zu sehr traue: sie machen einen Lärm von der Schönheit der natur, als wäre es eine Seltenheit, und streichen gewisse Empfindungen so heraus, als wären sie nicht bloss reingebürstete Stellen des Lebens; sie haben eine Aufrichtigkeit in allem diesem, dass ihnen die Knöpfe vom Rocke springen, als sei alles dieses etwas anders als Nacktgehen – und stelle ich mich hin und rüste mich und strecke die arme wie ein Fechter hinaus, ich warte und warte auf die entsetzliche Vortrefflichkeit der Dinge, als sollte nun bald ein Felsenstück auf mich niederrollen, und am Ende ist es immer das Alte, was sich von sich selbst versteht, ich werde unwillig, und vergnüge mich in irgend einem Winkel der Erde, solange es geht –." "Es wäre mir recht angenehm, Weib und Kind zu haben, aber ein Weib vom Vater oder von sich selbst begehren, langweilt mich, und das Stehlen ist verboten." "Marie Wellner liebe ich, aber es ist mir leid für sie, ich habe kein Recht auf sie, und sie alle auf mich: ich will warten, ob sie diese Rechte gebraucht; ich befinde mich wohl in diesem stillen Leben, ich glaube, es könnte gut werden; ob ich gut werden kann? Gott weiss, wer schlecht ist." (An dem Abend, als die Szene zwischen Wellner und Marien vorfiel, fand sich Godwi sehr ergriffen: er vergass alles, was vor diesem sein Leben umfasste, und entschloss sich fest, Marien zu besitzen, an ihr und dem guten Alten ein einfaches ruhiges Leben zu erbauen, und ruhig zu werden –, er schwor sich selbst, nur von dem Besitze Mariens aus zu leben, und alles anzuwenden, sie zu erhalten. Die Lage des Vaters schien ihm dazu eine hülfe zu bieten, weil er reich war und ihn durch ein Darlehn decken konnte; er hoffte auf die Dankbarkeit der Tochter, und fasste die Hoffnung, Joseph werde nicht zurückkommen –, wie ihn dieser Plan rührte, wie er jetzt schon wieder auflebte, und eine ganz andre Ansicht seines Lebens bekam, ist leicht aus folgenden Zeilen zu sehen, die er schrieb, und die mehr Selbstgefühl als Selbstverachtung atmen.) –
"Ich habe lange auf den gewartet, der mich dem ewigen Zweifel an ein besseres Leben in mir entrisse, und endlich ist sie erschienen, die mich zur Einzelnheit erheben kann. Marie hat sorgenvoll mit mir gespielt, und wenn sie ihren eignen Schmerz an meinen Mängeln wegschneidet, so kann ich immer schöner werden und einst ihr Glück, das sie verlor, ihr in mir, ihrem Werke, zeigen." (Dieses wenige war mir verständlich, alles andere zeigte mehr oder weniger Bitterkeit und Selbstverachtung, mitunter eine Art von Mutfassen, die einer gewohnten Frivolität sehr ähnlich war, dabei doch guten Willen, aber selbst für diesen guten Willen Verachtung.) –
Er schrieb nach diesem ein Billet an Wellner, bot ihm eine ansehnliche Summe an, und liess einige Zeilen einfliessen, wie er sehr wünsche, mit ihm in eine nähere Verbindung zu kommen. Wellner nahm die Summe an, und wünschte auch, dass ihn Marie lieben möge –.
Auch dies fand sich. Godwi war mehr um sie, er hatte ihren Vater gerettet, sie war ihm dankbar, es kamen Briefe, Joseph sei tot, sie war sehr traurig, und dem Vater war es die letzte Erfahrung: er ward krank, und wünschte Marien noch bei seinem Leben mit Godwi verbunden zu sehen, sie reichte ihm die Hand, es war an derselben Stelle, wo er sie einst Josephen versprochen hatte – bald darauf starb er. –
Godwi besass nun die ganze Handlung, und führte sie unter Wellners Firma fort. Marie war nicht glücklich und nicht unglücklich mit ihm, aber sie liebte ihn nicht – sie liebte immer nur Josephen. –
Abends ging sie oft, mit ihrem kleinen Sohne auf dem Arm, am Hafen allein spazieren, und sah noch dahinaus, wo ihr lieber Joseph hingefahren war, und weinte.
Als sie auch einmal so da ging, kam ein Schiff gefahren, vorn auf dem äussersten Rand stand ein Mann, der aussah wie Joseph; er hatte ein Fernrohr in der Hand, und sah nach ihr, und winkte mit einem Tuch, sie bebte, und trat ganz hervor an das äusserste Ende des Ufers, so dass der Knabe sie bang um den Hals fasste. –
Der Mann sprang in ein Boot, und kam näher, ach er sah immer aus wie Joseph! Er rief laut: "Marie, Marie!"
Es war Josephs stimme, es war Joseph selbst, und er sah, wie Marie die arme nach ihm ausstreckte, wie ihr Kind und sie in die See stürzte –.
Joseph wurde gerettet, das Kind wurde gerettet, aber Marie war tot.
Godwi nahm den Knaben und floh, Joseph blieb krank zurück, er litt sehr an seinem verstand. Als er genas, erzählte man ihm, dass Marie verheuratet gewesen. Dies brachte ihn zu einem fürchterlichen Ernste, er fand ein Testament Wellners, in dem er eröffnete, dass Godwi das ganze Vermögen gehöre, weil er darin seinen Banqueroutt bekannt machte –.
Er verliess die Gegend, und lebte herumziehend von dem wenigen, was er in Amerika erworben hatte –.
Dieses ist die geschichte von Godwis Eltern, und die Leser werden nun die Stellen im ersten Bande, wo Werdo Senne Seite 73 singt