstlich darüber zu Rede zu stellen, und sie dazu zu bewegen, das Mädchen lieber von sich zu entfernen. Er wendete sich wieder zu ihr und sprach:

"Liebe Violette, Ihr Unglück tut mir sehr weh, wenn ich Sie irgend erschreckt habe, so sollen Sie mir es verzeihen; ich will auch mit Ihrer Mutter sprechen, und mich bemühen, dass sie Sie mit allen solchen Anmutungen verschontreichen Sie mir die Hand darauf, nicht wahr, wir sind gute Freunde?" –

Violette gab ihm zitternd die Hand, und näherte sich ihm vertraulich. –

"Ich gebe Ihnen gern die Hand, und sind Sie so, wie Sie scheinen? Wie froh wäre ich, wenn Sie mein Freund sein wollten, ich bin recht verlassen hier." –

Hier ward sie wieder stumm, und lehnte die Stirne an seine Schulter. – Godwi umfasste sie leis, und sagte:

"Gutes Mädchen, wie alt sind Sie?" –

"Ich bin funfzehn Jahre alt; wie alt sind Sie denn?"

Diese Frage störte ihn etwas, und er antwortete lieber nicht darauf.

"Ihr Vater lebt wohl nicht mehr, und Sie haben keine Geschwister?"

"Mein Vater ist schon einige Jahre tot, ich habe aber noch eine kleine Schwester, sie ist nun fünf Jahre alt. Ich erinnere mich meines Vaters noch wohl, er war ein kleiner Mann, und nie recht freundlich; – zweimal erinnere ich mich recht deutlich, wie er aussah, ich meine, ich sähe ihn noch. – Er sass hier, wo wir sitzen, und zankte mit einem Pächter. Der Pächter stand in der Mitte der stube, und sagte immer: 'Ich kann nichts davor, gnädiger Herr, – die gnädige Frau hat mir gesagt, sie würde mich von Haus und Hof peitschen lassen, wenn ich dem Jungen noch einmal einen Schlag gäbe, was soll ich nun machen?' – 'Er soll den Burschen unter die Soldaten schicken, oder ich schicke ihn hin' – da kam meine Mutter herein, und mein Vater schwieg still, schickte den Pächter weg, und sagte: 'Es ist gut.' –

Meine Mutter aber sagte: 'Was haben Sie wieder mit dem mann gehabt, wollen Sie denn mit aller Gewalt einen Gerichtshof aus meiner Schlafstube machen? Ich muss genug wesentliche Schwächen hier von Ihnen ertragen, sparen Sie Ihre unwesentlichen.' –

'Ich sorge für meine Ruhe und die Ihrige, Madame', sagte mein Vater. –

Meine Mutter aber lachte; 'Sie müssen sehr ruhig sein,' sagte sie, 'dass Ihnen der Sohn dieses bauern so viel Unruhe macht; aber er soll nun bald immer um Sie sein, damit Sie sich an den armen Jungen gewöhnen, ich habe ihn heute als Jokei angenommen', – da ging sie auf meinen Vater zu, und küsste ihn mit den Worten; – 'Sei nicht so kümmerlich, alter Mann, da du ein junges Weib hast, musst du auch hübsch freundlich sein', – dann ging sie weg, – o ich weiss es noch recht gut, und kann es nicht vergessen! Ich sass hier auf der stube des Erkers, und spielte mit dem Joli, der dort auf dem Bette liegt, er war damals noch ganz klein, – aber ich glaube, ich hätte es nicht so behalten, wenn nicht geschehen wäre, was gleich darauf folgte. –

Mein Vater sass so traurig da, und das tat mir leid: ich näherte mich ihm, und sagte: '