Von tönenden Schimmern,
Um Kling und um Klang,
Um Sing und um Sang
Schweifen die Pfeifen, und greifen
Ans Herz,
Mit Freud und mit Schmerz.
Dreiunddreissigstes Kapitel
Mit sanften Händen zog es ihn nieder, und er setzte sich gerne.
"Ich weiss es nicht anders zu machen, lieber Freund," sagte das Mädchen, "es war mir angst und bange vor Ihnen. Da Sie so wild ans Fenster stürzten, glaubte ich, Sie wollten hinausspringen."
"Aber um Gottes willen, ich weiss ja gar nicht, wo ich bin, wie von einem Gewitter in ein fremdes Haus, in eine dunkle stube getragen, und ich glaubte, in eine grosse Gesellschaft zu kommen." –
"Haben Sie eine solche Freude an grosser Gesellschaft?"
"Nein! aber ich mache gern alle Bekanntschaften bei vielen Lichtern, im Lichte will ich leben, und in der Nacht sterben." –
Mit diesen Worten nahm er das Mädchen freundlich bei der Hand, und zog sie ans offne Fenster.
"Kommen Sie ans Sternenlicht, meine Liebe." –
Das Mädchen sah schüchtern an die Erde, er fasste sie unter das Kinn, und hob ihr das Köpfchen in die Höhe: da sah sie ihn freundlich mit ihren grossen dunklen Augen an, und es rollte eine Träne auf seine Hand – die Träne fiel Godwi aufs Herz. –
Es war ihm, als habe er das Mädchen schon gesehen.
"Sie weinen", sagte er freundlich zu ihr.
"Ach, mein Herr! es tut mir so manches leid, so leid, das Herz möchte mir brechen." – Da wendete sie sich schnell von ihm, und setzte sich auf das Sopha und weinte laut. –
Godwi stand am Fenster, er war so verlegen, so gerührt, er machte sich Vorwürfe, und wusste nicht warum, hatte er die Unschuld verführen wollen? Er hatte ja an keine Unschuld der ganzen Welt nur gedacht – warum weinte das Mädchen nur, warum war sie da, warum hatte sie ihn zu sich gezogen?
Er näherte sich ihr, und sprach mit sanfter gelassener stimme:
"Meine Liebe, weinen Sie nicht! ich weiss ja nicht, warum und wie ich herkomme. – Auch will ich Ihnen gar nichts tun, – sagen Sie mir, wo bin ich, wer sind Sie, wer hat mich hierher gebracht?"
Da richtete sie sich in die Höhe und sagte: –
"Ach, mein Herr, ich bin Violette, die Tochter der Gräfin von G., und das ist unser Gut. Sie haben mir auch nichts getan, und das ist es nicht; aber ich muss doch weinen." –
"Was fehlt Ihnen nur, und wer hat mich nur hierhergebracht?"
"Meine Mutter hat Sie hergebracht." –
"Ihre Mutter? es war ja ein Reiter." –
"Meine Mutter reitet immer wie ein Mann gekleidet."
"Aber waren Sie denn in der stube, als ich hereintrat?" –
"Nein, meine Mutter schickte mich erst herein! Sie sagte, ich sollte Sie unterhalten, bis sie käme: dort neben dem Bette war die Tür offen, da kam ich herein, Sie rührten mich an, ich war fast des Todes vor Schrecken, und ich durfte doch nicht fortlaufen, da schlug ich die Tür zu und lief hierher." –
"Aber ich hörte Sie ja nicht laufen."
"Ach, das ist es eben, ich bin mit blossen Füssen." –
Das Mädchen drängte sich in den Winkel und sagte:
"Ach wie schäme ich mich." –
Godwi wusste nun gar nicht, was er mit ihr anfangen sollte. –
"Sind Sie denn nicht gerne hierher gegangen?" –
"Gewiss nicht, gewiss nicht, heute nun gewiss nicht – die Mutter jagte mich aus dem Bette, ich war schon eingeschlafen, sie sagte: junge Mädchen müssten immer lustig sein, und ich sollte mich nicht so kindisch betragen, wenn sie mich nicht wie ein Kind behandle – sie sei so freundlich gegen mich und wolle mir eine Freude machen, nun solle ich auch nicht eigensinnig sein; – 'ach, liebe Mutter,' sagte ich, 'es macht mir sicher keine Freude;' – 'zier dich nicht, Violette,' sagte sie dann, – 'tue mir den Gefallen, und gehe hin, und sprich mit dem mann, sag ihm, ich käme bald: es ist der artige Mann, der jüngst so freundlich mit dir tanzte', da zog sie mir die Decke weg, und lachte mich aus, ich musste herüber, ich konnte mich nicht einmal ankleiden." –
"Ihre Mutter ist ein seltsames Weib; glaubt sie denn wirklich, dass Ihnen so etwas Spass mache?" –
"Wohl muss sie es glauben, und ein andermal würde es mich auch so nicht betrüben – aber heute –"
"Waren Sie denn heute so müde?"
"Das nicht, aber ich bin lange nicht so zufrieden zu Bette gegangen, ich hatte den ganzen Tag überdacht, ja zwei Tage, und es fiel mir gar keine Sünde ein; ich habe am Sonntage erst gebeichtet, und ich verglich mein ganzes Tun mit dem, was mir der Pater gesagt hatte, und es war auch kein Fleckchen zu finden, ich betete noch, wie ich es nur machen sollte, der