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Molly traf er die Verabredung, ihr aus Deutschland zu schreiben, ob und wo sie hinkommen solle –.

Was er dort fand, wissen Sie. –

Dreissigstes Kapitel

Joseph war eine Zeitlang umhergeirrt, verband sich endlich mit der Tochter eines Amtmanns in einem kleinen Städtchen, arbeitete mit seinem Vater zugleich: da dieser und bald darauf sein Weib gestorben war, zog er auf den Berg, wo wir ihn unter dem Namen Werde Senne kennen gelernt haben.

Godwi wendete sich hier lächelnd mit folgenden Worten zu mir:

"Sie sind wunderbar mit dem guten Joseph im ersten Bande umgesprungen, Sie haben einen so geheimnisreichen Grabstein aus ihm verfertigt, dass kein Mensch raten sollte, wen er bedeckt, ebenso mit Otilien."

"Ich kann mich nicht entschuldigen," erwiderte ich, "aber ich wollte, es reute mich nicht, und ich hätte meine geschichte ausschreiben dürfen, ich wollte immer an einem Himmelfahrtstage einen sterben und am Allerseelen-Tage seine Nachkommen beten lassen, und alle hätte ich am Allerheiligen-Tage noch einmal im Himmel schlecht grouppiertdoch, Liebererzählen Sie fort, damit wir das Volk nach und nach vom Halse bekommen; ich versichere Sie, es schleppt sich noch wie ein Leichenwagen, und ich glaube, ich werde ruhig sein, wenn die ganze geschichte aus ist, fahren Sie fort." –

"Molly zog nun nach Deutschland in die Nähe von Josephs Aufentalt, ihr Sohn blieb noch in England in einer Handlung."

Auf ihrem Wege begegnete ihr folgendes, was wieder einen Knoten in Ihrem ersten Bande löset.

In einem Gastofe hörte sie neben ihrer stube sehr heftig weinen und klagen, es war eine Italiänerin. Molly ging zu ihr und bat sie, sich ihr zu vertrauen. Die Italiänerin erzählte ihr nun unter vielen Ausrufungen, dass sie von einem jungen mann gegen den Willen seiner Eltern aus dem Kloster sei entführt worden, dass sie nun hier angekommen und ohne allen Unterhalt seien, sie sei hier in einem luterischen land getraut worden, und fühle nun den ganzen Fluch ihrer Kirche: "Ach! sagte sie, Madam, hätte ich nur mein Kind geboren, ich wollte gerne sterben." –

Molly versprach hülfe, sie hörte, dass ihr Mann ein Maler sei, und verschaffte ihm Arbeit in der Stadt. Sie selbst verliess die junge Frau nieund schwor ihr, für ihr Kind wie eine Mutter zu sorgen.

Die Italiänerin brachte einen Sohn zur Welt, und starb. Der Mann kam in die stube, sah sein totes Weib, verliess das Haus und war nicht mehr zu finden. – Das Kind erhielt den Namen Eusebiound Molly nahm es als das ihre an. – Nachdem sie den kleinen Eusebio zwei Jahre erzogen hatte, und er immer sehr kränklich gewesen war, brachte sie ihn zu Joseph hinauf, damit ihm die freie Luft gedeihen möge. –

Auch aus diesem Knaben haben Sie ein recht abenteuerliches geschöpf zu machen gesucht, mein Freund!" sagte Godwi hier zu mir.

"Ich verdiene das alles," erwiderte ich, "aber fahren Sie fort, jedes Wort der geschichte langweilt mich so, dass es mir wirklich mehr Strafe ist, sie anzuhören, als alle mögliche Vorwürfe." –

"Sie werden einsehen, lieber Maria," fuhr Godwi fort, "dass dieser Maler Franzesko Firmenti, und das junge Weib seine Cecilia ist, von denen Antonio Firmenti an meinen Vater schrieb. Seinen Brief haben Sie allein unverfälscht gelassen.

Ich wende mich nun wieder etwas zu meinem Vater. Dieser hatte während dem, was ich Ihnen erzählte, sich hier in der nahgelegenen Stadt etabliert, und dieses Landhaus gekauft. Mariens Tod, Josephs Elend hatten einen mächtigen Riss in sein Leben gemacht, er ward sehr melancholisch und überliess sich der Reue in einem fürchterlichen Grade. Er floh mich, und ich verzweifelte in den Händen der Lehrer. Einen Freund hatte ich, der einige Jahre älter war; er war als elternlos meinem Vater aus England geschickt worden, denn er hatte jemand gesucht, um mir einen Gesellschafter zu geben –. Dieses ist Römer, Mollys Sohn. Sie wusste es wohl, sie wollte Godwi zwingen, Vater zu sein, und hatte durch Römer einen Faden angelegt, sich wieder mit meinem Vater zusammenzuspinnen. –

Ich führte ein trauriges Leben, bis mir endlich mein Vater erlaubte, zu reisen, er wünschte, ich möchte nach Italien gehen –; aber Sie wissen, wie ich reiste, die Freiheit war so wunderbar, so süss, dass ich oft in einem dorf einen halben Tag zubrachte.

Als ich nach B. kam, ward ich mit Molly bekannt, von deren Zusammenhang mit mir ich nichts wusste.

Die Frau war noch sehr schön, und es hatte mich vorher noch kein Weib in die arme gefasst. Sie öffnete mir einen ganz neuen Sinn fürs Leben, ich habe von niemand mehr gelernt als von ihr.

Sie ward sonderbar durch mich erregt, ihre Schwärmerei besiegte ihre Erfahrung, und sie beweist in ihrem Briefe an Joseph, den Sie im ersten Bande Seite 81 mit Ihren undeutlichen Kunststücken verdorben haben, dass keine sogenannte Besserung möglich sei, wenn man das als Sünde annimmt, was unmittelbar aus dem Zentrum unsers Daseins aufflammt. Sie war als ein sinnliches Weib erschaffen worden, und war so unschuldig geblieben, wie sie Gott erschaffen hatte, das heisst sinnlich; und hatte ihr die natur nicht einen Fingerzeig gegeben, sollte sie etwa begehrend