Heimlichkeiten, er wünschte alle die Freude aus Liebchens Fenster zu sehen, und still vor sich hinzudenken: mein Herbst klingt nicht, und singt nicht, aber ich gebe ihn nicht um den eurigen.
Er hätte zwar sehr leicht ein Liebchen finden können, aber er wollte kein sehr leichtes, und hätte er sich Mühe gegeben, er wäre auch zu gediegneren Verbindungen gelangt, aber er fürchtete die Dauer.
Geniessen wollte er, und wie gern war es ihm zu verzeihen, der so lange in traurigen Familien-Geschichten verstrickt war. Mit Bequemlichkeit wollte er geniessen, das Leben oben auf dem Berge hatte ihn mit Bedürfnissen bereichert.
Otilien und den Greis und Kordelien, und Gott weiss, wie die verschrobenen edlen Seelen alle hiessen, vergass er gleich bei dem zweiten Becher Wein, bei dem dritten schwor er, nie ihre Gesundheit zu trinken, und dem vierten, sich selbst zu bewegen, und nun einmal ohne alle Barmherzigkeit zu leben.
Da er so abends am Rheine hinabritt, gesellte sich noch ein Reiter zu ihm. Es dämmerte schon, er konnte ihn nicht erkennen; doch bemerkte er an dem Tone, mit dem er ihn grüsste, dass es ein sehr junger Mensch sein müsse.
Man fragte sich, wo der Weg hingehe, Godwi sagte recht aufrichtig:
"Mein Weg geht schnurstracks irgend wohin, wo ich Vergnügen zu finden denke." –
"Vergnügen? Was nennen Sie so, wollen Sie etwa auf dem nächsten dorf mit ein paar Bäschen irgend eines Weinhändlers Lotto spielen, oder sich von einem konservierten Mainzer Offizianten alle Weinjahre herzählen lassen? – oder" –
"Nein, ich bitte Sie, zum Ekel, das habe ich genug! Aber ich reite immerzu, und käme ich nach Holland, ich suche, was ich eben nicht aussprechen kann, ich weiss nicht, ob es links oder rechts liegt, ich suche ein Verhältnis." –
"Ein Verhältnis?"
"Nun ja, ich möchte gern lieben, und geliebt werden, und ohne Not und Angst, ohne Sorgen und Mühe, denn ich fürchte mich vor nichts mehr als der Zärtlichkeit, einen geschwornern Feind von der sentimentalen Welt können Sie sich nicht denken: ich habe heute abend einige rührende Gedanken bemerkt, die mir aus dem Herzen heraufkletterten, wenn die meiner nicht gedenken, so weiss ich nicht, ich habe ihnen gleich eine solche Quantität Wein entgegengeschickt, dass ihnen hören und Sehen verging, und sie Kopf über hinabstürzten." –
"Sie scheinen noch recht begeistert von Ihrem Siege, und verdienen einen Lorbeerkranz, – reiten Sie mit mir links, ich will Sie in eine Gesellschaft bringen, wo Sie sicher alles finden werden, was man von Weibern verlangen kann." –
"Ich reite mit." –
Nun wendete der Begleiter sein Rösslein feldeinwärts, den Berg hinan, und sang mit einer hübschen stimme dieses Volkslied. –
Ein Ritter an dem Rheine ritt
In dunkler Nacht dahin,
Ein Ritterlein, das reitet mit
Und fragt: Wohin dein Sinn?
Mein Sinn, der steht nach Minnen,
Ich hab mich rum geschlagen,
Und konnte doch nichts gewinnen,
Und musst das Leben wagen.
Ei, hast du nicht die Ehr davon?
Die Ehr ist hohes Gut –
Ich hätt die liebe Zeit davon,
Die Ehr ist mir kein Gut. –
Mein Blut ist hingeflossen
Rot zu der Erde nieder,
So warm ich es vergossen,
gibt mir es die Ehr nicht wieder.
Da sprach das kleine Ritterlein:
Dass Gott sich dein erbarm!
Du musst ein schlechter Ritter sein,
Weil deine Ehr so arm. –
Ich will nun mit dir rechten,
Weil du nicht ehrst die Ehre;
Mein Ehr will ich verfechten,
Setz deine nur zur Wehre.
Des Ritters Unwill war sehr gross,
Drum er vom Rosse sprang,
Auch machet sich der Kleine los
Und sich zur Erde schwang. –
Da fühlt sich der Geselle
Von hinten fest umwinden.
Es ist die Nacht nicht helle,
Sie streiten wie die Blinden.
Und sinken beide in den Klee –
Ei sprich! wer hat gesiegt!
Der Ritter ohne Ach und Weh –
Bei einer Jungfrau liegt.
Ei hast du nicht die Ehr davon?
Die Ehr ist hohes Gut –
Ich hätt die liebe Zeit davon,
Die Ehr ist mir kein Gut. –
Godwi erfreute sich an dem muntern lied seines Gesellschafters, und folgte ihm recht guten Mutes, und mit dunklen Hoffnungen.
An dem halben Berge lag ein altes Schloss, das noch bewohnt war, obschon es nicht ganz so aussah, denn es waren keine Lichter in den Fenstern, die Tore standen weit auf, und im hof regte sich weder Hund noch Mensch.
"Steiget ab, mein Freund, und lasst Euer Pferd nur laufen," sagte der kleine Geselle, herunterspringend.
Godwi war es manchmal zu Mute, als wäre der kleine Mann ein Gespenst aus alter Zeit, denn er hatte einen Federhut auf, und war in einen Mantel gehüllt. –
"Aber wird mein Pferd nicht fortlaufen, wenn es kein Diener anhält – die Tore stehen ja sperreweit offen – mein Freund."
Der kleine Reiter aber machte nicht viel Komplimente fasste Godwi beim Arm, zog ihn die Treppen hinauf, und lachte, wenn er anstiess.
Oben sagte er: "Nun legt Euren Mantel ab, nehmt den Hut in die Hand – wir sind an der tür, gleich werden wir in der Gesellschaft sein." –
Godwi tat,