Einerleiklang werden; und wer gibt das Konzert, der, der das Solo spielt, oder die, welche akkompagnieren? Das Allgemeine würde ohne meinesgleichen über dem alten Adagio, das ihr von Ewigkeit zu Ewigkeit zum allgemeinen Besten aufspielet, vor Langeweile einschlafen, und überhaupt müsst ihr mir erst das allgemein Ähnliche vorzeigen, wenn ich an ein allgemein Bestes glauben soll, von dem ich eben die Vortrefflichen nicht soviel Lärmens machen hörte.
Soll ich mein Leben vielleicht auf einen Karren packen lassen und es auf Rädern, die sich immer um sich selbst drehen und keiner Pfütze ausweichen, hinleiern? Nein, auf einem unbändigen Rosse ein mächtiger Reuter, will ich meine Bahn durch eilen, um auf vielen Umwegen mit euch Langsamen zugleich anzukommen und doch von manchem goldnen rand einen Tropfen, von mancher Purpurlippe einen Kuss gesaugt zu haben. Leben heisst nicht hundert Jahre alt werden, Leben heisst Fühlen und Fühlenmachen, dass man dasei, durch Genuss, den man nimmt und mit sich wiedergiebt.
Für zwei Pfennige Gift tötet mehr Fliegen in einer Stunde, als ihr Herrn Praktiker mit all euren Pantoffeln in einer Woche wegklatscht, und ein Ankertau von einer halben Elle derb gefasst, rettet einen braven Purschen eher im Sturme als ein ganzes Knaul Bindfaden.
Die Folgen! höre ich dich sagen. Die Folgen verfolgen nur den Unmässigen. Die Leidenschaften des weisen Menschen nach meinem Systeme können ihn zwar in die arme der Wollust, aber nie in die des Lasters führen; sein geübter, sein geschmeidiger Geist leitet ihn, nie führt er ihn zu Ausschweifungen. Denn wie mag sich der Tropfen einfallen lassen, im Meere auszuschweifen. Betrachte alle die Unglücklichen, gegen die die Gerechtigkeit Rache erheben muss; du wirst Feuergeister oder begrenzte Menschen, aber nur Dummköpfe und Abergläubische finden.
Ich hoffe, ich fürchte nichts nach meinem tod. Ich habe kaum Kräfte genug, mich und meine Sphäre auszufüllen; soll ich mir meinen Raum erweitern, da dieser schon unermesslich ist? Wer sich ins Unendliche verdünnt, dessen Umfang muss man mit Mikroskopen suchen, dessen Inhalt muss man mit Säuren finden, und ich mag gerade nicht allein für einen Optiker oder Chemiker leben. Kleinigkeitsgeister, verkrüppelte Menschen, Versteinerungen und die liquidesten Solutionen hoffen auf ein Jenseits, weil sie sich hier in einem Puppenschranke wähnen, oder an einer Krücke, oder der Stein des allgemeinen Anstosses sind, oder als unschuldig leidende, verkannte junge Herren herumseufzen. Der erste hofft, Bebe beim heiligen Christophel zu werden; der andere erwartet ein Hospital, in dem seine kranke Seele die Hauptrolle spielen wird; der dritte erwartet, dass der Patron des Steinschleifer Meier aus Carlsruhe im Himmel sitze und aus ihm eine Garnitur Knöpfe für den Sonntagsrock des lieben Herrgotts schleifen werde; und der vierte endlich glänzt schon in seiner idee als Tauperle an der Keuschheits-Lilie des heiligen Aloysius, träufelt schon als Jupiters goldner Regen in den Schoss der Danae oder wird gar aus Landwein zum heiligen Blute. – Doch ich wäre bald bitter geworden.
Ich hoffe nichts nach meinem tod; dies ist mir eine Ursache mehr, gut zu sein. Ich befestige, ich ermuntere mich so in der Maxime, die mich handeln macht, weil sie dadurch ganz menschlich, ganz natürlich, ganz mein Eigentum wird. Sie heisst Genugtuung, die ich empfinde, mit mir selbst zufrieden zu sein. Nie will ich über meine Menschlichkeit erröten, ich will meine Leidenschaften, statt sie zu unterdrükken, benutzen; sie verbinden die Menschen unter einander, und diese Verbindung ist mir alles.
Geistreiche Freundschaft, geistreiche Liebe, geistreicher Wein und ein Lied an die Freude von Schiller, an deiner Hand, in Jodunos Arm, in meinem Glase, von Molly gesungen, schöne natur um mich her, und der Eichbaum über uns. Wo ist euer Jenseits? Dein Händedruck hört auf, du musst Geld zählen; Jodunos Kuss fällt von meinen Lippen, sie muss husten; das Glas entsinkt mir, ich habe zuviel; Molly schweigt, sie hat zu hoch angefangen; der Winter legt die natur zur Ruhe und den Eichbaum, und ich schlafe mein Räuschchen aus; das ist mein Jenseits.
Du stellst Molly und Joduno zusammen; zwei sehr vollkommene, aber sehr verschiedene Wesen. Du wirst vielleicht Molly sehen, und dann wird auch gewiss dein Herz für deine Zunge büssen; sie geht ihren Weg nach grundsätzen wie der Mond, den weder das Anseufzen der Hasenfüsse noch das Anbellen der Hunde irre macht. Deine Auseinandersetzung ihrer Coquetterie ist recht gut geraten. Aber du hast gar nicht auf den rechten Fleck getroffen. Der Brief, den ich in der tasche trage, wird die Sache wohl ausmachen. übrigens habe innigen Dank für deine Freundschaft. Unter das Geheimnisvolle in Mollys Betragen gehört noch, dass ich nie erfahren konnte, wohin sie sonnabends fuhr, sie wollte immer allein sein. Der Wagen hielt in einem Holze, und sie stieg ab, um in einer Stunde wiederzukommen. Der Ort, wo der Wagen anhält, ist drei Meilen von B. hieher zu. Sie soll einigemal Bücher, Knabenkleidung und Musik mitgenommen haben. Alles dieses hat mir ihr Kutscher erzählt. Sollte sie etwa ein Kind der Liebe im Verborgenen erziehen lassen? Ich muss auf meiner weitern Reise in dem wald mich ein bisschen umsehen, vielleicht dass ich das Geheimnis erfahre.
Die Traurigkeit meines Vaters ist wohl nur durch entwicklung zu heben, die die Zeit und nicht wir durch unsern Trost herbeibringen können. Ich liebe ihn und er liebt