sie sich freuen oder bedauern sollte; aber sie fühlte sich schon in den bezauberten Strom, den jede Liebe unter exzentrischen Umständen bildet, hingezogen.
"arme Molly! ist dieser die Ursache deines Schweigens seit gestern", sagte Kordelia6 zu ihr, und verliess sie.
Godwi kam nun den Garten herauf, und da er sah, wie Kordelia Molly verliess, so beugte er um eine Allee herum, um ihr zu begegnen. Dies tat er, um Mollys Stolz zu mildern, indem er sie sehen liess, dass er nahe bei ihr noch einen Umweg nehmen konnte, um irgend einem andern weib zu begegnen. Kordelia grüsste ihn nicht, als er an ihr vorüberging – er stand einige Minuten still und sah ihr nach, bis sie ihm aus den Augen kam. Dieser Moment ist ihm ein Stillstand seines Lebens geworden, er wusste nie, warum; aber er hat nie vergessen, wie er stillstand, und sie an ihm vorüberging.
"Verirren Sie sich nicht", hörte er Molly rufen, und seine wunderbare Rührung bei Kordeliens Anblick ward schnell ein Mittel, diese zu demütigen; er trat vor sie mit den Worten:
"Ihre Freundin ist so schön, so stolz, dass man leider verloren ist, ohne den Genuss zu haben, sich zu verlieren." –
Molly fühlte die Spitze, und erwiderte ihm, dass sie ihn wieder suchen wolle, um ihm die Freude zu machen, sich zu verlieren. –
Es spann sich bald ein Gespräch zwischen ihnen an, wie es zwischen dem schönen stolzen Spötter und der stolzen sinnlichen Entusiastin sich weben konnte. Godwi erkannte ihre Schwäche, und ihre Stärke, er fand, dass er ihren Kopf entwaffnen müsse, um sie zu demütigen, und wie leicht war ihm das – denn sie antwortete schon auf seine Schönheit, als sein Verstand noch allein mit ihr koquettierte. – Seine Besuche wiederholten sich, er schien ihr anhänglich zu werden, denn er fasste schon oft ihre schöne Hand bei diesen Unterhaltungen, und zählte seine Ursachen an ihren Fingern her.
Ihr Umgang erhielt auch schon jenen geheimnisvollen verführenden Reiz, wo sich das Geschlecht in die entferntesten Ideen mischt, sie waren schon so vertraut, dass sie hier und da manches sagten, was sie nicht recht ausgesprochen hatten, ihr Wort fing an Fleisch zu werden. – Molly wehrte sich, und Godwi ergötzte sich dran, wie sie in dieser Glut stets so heilig, und er immer witziger ward. –
Sie liebte ihn nun wirklich: wenn er nicht zugegen war, weinte sie oft heisse Tränen, und hatte in ihrer Liebe den sehnlichen Wunsch, an ihrem Herzen diesen Mann der Welt wiederzugebären; aber sie wollte ihn eigentlich nehmen, wie er war.
Er war der einzige Mann bis jetzt gewesen, der ihr Punkte vorschreiben konnte, die sie denkend nicht zu überschreiten wagte, und wenn das sinnliche Mädchen an ihrer Toilette sass und ihre Locken ringelte, so riss sie oft alle die schönen Schlingen wieder auseinander, faltete die hände, drückte sie gegen ihren entblössten Busen, und sagte mit heissen Tränen in den grossen Augen: "Ach sollte der kalte Spötter hier an diesen beiden Leben nicht wieder zum Entusiasten erwarmen können?"
Kordelia entfernte sich immer mehr von ihr –." "Ich will Ihnen", unterbrach sich hier Godwi, "nicht weiter erzählen, wie mein Vater dies Weib verführte." –
Bald lag er an diesen beiden Leben, aber er war nicht wieder zum Entusiasten erwarmt, er spielte mit ihnen, wie mit allen Leben, nahm alles, was die volle Blüte ihm entgegendrängte, schwor ihr, er habe mehr genossen, als er vermutet habe, und verliess ihr Bett; sie fasste ihn mit ihren zarten Armen und verstand ihn nicht.
"Löse deine Bosheit im einzigen Ergeben, lieber Godwi," sagte sie, "o zürne nicht, dass du ein Mensch bist, hat dich doch das Leben noch geliebt; ach du glaubtest nicht, dass noch solche Einheit bestehe" –
Sie kniete vor ihm, umschlang ihn, ihre holde Blösse bewegte ihn nicht.
"fräulein," sagte er, "Sie erniedrigen sich, schonen Sie Ihrer Gesundheit, Sie werden sich verkälten," und eilte aus der stube. –
Sie lag noch lange auf den Knien, und konnte am Morgen nicht mehr weinen. –
Als Godwi durch den Garten ging, stand er in einem Gebüsche still, er sah Kordelien im Mondscheine stehen, ruhig wie eine Bildsäule: er war wunderbar erbittert, und kalt, als er sie sah, er konnte sie nicht erdulden – und konnte er etwas Schlechteres tun, als zu ihr hingehen und sagen: "Guten Abend, Miss, noch so spät, mit der natur beschäftigt? gehen Sie doch zu Ihrer Freundin, sie befindet sich nicht ganz wohl – sehen Sie, es war nicht gut anders möglich, ich konnte nicht anders –".
Kordelia hatte nie mit ihm gesprochen; aber Molly hatte ihm ihr wunderbar andächtiges Gemüt in ihren Umarmungen verraten.
Kordelia floh erschrocken vor ihm, und er ritt weiter. Wie es ihm war, weiss Gott – er konnte nicht begreifen, als er so vor sich hin ritt, warum er ein so schlechter Mensch sei, und warum er sich nicht mit Molly verbunden habe: da fing er an, schneller zu reiten, und wusste nicht, warum er sein Gewissen durch einen starken Trab überreiten konnte. – Molly fühlte sich