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hatte, denn er sagte mir:

"Die Brünette ist gestorben, sie hat unsre Liebe gestiftet, meine und Jodunos Liebe, das war die letzte und schönste Tat ihres Lebens; was sie am Allerseelen-Tage, da Joduno in F. ankam, gesagt hatte, als sie mit ihren Geschwistern vom grab ihrer Mutter zurückkam, ist wahr geworden. Es hat sie leise hinabgezogen, sie ist vorige Woche gestorben –".

Römer sagte mir noch, dass er Joduno nach haus begleite, um ihrem Vater seine Liebe darzustellen, und dann hänge es von der Güte meines Vaters ab, ihn zu unterstützen, damit er sich irgendwo ehrenvoll niederlassen könne. –

Hier sagte ich ihm nun, dass sein Vater und seine Mutter gefunden seien, und ihn auf der Burg erwarteten. Wir eilten dahin. –

So wunderbar verbunden waren nie Menschen wie diese, aber ich fühlte, dass ich nicht zu ihnen gehörte.

Mein Vater ging selbst nach Eichenwehen, um bei dem alten Edelmann die Tochter für Römer zu begehren, und sie ward ihm gegeben –. Römern aber übergab er seine Handlung, die dieser nach B. hinzog, damit Joduno näher bei ihrer Heimat sei –.

Mir ward dieses Gut und ein beträchtliches Vermögen zuteil, und mit dem kleinen Eusebio an der Spitze zog nun der Zug nach Italien.

An der Spitze flog Eusebio, hinter ihm Franzesko und Otilie, und hinter diesen mein Vater nebst dem alten Joseph, in ihrer Mitte aber Molly von Hodefield, so piramidalisch, wie die Störche fliegenadieu –."

"glückliche Reise," sagte ich, "kommt um Gotteswillen nicht wieder –!"

"Nein," sagte Godwi, "eine gute Partie ist davon gestorben. – Otilie lebt noch, sie hat sich Franzesko vermählt."

Nun sind wir mit dem verzweifelten zweiten Bande fertigich kniete mich vor meinen Freund, und bat ihn herzlich um Verzeihung. "Ich will es nicht wiedertun," sagte ich. –

"Eins noch habe ich vergessen," hob er zu meinem Schrecken wieder an, "ich muss noch einiges erzählen, was ich auf meinem Gute fand.

Ich reiste zurück frei und frank, und so gesund an Leib und Seele, wie ich es nimmer gehofft hatte. Da ich in dem wald ankam, fand ich das neu angelegte Jägerhaus, und in ihm Kordelien: wie sie hierhin gekommen war, habe ich nie erfahren, sie rechtfertigte sich durch ein Legat von meinem Vater, das ihr hier freien Unterhalt bis zu ihrem tod versicherte. –

Auf dem Gute selbst brachte ich noch einige Zeit zu, und beschäftigte mich teils mit den Gemälden und Statuen, die seit meiner Abwesenheit entstanden waren, teils mit meinem Gemüte. Nachdem ich dann mit den Wiedertäufern meine Rechnungen abgeschlossen und das Gut völlig übernommen hatte, entschloss ich mich, an den Rhein zur Weinlese zu reisen. Nun sind wir eigentlich fertig." – Hier nahm mich Godwi am arme, wir gingen aus der Eremitage zurück, und fanden Habern schon beschäftigt, seine Rolle in Flamettens Lustspiel auswendig zu lernen. –

Fragmentarische Fortsetzung

dieses Romans

während der letzten Krankheit des Verfassers, teils

von ihm selbst, teils von seinem Freunde

Georg, der Bediente Godwis, ist vorgestern gestorben. Als man ihn begrub, wo seine früher verstorbene Braut ruht, war es mir sehr traurig, ich konnte nur wünschen, auch da zu schlafen. – Warum man dieses wünschen kann, weiss kein Mensch. Meine Freunde sind wie Engel an meinem Lager, und sprechen mir freundlich Trost zu.

Godwi hat mir heute manches von seiner Reise an den Rhein erzählt, was ich niedergeschrieben habe, so gut es meine Krankheit erlaubt. Godwi reiste mit frohem Mute nach dem Rhein, trank mit den fröhlichen Weinlesern, und küsste die schönen lustigen Mädchen, wenn er mit ihnen getanzt hatte. Es war ein herrliches Leben, eine einzelne Liebe war nicht möglich, der Mensch konnte sich nicht zum einzelnen Menschen neigen, es war alles wie in einer goldnen Zeit, man liebte alles und ward von allem geliebt. – Die Berge waren nicht zu hoch, und die Täler nicht zu tief, und der Rhein nicht zu breit, die Freude und Gesundheit ebnete und einigte alles zu einem mannichfaltigen Tummelplatze glücklicher Menschen. In einer Abtei, die er besuchte, fand er recht lustige Mönche, die ihn gern unter sich behalten hätten, denn er trank mit ihnen herzlich, und sang ihnen muntre italiänische Arien zur Orgel.

Bald aber drängte sich ihm alles zusammen. Er ritt auf einem Streifzuge durch das freudige Land abends durch die Weinberge, rings schallten die Gesänge der zurückkehrenden Arbeiter, aus den Gärten brannten Feuerwerke in die Höhe, und jauchzende Stimmen tönten von allen Seiten. Alle Herzen waren erschlossen und hingegeben, aber er entbehrte doch einen Standpunkt, von dem er das alles hätte übersehen können. Er wünschte sich einen dunkeln vertraulichen Vorgrund zu dem freien hellen Gemälde, und eilte aus einem Zirkel in den andern.

Wie konnte er ein solches Bedürfnis nur auch in andern voraussetzen unter diesen unbefangnen Menschen, die das fest des fröhlichen Gottes versammelt hatte, sie lebten ja nur im Herbste, und waren zu dieser Freude aus dem ganzen land zusammen gezogen, und was wollte er dann, warum lachte und scherzte er, und ging dann finster weg, konnte er nicht genug haben, wo alle Überfluss fanden?

Das sind ganz öffentliche fragen; er aber sehnte sich nach